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Eklat um WM-Werbung von Adidas : Mit ganzem Herzen dabei

  • -Aktualisiert am

Voller Körpereinsatz: Mit einem Rinderherzen wirbt Lukas Podolski für Adidas. Bild: Twitter/Adidasfootball

Eine Werbekampagne von Adidas hat für einen Shitstorm gesorgt: Nationalspieler Podolski verspricht vollen Einsatz bei der WM - mit einem Rinderherzen in der Hand. Tierschützer sind empört.

          Ein Herz, in die Kamera gehalten von Fußballstars wie Lukas Podolski und Arjen Robben: Das Motiv hinter der aktuellen „All In Or Nothing“-Kampagne von Adidas scheint klar zu sein. Mit ganzem Herzen und vollem Einsatz sind die Spieler bei der kommenden Fußballweltmeisterschaft dabei. Doch die Kampagne sorgt für große Aufregung. Denn bei dem Herz handelt es sich um ein echtes - und zwar von einer Kuh. Tierschützer protestieren heftig, in den sozialen Netzwerken ist ein Shitstorm über Adidas hereingebrochen.

          „Widerlich“ sei die Kampagne, schreiben viele Nutzer auf der Facebook-Seite von Adidas und stellen die Frage nach Geschmack und Moral der Verantwortlichen. „In einer Zeit, in der Tiere gequält und für den Sport ermordet werden, finde ich diese Werbung sehr unpassend“, kommentiert eine Nutzerin. Ein anderer kritisiert: „Ethisch und moralisch eine glatte 6. Ich hoffe, dass diese Kampagne so hohe Wellen schlägt, dass sie zurückgezogen werden muss!!!“ Auch auf Twitter kommentierten viele Nutzer die Kampagne empört.

          Adidas: Wollten besonders authentisch sein

          Bei Adidas versteht man die Aufregung hingegen nicht. „Das Herz wurde regulär in einem Metzgerei-Fachgeschäft gekauft und war für Kunden im Laden erhältlich“, sagte ein Sprecher gegenüber „Spiegel Online“. Durch die echten Herzen werde die Kampagne besonders authentisch: „Wir wollten die Bilder so kraftvoll wie möglich gestalten, um die Leidenschaft der Spieler für die Weltmeisterschaft zu unterstreichen.“

          Auch Lukas Podolski ist von der Kampagne durchaus angetan. „Es zeigt mein Versprechen, mein Herz für den WM-Titel zu geben“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Beim Shooting habe er auch „keinen Ekel“ empfunden.

          „Schlachthofbesuch statt Fotoshooting“

          Die Tierrechts-Organisation AnimalsUnited will die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen und wirbt auf Facebook jetzt mit einer Gegenkampagne. Kuh Ella steht dort repräsentativ für das Herz, das Lukas Podolski bei Adidas in Händen hält. Der Slogan: „Ella, durch Sportwerbung herzlos.“ Dass Adidas, vor allem aber Podolski, der doch für Jugendliche ein Vorbild sei, derart für die WM werbe, sei “völlig geschmacklos“, heißt es bei der Organisation.

          Auch der Deutsche Tierschutzbund ist entsetzt über das Verhalten des Nationalspielers. „Dass er für die Weltmeisterschaft bereit ist, soll er auf dem Platz zeigen, nicht mit einem Rinderherzen in der Hand“, sagte ein Sprecher „Spiegel Online“. „Statt Fotoshooting sollte einmal ein Schlachthofbesuch im Terminkalender stehen, damit er sich vom Leid der Tiere ein Bild machen kann.“

          Ob der Shitstorm um die blutigen Rinderherzen Adidas langfristig schadet, ist noch nicht ausgemacht. Oder war die Aktion vielleicht sogar eine kalkulierte Provokation?

          Quelle: FAZ.NET

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