15.04.2002 · Nur in zwölf Städten darf bei der WM 2006 gespielt werden. Vertreter der aussortierten Spielorte Bremen, Mönchengladbach und Düsseldorf sind sauer.
Fußball ist ein Spiel mit einfachen, aber klaren Regeln. Nur elf Spieler dürfen in einer Mannschaft spielen, nur in zwölf Städten darf bei der WM 2006 gespielt werden.
Die nicht zum Zug kommen, sind sauer. Zumal die aussortierten Spielorte nicht einmal mit einer Einwechslung rechnen dürfen. Stimmen zur Vergabe der WM-Stadien 2006.
Franz Böhmert (Aufsichtsratsvorsitzender Werder Bremen)
Ich bin wütend und enttäuscht, Hannover wird die Expo-Pleite nahtlos fortsetzen. Wir sind ein Kanzler-Opfer geworden. Die Verdienste von Traditionsvereinen wie Bremen und Mönchengladbach sind in keinster Weise gewürdigt worden.
Jürgen L. Born (Präsident Werder Bremen)
Wir sind maßlos enttäuscht. Wir sind davon überzeugt, dass Bremen die Bewerbungskriterien allerbestens erfüllt und damit einer der zwölf Ausrichter hätte sein müssen. Werder steht in den letzten 15 Jahren auch sportlich für Erfolg, doch stattdessen haben nun Städte von Bundesliga-Auf- oder -Absteigern den Zuschlag erhalten. Das ist für uns nicht nachvollziehbar. Als Stadt, die weder bei der letzten EM auf deutschem Boden 1988 noch bei der WM 1974 berücksichtigt wurde, wären wir einfach mal dran gewesen.
Herbert Schmalstieg (Oberbürgermeister Hannover)
Für Hannover ist das eine große Herausforderung und eine Auszeichnung. Es ist einfach toll. Wir sind froh dabei zu sein. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir ausscheiden würden, wenngleich wir erst als Vorletzter genannt wurden.
Sigmar Gabriel (Ministerpräsident Niedersachsen)
Hannover wird seinem Ruf als Stadt mit internationalem Renommee gerecht werden und ein guter Gastgeber sein. Das Land trägt finanziell viel dazu bei, dass das Niedersachsen-Stadion ausgebaut und WM-fit gemacht wird.
Monika Bartsch (Oberbürgermeisterin Mönchengladbach) und Adalbert Jordan (Präsident Borussia Mönchengladbach) in einer gemeinsamen Erklärung
Die Entscheidung, Mönchengladbach nicht zu berücksichtigen, hat bei uns, bei den Bürgern unserer Stadt und den Fans von Borussia Mönchengladbach große Enttäuschung ausgelöst. Stadt und Verein haben fest damit gerechnet, dass Mönchengladbach 2006 WM- Spielort sein würde.
Christian Hochstätter (Manager Borussia Mönchengladbach)
Man muss ein fairer Verlierer sein. Wir wären sehr gerne WM-Stadt geworden. In jedem anderen Land wären die Verdienste eines Traditionsverein wie Borussia mehr gewürdigt worden. Wir sind übergangen worden.
Wolfgang Clement (Ministerpräsident NRW)
Drei Auftragungsorte und die deutsche Mannschaft in Leverkusen. Das entspricht der regionalen Stärke Nordrhein-Westfalens. Allerdings verstehe ich nicht, dass das Medienzentrum nicht nach Düsseldorf kommt. Wir hatten die objektiv bessere Bewerbung.
Joachim Erwin (Oberbürgermeister Düsseldorf)
Wir sind tief enttäuscht. Zusammen mit München konnten wir in der Bewerbung das modernste Stadion vorweisen.
Fritz Scherer (Vizepräsident Bayern München)
Wir sind hoch zufrieden. Dass wir WM-Stadt werden, war zu erwarten, aber ganz wichtig ist, dass wir auch das Medienzentrum erhalten. Dadurch erhalten wir vermehrte Unterstützung durch die Behörden, und es werden viele Arbeitsplätze geschaffen. Das hatten wir ja schon beim Bürgerentscheid versprochen.
Christian Ude (OB München)
Mit den WM-Spielen hatten wir gerechnet, aber dass wir auch das Medienzentrum bekommen, ist eine Bescherung wie an Weihnachten. Da weiß man auch nicht, welche Geschenke man erhält.
Otto Schily (Bundesinnenminister)
Ich glaube, die Verteilung ist ausgewogen und gerecht. Die nicht berücksichtigen Städte dürfen sich jetzt nicht in den Schmollwinkel zurückziehen, sondern müssen mitarbeiten, dass diese WM ein großer Erfolg wird. Diese Veranstaltung ist eine fantastische Gelegenheit, uns darzustellen, eine bessere gibt es gar nicht. Wir sind eine fußballbegeisterte Nation, diese Bewerbung war großartig.
Franz Beckenbauer (Präsident WM-Organisationskomitee)
Es war natürlich enttäuschend für uns, dass wir bei zwölf Austragungsorten bleiben mussten, aber so stand es ganz klar im Pflichtenheft der Fifa. Das tut uns leid, weil alle unheimliche Anstrengungen unternommen haben. In diesem Moment wird ein Trostpreis denjenigen, die heute leer ausgegangen sind, nicht wirklich helfen. Aber es werden natürlich Aktionen gestartet und Länderspiele vergeben, um sie ein bisschen zu entschädigen.
Klaus Wowereit (Regierender Bürgermeister von Berlin)
Ich hoffe, dass wir neben dem Finale noch öfter vertreten sind. Das Endspiel in Berlin und die weltweite Vorberichterstattung lassen sich nicht mit Geld aufwiegen. Das ist eine hervorragende Werbung für die Stadt. Viele Gäste werden nach Berlin kommen, das ist positiv für Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Der Stadionausbau ist durch den Bund gesichert. Auch der Zeitplan ist gesichert, ich habe keine Befürchtungen.
Wolfgang Schuster (Oberbürgermeister Stuttgart)
Wir freuen uns, Gastgeber zu sein. Wir freuen uns auf spannende Spiele. Es wird jeden Abend in der Innenstadt ein Fest geben.
Wolfgang Tiefensee (Oberbürgermeister Leipzig)
Ohne Egidius Braun stünde ich nicht hier oben. Herzlichen Dank muss ich auch der Bundesregierung und Innenminister Otto Schily sagen.
Joseph Blatter (Fifa-Präsident)
Ich habe hier viel Begeisterung gespürt, ich kann den Ländern und dem Bund nur zur Infrastruktur gratulieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir eine ganz große, vielleicht sogar die größte Weltmeisterschaft erleben.