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Champions League : In London verehrt, in Barcelona vermißt

Überflieger Fabregas Bild: REUTERS

Er ist 18 und ein Mädchenschwarm, hat ein schönes Salär und einen flotten Wagen, wurde Anfang März Fußball-Nationalspieler und Ende März der neue Star der Champions League. Wer würde nicht gern mit ihm tauschen? Doch auch bei Cesc Fabregas klappt nicht alles.

          Er ist 18 und ein Mädchenschwarm; hat ein schönes Salär und einen neuen Audi A3 in der Garage; wurde Anfang März Nationalspieler und Ende März der neue Star der Champions League. Wer würde nicht gern mit ihm tauschen? Doch auch bei Cesc Fabregas klappt nicht alles.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Neulich flog er durch die Führerscheinprüfung. Der Vater verriet es der Presse: "Es ist ihm sehr peinlich, daß er jetzt zweimal nicht bestanden hat. Er wird die Prüfung nächste Woche wiederholen." Ein zweiter Fernando Alonso wird er wohl nicht. Vielleicht aber ein zweiter Frank Lampard. Das ist sein Ziel. Es sieht nicht unerreichbar aus. Denn die wichtigere Praxis-Prüfung hat Francesc Fabregas Soler, genannt Cesc, vergangene Woche glanzvoll bestanden. Beim 2:0 des FC Arsenal gegen Juventus Turin stach der Katalane seinen Vorgänger im Mittelfeld, den nach Turin gewechselten Patrick Vieira, aus. Ein Tor schoß er, das andere bereitete er vor. An diesem Mittwoch kommt es um 20.45 Uhr in Turin zum Rückspiel (Siehe auch: FAZ.NET-Liveticker).

          Barca-Fan in Barcelona übersehen

          Das hätte auch ein Lampard nicht besser hingekriegt. Wie viele Jungprofis hat Fabregas sich nicht Ronaldinho zum Vorbild gemacht, weil man den nicht kopieren kann; sondern den Dirigenten des FC Chelsea. "Lampard ist der komplette Mittelfeldspieler. Er verteidigt, attackiert, schießt viele Tore", sagt er. "Ich bin noch nicht so gut wie er. Aber ich glaube, daß ich es werden kann. Vielleicht sogar besser."

          Dabei ist Fabregas Barcelona-Fan. Sein Großvater, Präsident des Fußballklubs von Arenys de Mar an der Costa Brava, nahm schon den Zweijährigen mit ins Nou Camp. Später pilgerte der Junge regelmäßig ins Stadion. Und landete im Jugendteam des FC Barcelona. Daß der Klub sich das Talent trotzdem entgehen ließ, als Arsenal vor drei Jahren lockte, schmerzt viele Barca-Fans. Leicht fiel der Weggang Fabregas nicht: "Ich war glücklich in Barcelona, hatte dort viele Freunde." Doch der Reiz, bei Arsene Wenger in die Lehre zu gehen, überwog. "Ich bin froh, diese Entscheidung getroffen zu haben", sagt er heute.

          Jüngster Spieler der Arsenal-Geschichte

          Schon mit sechzehneinhalb spielte er für Arsenal, wurde jüngster Spieler, jüngster Torschütze der Klub-Geschichte. Bei Barca dagegen hätte es auf Jahre hinaus keine Aussicht auf einen Platz im Profi-Team gegeben. Präsident Laporta, der im Transfer-Kampf mit Manchester United um Ronaldinho im Frühsommer 2003 keinen Blick für Fabregas hatte, merkte bald darauf bei der U-17-Junioren-WM, welches Talent ihm verlorenging. Fabregas führte Spanien ins Finale, wurde als Torschützenkönig und bester Spieler geehrt. Der wütende Laporta versuchte den Wechsel juristisch zu verhindern, doch erfolglos.

          Derzeit zeichnet sich der nächste Ärger ab. Barca-Jungstar Fran Merida war kürzlich zum Vorspielen in London und soll an seinem 16. Geburtstag im April einen Vertrag erhalten. Wegen eines Formfehlers von Barca (im Vertrag mit Meridas Eltern wurde vor zwei Jahren die Unterschrift eines Klub-Vertreters vergessen) kann ihn Arsenal sogar umsonst bekommen. Für Fabregas erhielt Barca immerhin rund 1,5 Millionen Euro sowie ein Vorkaufsrecht für den verlorenen Sohn, sollte der London wieder verlassen. Danach sieht es aber vorerst nicht aus. Er habe sich in die Stadt "verliebt", sagt Fabregas. Seinen Vertrag hat er bis 2011 verlängert.

          Fabregas könnte immer noch A-Jugend spielen

          Wie es Arsenal gelang, der katalanischen Institution Barca den Katalanen und Barca-Fan Fabregas wegzuschnappen, ist das wohl beste Beispiel für den Wert eines guten Scouting-Systems. Francis Cagiao, früherer Arsenal-Zögling und heutiger Spanien-Späher für die Engländer, meldete das Talent nach London, und Wenger ließ Fabregas ein Jahr lang in fast jedem Jugendspiel beobachten.

          Heute könnte Fabregas immer noch in der A-Jugend spielen. Doch im Hochtempo der Premier League und im Star-Getümmel der Champions League wirkt er wie ein alter Hase. "Wenn man ihn spielen läßt, kann er ein Team ganz allein erledigen", sagt Kapitän Thierry Henry. "Er hat den Körper eines Teenagers und den Kopf eines erfahrenen Mannes." Doch solle man nicht gleich zuviel verlangen, sondern ihn "wachsen lassen".

          Er verliert praktisch keinen Ball

          Liam Brady, Leiter der Arsenal-Akademie, nennt ihn "einen dieser seltenen Spieler, die einen Ball führen können und immer einen tödlichen Paß in die Spitze auf Lager haben". Das Erstaunlichste ist, daß Fabregas seine Stärke auf der anspruchsvollsten Position des Fußballs zeigt, wo man am meisten Überblick, Durchsetzungskraft und Präsenz braucht, Eigenschaften, die gemeinhin im Kicker-Leben erst langsam reifen: im zentralen Mittelfeld.

          Ausgerechnet dort ist Spaniens Nationalelf besonders stark besetzt: Xavi, Baraja, Albelda, Xabi Alonso. Doch Nationaltrainer Luis Aragones machte Fabregas nach dessen gutem Debüt beim 3:2 gegen die Elfenbeinküste Hoffnung auf eine WM-Teilnahme: "Cesc spielt ähnlich wie Xavi; er verliert praktisch keinen Ball." Schon vor Jahren hatte Aragones sich als Wahrsager betätigt: "Cesc wird goldene Seiten in der Geschichte des Fußballs schreiben." Gut, daß man dafür keinen Führerschein braucht.

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