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Fußball-Filmer Wortmann „Ich sollte nicht soviel jubeln"

 ·  Während der WM wohnt Sönke Wortmann bei der Nationalmannschaft, sitzt auf der Ersatzbank und darf sogar ins Spielerzelt. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Lahms Drama, Hymnensingen und das Leben im Mannschaftshotel: „Ich muß immer das filmen, was kommt.“

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Sönke Wortmann ist einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure. Seit einem Jahr arbeitet er an einem Dokumentarfilm über die Nationalmannschaft. Fußball-Filmer Sönke Wortmann gibt im F.A.Z.-Interview Auskunft über Lahms Drama, Hymnensingen und das Leben im Mannschaftshotel.

Wer ist denn Ihr Zimmernachbar im Schloßhotel Grunewald?

Es ist ziemlich verwinkelt, wo ich wohne. Ich muß geradeaus, links, rechts und wieder rechts gehen. Einen direkten Nachbarn habe ich da gar nicht. Schräg gegenüber ist Andreas Köpke, das weiß ich.

Standard- oder Superiorzimmer?

Standard. Ich habe eines der weniger großen Zimmer. Aber das muß auch so sein.

Die Spieler nächtigen komfortabler?

Ja, aber ich wohne nicht unkomfortabel. Doch im Vergleich zu den Spielern bescheidener.

Ihr bevorzugter Aufenthaltsort im Hotel?

Der Speisesaal, weil das Essen so gut ist. Obwohl ich gar nicht soviel mache, geht so viel Energie drauf, daß ich immer Hunger habe. Da freue ich mich immer aufs Essen. Aber auch die Zelte draußen sind gerade bei diesem Wetter wunderschön. Da bin ich auch gerne, aber lieber eben beim Essen.

Und wo treiben sich die Spieler am liebsten rum?

Auch draußen.

Es soll ja ein Spielerzelt geben, in das Klinsmann keinen Zutritt hat. Aber Sie dürfen rein?

Ich darf da rein. Außerdem ist den Trainern der Zugang ja nicht verboten. Es ist nur so geplant, daß die Trainer da nicht hingehen, um den Spielern ihren Bereich zu lassen.

Und Ihre Kamera haben Sie auch immer dabei?

Ja, aber die Verabredung ist: Wenn ich störe und im Weg bin, dann gibt es ein Zeichen, dann bin ich weg. Aber das gab es bis jetzt noch nicht. Ich bin sehr froh, wie die Sache bisher läuft.

Wie oft melden sich in diesen Tagen denn Ihre Kumpels und fußballbegeisterten Kollegen? Die müssen Sie doch jetzt beneiden.

Ja, aber es ist ein wohlwollender Neid. Es ist nicht so, daß man mir das mißgönnt. Sie denken eher: Da wäre ich aber auch gerne. Ein netter Neid, würde ich sagen.

Was wollen die wissen?

Erstaunlich wenig. Am Telefon gibt es kaum Fragen; wenn ich sie persönlich treffen würde, wäre es sicher mehr. Interessant war es aber beim Eröffnungsspiel, da saß ich auf der Bank, und ab und zu wird man dann auch mal eingeblendet. Es ist erstaunlich, wieviel SMS man dann nach dem Spiel auf dem Handy hat, mehr als zwanzig.

Wieviel Stunden Material haben Sie denn schon gesammelt?

Ich selbst habe zwanzig Stunden gefilmt. Frank Griebe als zweiter Kameramann hat auch noch mal zehn, fünfzehn Stunden dazu, wenn nicht mehr. Ich halte mich schon zurück. Durch den ConfedCup weiß ich ja ungefähr, wie ein Tag so abläuft. Es gibt bestimmte Dinge, die ich schon habe und die sich wiederholen. So ein Training wie heute muß ich nicht mehr filmen. Ich bin schon sehr selektiv, trotzdem kommt viel zusammen.

Wie teilen Sie sich das auf?

Es war ja immer geplant, daß noch jemand an der Peripherie dreht. Als es bekannt wurde, daß ich den Dokumentarfilm über die Nationalmannschaft mache, hatte ich bestimmt 120 Angebote. Brauchst du nicht einen Kofferträger? Brauchst du nicht eine Maskenbildnerin? Egal was. Einen Kameramann brauchte ich aber tatsächlich. Frank ist ein großer Fußballfan, und was in der Fußballszene die wenigsten wissen: Er hat „Lola rennt“ gemacht und jetzt auch „Das Parfum“. Bei so einem Projekt kriegst du alle Leute, die du haben willst.

Mit welcher Einstellung gehen Sie denn in die Partie gegen Polen?

Sportlich?

Rein technisch.

Ich muß immer das filmen, was kommt. Schön ist immer die Anfahrt zum Stadion, da sitze ich auch immer weit vorne im Bus. Dann die Vorbereitung aufs Spiel, was in der Kabine passiert. Wie jeder versucht, sich auf seine Art zu konzentrieren. Beim Spiel selbst habe ich wenig zu tun. Da gibt es 26 Kameras, die kriegen schon bessere Aufnahmen als ich mit meiner kleinen Kamera da unten. Und dann wieder der Blick hinter die Kulissen. Das ist es auch, was mich interessiert: Wie gehen die mit den Ereignissen um?

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Das Gespräch führte Michael Horeni

Quelle: F.A.Z., 13.06.2006, Nr. 135 / Seite 36
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