http://www.faz.net/-gtl-7r3dy

Afrikas WM-Teams : Money for Nothing

  • Aktualisiert am

Nigerias Trainer Stephen Keshi: „Vielleicht sind wir nicht fokussiert genug“ Bild: AFP

Wenn es bei der Fußball-WM in die entscheidende Phase geht, sind Afrikas Teams wieder nicht dabei. Prämienstreit und Trainingsboykotte prägten das Bild, besonders bei Nigeria, Ghana und Kamerun.

          Schade, Afrika. Nigeria und Algerien sind im Achtelfinale als letzte Vertreter des Kontinents gescheitert, der nicht nur berühmt ist für seine hochbegabten Kicker, sondern auch für notorische Selbstsabotage durch interne Streitereien ums Geld. Algeriens Kapitän Madjid Bouguerra hatte zwar für das Achtelfinal-Aus seiner Mannschaft gegen Deutschland eine ganz normale Erklärung: „Bei einer WM herrscht ein sehr hohes Level. Vor allem, wenn du in der K.-o.-Runde spielst. Teams wie Frankreich oder Deutschland haben eine große Erfahrung. Mehr als wir oder Nigeria.“

          Doch dann kam auch er auf das Grundproblem vieler afrikanischer Teams zu sprechen. Einigen von ihnen fehle die „Team-Qualität.“ Prämienstreit, Trainingsboykotte und hohe Politiker, die sich in Fußball-Angelegenheiten einmischen, prägten wieder einmal das Bild, besonders bei Nigeria, Ghana und Kamerun.

          „Vielleicht sind wir nicht fokussiert genug“

          Nigerias Trainer Stephen Keshi schien nach dem 0:2 im Achtelfinalspiel gegen Frankreich ratlos, als er die Frage beantworten sollte, warum denn Afrika nicht mehr aus dem Talent seiner Spieler mache. „Ich weiß nicht, warum es so früh ist“, sagte Keshi nach seinem letzten Spiel als Trainer Nigerias: „Vielleicht sind wir nicht stark genug, vielleicht sind wir nicht fokussiert genug.“ Letzteres könnte der entscheidende Grund sein. Auch bei den Nigerianern gab es vor der Niederlage im Achtelfinale gegen Frankreich die fast schon traditionellen Begleitumstände.

          „Das ist ein Teil der Kultur, dass Minister oder andere Staatsvertreter kommen, mit uns reden oder uns motivieren“, sagte Keshi. Tatsächlich war der Sportminister des Landes am Tag vor dem Spiel eingeflogen - er hatte nach Angaben des Coaches „unseren Bonus dabei“. Es ging immerhin um insgesamt 3,805 Millionen Dollar (2,785 Millionen Euro). Am Tag vor der Abfahrt nach Brasilia hatte die Mannschaft das Training noch boykottiert.

          Ghanas Coach Kwesi Appiah: „Das System in Afrika ist anders als in Europa“

          Auch Ghanas Coach Kwesi Appiah hatte Mühe, das Dauerproblem zu erklären. „Das System in Afrika ist anders als in Europa“, sagte der Coach am Tag, bevor sein Team in der Vorrunde ausschied. In einer spektakulären Aktion waren schätzungsweise drei Millionen Euro in bar nach Brasilien eingeflogen worden. Die Spieler fürchteten wohl um ihren Anteil an den Millionen, die der Weltverband Fifa an alle Teilnehmer ausschüttet. Sie haben Angst, dass das erst nach der WM fließende Geld in den Verbänden ihrer Länder versickert.

          „Money, Money, Money - das war der Refrain der Spieler, und es ist ein Jammer, dass sie zuließen, dass er uns die WM verdarb“, wurde Ghanas Verbandspräsident Kwesi Nyantaki zitiert. Vor der WM waren die afrikanischen Hoffnungen trotzdem groß gewesen. „Wir müssen Weltmeister werden“, verkündete der in Deutschland aufgewachsene Ghanaer Kevin-Prince Boateng. Beim letzten Spiel seiner Mannschaft war er allerdings nicht mehr dabei - wegen Disziplinproblemen aus dem Kader geworfen.

          Weitere Themen

          Das Meister-Projekt Marseille

          Gegner der Eintracht : Das Meister-Projekt Marseille

          Mit Geld aus den Vereinigten Staaten will Olympique Marseille um Titel kämpfen. In Frankreich bleiben sie durch den Gewinn der Champions League „Für immer die Ersten“. Auch ein deutscher Spieler war an dem Erfolg von 1993 beteiligt.

          Topmeldungen

          Neuer Daimler-Chef : Kapitänswechsel in stürmischen Zeiten

          Nach 13 Jahren an der Spitze von Daimler hört Dieter Zetsche als Vorstandsvorsitzender auf. Sein Nachfolger wird sich nicht ausruhen können, denn der Autohersteller hat mit vielen Problemen gleichzeitig zu kämpfen.
          Gegenwind: Die Flagge der Europäischen Union flattert vor deren Hauptquartier in Brüssel.

          Nebenkosten im EU-Parlament : Geheime Rechnungen

          Eine Pauschale sorgt in Brüssel für Unmut. Journalisten forderten die EU vor zwei Jahren auf, die Verwendung der Gelder der „allgemeinen Kostenvergütung“ offen zu legen. Das Gericht der Europäischen Union hat nun dagegen entschieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.