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Fußball-WM : Beckmann im Finale - Rubenbauer spielt nicht mehr mit

  • Aktualisiert am

In den Ruhestand: Rubenbauer Bild: dpa

Die ARD verliert einen ihrer bekanntesten Sportkommentatoren: Gerd Rubenbauer hat seinen Rücktritt erklärt - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die ARD und deren WM-Teamchef Heribert Faßbender. Das WM-Finale wird Reinhold Beckmann kommentieren.

          Reinhold Beckmann kommentiert für die ARD das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Darauf einigten sich die Sportchefs der ARD heute Mittag bei einer internen Abstimmung.

          Eigentlich hatte der Sport-Koordinator der ARD, Heribert Faßbender vom WDR, vorgehabt, seinen Kollegen die Wahl zwischen Beckmann und Gerd Rubenbauer zu lassen. Doch sei Rubenbauer durch seinen Rücktritt dieser Alternative leider zuvorgekommen, sagte Faßbender im Gespräch mit der F.A.Z.

          Am Montag abend habe er mit Fritz Pleitgen, dem Intendanten des WDR, und dem Programmdirektor Ulrich Deppendorf sein Vorgehen mit der Wahl zwischen Beckmann und Rubenbauer abgespochen, sagte Faßbender. Gefragt nach Rubenbauers Kritik, daß er und die anderen Sportkommentatoren und -reporter über ihre Aufgaben bei der WM bis jetzt im Unklaren gelassen worden seien und er das „Rumgeeiere“ Faßbenders satt habe, sagte der ARD-WM-Koordinator Faßbender, daß er auf persönliche Angriffe nicht eingehen wolle.

          Zog Rubenbauers Zorn auf sich: Heribert Faßbender

          „Ich bedauere, daß Gerd Rubenbauer durch seinen Rückzug unserer Abstimmung zuvorgekommen ist. Wir haben aber auch mit Reinhold Beckmann einen erstklassigen Reporter, der bei unserem Publikum sehr beliebt ist.“ Eine vom WDR in Auftrag gegebene Umfrage des Instituts Emnid habe zwar ergeben, daß fünfzig Prozent der Befragten Beckmann als Endspielkommentator wollten und 33 Prozent Rubenbauer. Doch hätte das im Zweifel, so Heribert Faßbender, nicht den Ausschlag gegeben. „Rubenbauer ist ein erstklassiger Kommentator.“ Und vor dem Treffen der ARD-Sportchefs habe es für ihn auch nichts zu informieren gegeben, sagte Faßbender.

          Simon und Gottlob kommentieren

          Neben Reinhold Beckmann haben die Sportchefs der ARD als weitere Kommentatoren der Fußball-WM Steffen Simon, den Redaktionschef der „Sportschau“, und Gerd Gottlob vom Norddeutschen Rundfunk ausgewählt. Simon hatte von sich aus, wie es heißt, als Kommentator auf das Endspiel verzichtet, Gottlob kommt nun als Ersatz für Rubenbauer hinzu. Aus dem deutschen WM-Quartier wird Monica Lierhaus berichten, Stadionreporter der ARD sind unter anderem der SWR-Sportchef Michael Antwerpes und sein Kollege Ralf Scholt vom Hessischen Rundfunk.

          Über die Rolle von Waldemar Hartmann ist derweil noch nicht entschieden. „Wir prüfen im Augenblick mehrere Modelle“, sagte Heribert Faßbender. Der Programmdirektor des Ersten, Günter Struve, hatte kürzlich erklärt, daß die zu den Olympischen Winterspielen in Turin eingesetzte Show „Waldi & Harry“ mit Waldemar Hartmann und Harald Schmidt bei der WM nicht in Frage komme. Dieses Verdikt scheint aber nicht unumstößlich zu sein.

          Insgesamt überträgt die ARD 24 Spiele der Fußball-WM, von denen Gerd Rubenbauer, wie der Sportchef Faßbender sagte, auf jeden Fall die ihm zustehenden acht bekommen hätte. Die ARD zeigt - unter anderem - die beiden Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Ecuador und Polen, ein Viertelfinale, bei dem Klinsmanns Truppe dabei sein könnte, ein Halbfinale der anderen WM-Gruppen und das Endspiel.

          Schwere Vorwürfe von Rubenbauer

          Schwere Vorwürfe erhob Rubenbauer gegen Heribert Faßbender. „Es liegt an einem“, sagte Rubenbauer am Mittwoch im „Bayerischen Rundfunk“ (BR) in Bezug auf Faßbender, der bei der Fußball-Weltmeisterschaft Teamchef der ARD ist. Rubenbauer warf Faßbender vor, ihn über die geplanten Reportereinsätze bei der WM nicht informiert zu haben. Er brauche das „Herumgeeiere“ von Faßbender nicht, zu dem er „16 Jahre loyal gestanden“ habe. „Wenn man nicht einmal angerufen wird und gesagt bekommt, was man bei der WM tun könnte, ist mir das an Kommunikation zu wenig“, sagte Rubenbauer. Der 57jährige Kommentator beklagte sich über interne „Ränkespiele“ und „Messerstechereien“ und erklärte dazu: „Ich lasse mich ungern zum Spielball machen.“

          Die Gründe hätten ausschließlich mit der Atmosphäre und Vorbereitung im WM-Team der ARD zu tun. „Keiner weiß, was eigentlich passieren soll.“ Seit 1982 sei er bei Fußball-Weltmeisterschaften eingesetzt gewesen, so etwas habe er aber noch nicht erlebt, empörte sich der Sportexperte. 1998 sei es noch vorbildlich gelaufen, sagte Rubenbauer. Damals hätten WDR-Intendant Fritz Pleitgen und Faßbender die Verpflichtungen der Kommentatoren in fünf Minuten geklärt.

          Beckmann Favorit für das Finale

          Rubenbauer wies im BR-Interview zugleich Spekulationen zurück, wonach sein Rücktritt in Zusammenhang mit seinem Reporter-Kollegen Reinhold Beckmann stünde. Sein Rückzug habe „mit Beckmann nicht das Geringste zu tun“, betonte Rubenbauer, machte aber auch seinem Zorn darüber Luft, daß vor kurzem „zum Schaden der ARD“ Umfragen zur Frage stattfanden, wen sich die Zuschauer als Kommentator des WM-Endspiels wünschten. Dabei lag Reinhold Beckmann vorne. Rubenbauer sagte: „Ich spiele nicht mehr mit.“ Daß sich die ARD bei der Besetzung des WM-Finalreporters womöglich von Umfragewerten leiten lassen könnte, kritisierte Rubenbauer ebenfalls: „Es wäre höchst demaskierend für einen Sender, wenn er sich auf Umfragen verlassen würde.“

          Der 57jährige war freier Mitarbeiter und 28 Jahre bei der ARD beschäftigt. „Ich bin die treueste Seele der ARD“, sagte er. Rubenbauer kündigte an, daß er sein bislang vernachlässigtes Privatleben künftig mehr genießen wolle. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagte er. Die Olympischen Winterspiele seien für ihn ein schöner Abschluß gewesen.

          Der ehemalige Skilehrer begann 1978 als Radio-Fußballreporter beim Bayerischen Rundfunk. 1980 ging er zum Fernsehen und kommentierte die Olympischen Spiele in Moskau. Bis 2002 war er bei allen Sommer- und Winterspielen eingesetzt. Außerdem wurde Rubenbauer einer der bekanntesten Ski- und Fußball-Kommentatoren. Er kommentierte unter anderem das WM-Finale 1990 in Italien und das EM-Finale 2000.

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