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Bayerischer Hof : Frau Hoteldirektor

Innegrit Volkhardt vor ihrem Bayerischen Hof Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Innegrit Volkhardt beherbergt die Fifa-Clique, Scheichs und Stars. Der von ihr geführte „Bayerische Hof“ in München lebt seit Kaiserin Sissi von Prominenz aus aller Welt. Volkhardts Motto: Es gibt keine schwierigen Gäste - nur anspruchsvolle.

          Ihre liebsten Gäste empfängt die Chefin persönlich. Im hellen Hosenanzug steht Innegrit Volkhardt in der Lobby; so groß und schlank ist sie, daß sie herausragt aus dem Gewusel. Ein halbes Dutzend Fotografen streunen durch die Halle, auf der Jagd nach frischem Futter für die Klatschspalten der Boulevardpresse.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Innegrit Volkhardt versorgt sie gern. In diesen Tagen mehr noch als im Rest des Jahres. Top-Sportler, Top-Schönheiten, Top-Manager, Top-Politiker. Alle laufen der Hotelchefin hier in die Arme.

          Ihr Haus, der „Bayerische Hof“ am Münchner Promenadenplatz, ist während der Weltmeisterschaft inoffizielle Anlaufstelle für Promis. Und offizielles Hauptquartier (neben dem „Adlon“) der Fifa. Fußball-Patron Joseph Blatter, der sich eine Stufe über Papst und UN-Generalsekretär stellt, nächtigt hier in angemessenem Komfort, ebenso seine Funktionärs-Clique. Ältere, bisweilen durchaus unsympathische Herren, die sich laut Spöttern hauptsächlich in einem Wettbewerb messen: „Wer bekommt die jüngste Freundin ab?“

          Nur anspruchsvolle Gäste

          Gehässige Sprüche sind das, üble Nachrede. Innegrit Volkhardt würde nie so reden über ihre Gäste. Nie im Leben. „Relativ kooperativ“ seien die Herren von der Fifa, sagt sie nur. Und überhaupt: Was besagt Hotelier-Regel Nummer eins? Schwierige Gäste gibt es nicht. „Nur anspruchsvolle.“

          Davon hat Innegrit Volkhardt eine Menge. So lukrativ es ist, dem Prinz von Brunei samt Gefolge (deutlich stärker als eine Fußballmannschaft) die Suiten (Preis: 1500 Euro) zu überlassen, allein mit Trüffeln zur Begrüßung ist es bei Gästen dieser Preisklasse nicht getan. Verwöhnt wollen die Herrschaften werden und gleichzeitig abgeschirmt vom Trubel des restlichen Betriebs.

          An Tagen, in denen in München der Ball rollt, ist das Haus mit seinen 395 Zimmern bis unters Dach ausgebucht. Das war's dann aber auch an Sonderkonjunktur. Am großen Rest des Turniertage „läuft das Geschäft aufgrund der WM fast schlechter als in jedem normalen Juni“, klagt Unternehmerin Volkhardt. Bleibt ihr nur die Hoffnung auf den indirekten ökonomischen Nutzen der Kicker.

          Kaiser, Scheich und Schiffer

          Es kann dem Ruhm des Hauses ja nicht schaden, wenn am Promenadenplatz permanent abgedunkelte Limousinen vorfahren, Polizeieskorten vor dem Eingang auf den nächsten Staatsgast warten. Sabine Christiansen, Udo Jürgens, Heiner Lauterbach haben sich dieser Tage auf dem Dachgarten des „Bayerischen Hofes“ vergnügt - keine schlechte Ernte für die erste WM-Woche im Hause Volkhardt. Wenn Kaiser (Beckenbauer), Scheich (Saudi-Arabien) und Schiffer (Claudia) hereinwehen, dann herrscht Promi-Alarm in der Hotelhalle. „Hast du gehört? Die Schiffer fliegt Linie!“ ereifert sich eine Blondine. Livrierte Bedienstete warten auf die nächsten Anordnungen. Sicherheitsmänner mit Knopf im Ohr üben sich in ihrer wichtigsten Tätigkeit: bedrohlich und unauffällig schauen.

          Nur Innegrit Volkhardt läßt sich in ihrer Abgeklärtheit nicht von der Wichtigtuerei anstecken, konzentriert wirkt sie, verbindlich, hochprofessionell. Sie kenne „nur Tiere und Arbeit“, hat sie mal gesagt. Ihr Großvater hatte einst angeordnet, daß der Chef des Hotels mindestens zehn Kilometer entfernt zu wohnen hat. Diese Regel befolgt sie, lebt auf dem Land, mit Katze, Eseln und Pferd. Vielleicht ist sie nur cool. Vielleicht hat sie aber auch zuviel erlebt im „Bayerischen Hof“, als daß sie Mißgeschicke von der Art eines verspätet eintreffenden Sternchens aus der Bahn werfen könnten.

          Oasis ließen ihre Zähne da

          Innegrit Volkhardt hat Gäste wie Michael Jackson überstanden (noch heute kommen Fans, um die Gardinen seines Zimmers anzufassen), die „ganz lieben Kerle“ von Oasis (deren Deutschland-Tour endete einst in der Hotel-Bar, wo sie nach einer Prügelei ihre Zähne zurückgelassen haben) oder Bruce Springsteen, der bei seinem Besuch den Tanzschulabschluß der besseren Münchner Gesellschaft sprengte.

          Zurück vom Konzert, hat der Rocker im Hotelsaal die zum Tanz aufspielende Combo von der Bühne gerempelt und den entsetzten Herrschaften mit seiner Band eine Lektion in Sachen Rock 'n' Roll erteilt. „Das habe ich als Beweis auf Video“, erzählt die Hotelchefin, ansonsten eher Freundin des Jazz, die selbst auf Festivals fährt, um das Programm des hoteleigenen Live-Clubs zu bestücken.

          König Ludwig nahm ein Bad

          Innegrit Volkhardt wurde vor 41 Jahren praktisch in ihr Grandhotel hineingeboren. In vierter Generation führt sie das Haus, das seine Entstehung König Ludwig I. zu verdanken hat. Im Jahr 1839 gab der Monarch dem späteren Reichsrat und Ritter Joseph Anton von Maffei den Auftrag, einen alten Gasthof im Herzen Münchens zum ersten vornehmen Hotel der Stadt umzubauen. Der „Bayerische Hof“ geriet so nobel, daß König Ludwig höchstselbst dort zweimal im Monat einkehrte, um ein königliches Bad zu nehmen - mangels eigener Badewanne, wie die Hotelchronik vermerkt.

          Stütze des Geschäfts war von Anfang an die bessere Gesellschaft; besonders wertvoll: die hübsche Kaiserin Elisabeth von Österreich. Alljährlich mietete sie für sich und ihren 60köpfigen Hofstaat zum Preis von 60.000 Goldmark zwei Stockwerke im „Bayerischen Hof“. Die Ermordung Sissis im Jahr 1898 war für die Volkhardts auch geschäftlich ein herber Schlag: Innegrits Urgroßvater hatte gerade beim Notar den Kaufvertrag für das Hotel unterschrieben, als er vom Tod der besten Kundin erfuhr.

          Eines der letzten Traditionshäuser

          Mehr als 100 Jahre gehört der „Bayerische Hof“ nun der Familie Volkhardt; je zur Hälfte Innegrit (als vollhaftende Geschäftsführerin) und ihrer Schwester, die nicht im Unternehmen tätig ist. Viele Traditionshäuser dieser Art gibt es nicht mehr. Selbst Fünf-Sterne-Hotels mit klingendem Namen sind in der Mehrzahl in der Hand von börsennotierten Konzernen, amerikanischen, französischen oder japanischen Investoren.

          Beliebt ist das Modell: Immobilienfonds finanziert Bau, betrieben wird das Hotel von einer Kette. Auch hierzu liefert Innegrit Volkhardt das Gegenbeispiel: Die Immobilie gehört ihr, auch sonst noch der ein oder andere Stein in der Münchner Altstadt („Mein Vater kaufte gern schöne Häuser“) sowie ein Ableger in Kitzbühel, wo die Münchner Gesellschaft gern geschlossen die Wochenenden verbringt.

          Als der Papa vor fünf Jahren starb, witterten die Hotelkonzerne ihre Chance. Fast täglich rief ein Manager bei Innegrit Volkshardt an. Ob sie nicht verkaufen wolle. Ob sie nicht überfordert sei. So direkt wurde das nicht gesagt. Doch sie hat sie es so verstanden und entsprechend geantwortet: „Solange ich arbeiten kann, werde ich alles tun, damit das Haus in Händen der Familie bleibt.“

          Wettrüsten der Luxushotels

          Das hat gewirkt. Ein paar Ehrungen als „Managerin“ respektive „Hotelier des Jahres“ später wird sie auch nicht mehr ständig gefragt, wie sie das alles schaffe, so als Frau und so. Solches Gekrampfe hat sie satt. Das Geschäft ist hart genug. 70 Millionen Euro hat sie investiert ins Wettrüsten der Luxushotels, gegen den plüschigen Oma-Charme, der dem Haus nachgesagt wird. Den Wettbewerbern, von denen auch in München ständig neue eröffnen, begegnet Volkhardt mit dezenter Hochnäsigkeit („Ein Dorint ist ein Dorint“), räumt aber ein, daß „preissensible Kunden“ abwandern.

          Zu Volkhardts Glück strotzt München noch immer vor wirtschaftlicher Kraft, sitzen hier Konzerne, deren Vorstände und Geschäftspartner angemessen logieren wollen. „Ernst von Siemens hat über Jahre bei uns gewohnt“, sagt Volkhardt. Die Konkurrenz ist nicht so mörderisch wie in Berlin, der mehr oder minder bankrotten Hauptstadt, wo niemand weiß, wer all die neuen Fünf-Sterne-Hotels füllen soll. „Der Markt in Deutschland ist generell überbesetzt, auch wenn das die Hotelbetreiber nicht zugeben wollen“, konstatiert Innegrit Volkhardt.

          Geschichte und Glamour

          Ihr „Bayerischer Hof“ erreicht eine Auslastung von 64 Prozent, das genügt, um zu den „bestgebuchten Häusern in Deutschland“ zu gehören. Da Volkhardt den durchschnittlichen Zimmerpreis bei 200 Euro pro Nacht halten kann, verdient sie sich den Titel als Deutschlands Luxushotel mit dem größten Umsatz.

          44 Millionen Euro hat der „Bayerische Hof“ im letzten Geschäftsjahr eingenommen, auf höhere Summen kamen nur das Tagungshotel „Estrel“ in Berlin sowie das „Sheraton“ am Frankfurter Flughafen - beide aus einer anderen Liga, was Anspruch und Ausstattung betrifft. Was die Häuser unterscheidet, ist freilich weniger die Qualität der Betten. Geschichte und Glamour machen den Unterschied.

          Innegrit Volkhardt wird am 14. August 1965 in eine Hoteliersfamilie geboren. Nach der Ausbildung zur Hotelkauffrau, einem Praktikum (Intercontinental in Hamburg) und der Hotelschule in Heidelberg kehrt sie 1989 zurück nach München. Dort studiert sie von 1989 bis 1992 Betriebswirtschaftslehre und hilft nebenbei dem Vater bei der Geschäftsführung des Hotels „Bayerischer Hof“. Seit dessen Tod vor fünf Jahren ist sie alleinige Chefin des Fünf-Sterne-Hauses.

          Der „Bayerische Hof“ wurde im Jahr 1841 gegründet, seit 1897 ist er im Besitz der Familie Volkhardt. Mit 395 Zimmern (58 davon Suiten) und 585 Mitarbeitern erwirtschaftete das Hotel zuletzt einen Umsatz von 44 Millionen Euro. Höhepunkte des Jahres sind die Münchner Sicherheitskonferenz sowie der Deutsche Filmball, die in dem Hotel abgehalten werden. Zu dem Unternehmen gehört auch eine Weingroßhandlung sowie das Hotel „Zur Tenne“ in Kitzbühel.

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