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Zum ersten Mal seit 1930 : Die üblichen Verdächtigen fehlen

Nicht zu fassen: Deutschland schon nach der Vorrunde abgereist. Bild: dpa

Keine der beiden sonst dominierenden Fußball-Nationen hat das WM-Halbfinale erreicht. Weil auch andere klassische Turniermannschaften schwächeln, könnte etwas völlig Neues passieren.

          Noch bevor sich die 21. Fußball-Weltmeisterschaft in Russland so langsam ihrem großen Finale nähert, steht fest, dass etwas Historisches passiert ist: In der Runde der besten vier spielen weder Brasilianer noch Deutsche mit. Das gab es seit 1930 nicht mehr. Wenigstens eine der beiden dominierenden Mannschaften der WM-Geschichte stand danach immer im Halbfinale – einmal spielten sie in der Vorschlussrunde auch gegeneinander: beim legendären 7:1-Sieg der Deutschen auf dem Weg zu ihrem vierten WM-Titel gegen Gastgeber Brasilien vor vier Jahren.

          Diesmal ist Rekordweltmeister Brasilien nach der 1:2-Niederlage im Viertelfinale gegen Belgien ausgeschieden und Deutschland hatte sich schon nach der Vorrunde mit der abschließenden 0:2-Pleite gegen Südkorea aus dem Turnier verabschiedet. Somit ist ein unerwartetes Vakuum im Turnierbaum entstanden. Brasilien war neben seinen fünf Titelgewinnen (1958, '62, '70, '94 und 2002) weitere sechs Mal mindestens Vierter bei einer WM. Deutschland schmückt sich und sein Fußball-Trikot mit vier WM-Sternen (1954, '74, '90, 2014) und stand sogar bei weiteren neun Meisterschaften mindestens im Halbfinale. Nur einmal trafen die beiden führenden Fußball-Nationen übrigens in einem Endspiel aufeinander: Brasilien gewann 2002 mit 2:0. Außer 2014 und 2002 waren deutsche und brasilianische Teams auch 1958, 1970 und 1974 gemeinsam unter die Top-Vier vorgedrungen, sich bei diesen Turnieren aber aus dem Weg gegangen.

          Fussball-WM 2018

          Auch die drei anderen Fußball-Nationen, die bislang mindestens zwei Mal Weltmeister waren, sind nicht mehr im Rennen. Der viermalige Titelträger Italien (1934, '38, '82, 2006) hatte es erst gar nicht bis Russland geschafft, sondern war in der Relegation an Schweden hängengeblieben. Die beiden zweimaligen Weltmeister Argentinien (1978, '86) und Uruguay (1939, '50) scheiterten nacheinander im Achtel- und Viertelfinale an Frankreich. Somit ist Südamerika zum ersten Mal seit 2006 und überhaupt erst zum fünften Mal bei 21 WM-Auflagen mit keinem einzigen Team unter den besten vier vertreten.

          Nicht zu fassen: Ein WM-Halbfinale ohne Brasilien

          Da auch Spanien, Weltmeister von 2010, bereits nach dem Achtelfinale die Heimreise antreten musste, sind nur noch zwei Vertreter einstiger Weltmeister-Nationen dabei: Neben Frankreich (1998) noch England (1966), das nach seinem souveränen Viertelfinal-Sieg gegen Schweden weiter vom zweiten Stern träumen darf. England kann außer seinem Heimsieg 1966 dagegen nur noch auf den vierten Platz 1990 verweisen. Frankreich stand neben dem Triumph bei seiner Heim-WM 1998 dagegen immerhin bei vier weiteren Turnieren im Halbfinale.

          Kommt es zu einem WM-Debüt?

          Doch es könnte bei dieser WM sogar zu einem Novum kommen: dass zwei Teams im Finale gegeneinander spielen, die noch nie das Endspiel erreichten, geschweige denn den wichtigsten Titel der Fußball-Welt gewannen: Belgien und Kroatien.

          Belgien hat als größten Erfolg seiner WM-Geschichte bislang den vierten Platz von 1986 in seinem Briefkopf stehen, scheiterte seitdem zumeist im Achtelfinale und hatte Anfang des Jahrtausends sogar eine harte Durststrecke zu überstehen, als es sich bei zwei Turnieren nicht mal qualifizieren konnte. Kroatien ist seit der Unabhängigkeit überhaupt erst zum fünften Mal dabei, erreichte in seiner noch jungen WM-Geschichte 1998 auf Anhieb das Halbfinale und belegte Platz 3, schied danach aber stets in der Vorrunde aus.

          Eines ist sicher: egal ob die Newcomer Belgien oder Kroatien, oder doch die halbwegs Etablierten England oder Frankreich die WM 2018 gewinnen werden, Europa baut seine Titelführung gegenüber Südamerika auf 12:9 aus.

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