07.06.2002 · Durch ein 1:0 über Argentinien hat sich England für das WM-Aus von 1998 revanchiert und nun eine gute Ausgangsposition für das Achtelfinale.
Für David Beckham ist ein langer Albtraum wie ein glückliches Märchen zu Ende gegangen. „Unglaublich, ich habe vier Jahre auf diese Revanche warten müssen“, sagte der 27-jährige völlig gerührt.
Er hatte als Kapitän England zum ersten Sieg über Argentinien bei einer Fußball-WM seit 1966 geschossen und damit weit das Tor zum Achtelfinale aufgestoßen. Beim WM-Aus 1998 gegen den gleichen Gegner hatte Beckham die Rote Karte gesehen und war zum Buhmann der Nation geworden.
Foulelfmeter entscheidet Spiel
Mit wilder Entschlossenheit nahm er vor 35.927 Zuschauern im Sapporo Dome die „Chance zur Revanche“ wahr und verwandelte in der 44. Minute einen Foulelfmeter zum 1:0 (1:0). Nur neun Wochen nach seinem Mittelfußbruch erfüllte sich sein heißer Wunsch: „Das war fürchterlich, als ich zum Elfmeter antrat, aber ich musste den Ball irgendwie unterbringen“, schilderte er seine Gefühlslage bei der entscheidenden Szene.
Nach dem Abpfiff bedankte sich der Star von Manchester United bei jedem Mitspieler einzeln: „Die ganze Mannschaft hat heute brillant gespielt.“ Der schwedische England-Coach Sven Göran Eriksson stimmte zu: „Wir haben mit viel Herz einen sehr wichtigen Sieg errungen. Die letzten 15 Minuten waren allerdings hart. Noch sind längst nicht alle Spieler fit. Wenn das der Fall ist, können wir Wunder vollbringen. Wir haben nun alles gegen Nigeria selbst in der Hand.“
Argentiniens finales Duell gegen Schweden
Argentinien, das im „Spiel der Spiele“ zu spät zum Endspurt blies, muss jetzt wahrscheinlich zum Abschluss der „Todesgruppe F“ am Mittwoch in Miyagi Schweden schlagen, um weiter im Wettbewerb zu bleiben. „Ich bin sehr traurig. Wir müssen die Niederlage schnell abhaken, unsere Chance ist noch da“, sagte der enttäuschte Trainer Marcelo Bielsa: „Wir haben heute alles versucht, aber es hat nicht gereicht.“
Die Briten, zum Schluss stehend K.o., nahmen damit erfolgreich Revanche für die vorausgegangenen Niederlagen bei den WM-Endrunden 1986 und 1998 und unterstrichen ihre Ambitionen auf den zweiten WM-Titel nach 1966. Michael Owen hatte bereits in der 24. Minute das 1:0 auf dem Fuß, traf aber nur den linken Pfosten. Nach der Pause hatte England mehrere hochkarätige Chancen durch Owen (48.), Paul Scholes (49.), Beckham (55.) und Teddy Sheringham (57.). Die „Gauchos“ wirkten verstört. Ersatz-Kapitän Juan Veron blieb zur Pause in der Kabine.
Batistuta ausgewechselt
Gabriel Batistuta, Schütze des 1:0 über Nigeria, wurde nach einer Stunde durch Hernan Crespo ersetzt. Erst nach 70 Minuten wurde Argentinien wieder stärker, doch der Ausgleich wollte nicht fallen. Das Duell der Ex-Weltmeister war im Vorfeld wie stets seit dem Falkland-Krieg 1982 von ungeheuren politischen Emotionen begleitet gewesen. B
esonders Argentinien hielt während der Partie den Atem an, das ganze Land hatte sich in den Morgenstunden vor den Bildschirmen versammelt. Kaum jemand arbeitete, die Schule fiel aus. Die von schrecklicher wirtschaftlicher Not gepeinigten Menschen vergaßen zwei Stunden lang das Elend ihres Alltags. Umso größer war die Enttäuschung über die Niederlage.
8000 britische und rund tausend argentinische Fans wurden auf den Rängen geschätzt. Ein Sicherheitsaufgebot von 7000 Polizisten war nach Hokkaido eingeflogen worden, um Hooligan-Ausschreitungen im Keim zu ersticken. Doch wie bereits bei der Partie England-Schweden bestätigten sich die Befürchtungen nicht. Es gab lediglich neun Festnahmen wegen Bagatellfällen.