15.06.2002 · Oliver Neuville hat die deutsche Mannschaft nach einem Geduldsspiel mit seinem Tor in der 88. Minute ins WM-Viertelfinale geschossen.
Oliver Neuville hat der deutschen Nationalmannschaft nach einem Geduldsspiel zum Einzug ins Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft verholfen.
Durch sein Tor in der 88. Minute besiegte das Team von Rudi Völler am Samstag in Seogwipo Paraguay mit 1:0 (0:0) und stieß zum 14. Mal bei 15 WM-Teilnahmen in die Runde der besten Acht vor. Vor 25.000 Zuschauer im nur zu zwei Dritteln besetzten Cheju-Stadion jagte Neuville eine Flanke seines Teamkollegen Bernd Schneider volley zum hart erkämpften Sieg ins Netz. Gegner im Viertelfinale am kommenden Freitag in Ulsan ist der Sieger des Duells zwischen den USA und Mexiko.
Spiel mit limitierten Mitteln
Neuvilles spätes Tor entschied das Duell zweier technisch limitierter Mannschaften, in dem die deutsche Mannschaft lange Zeit vergeblich nach der Lücke in der gegnerischen Abwehr suchte. Völlers Team hatte mit Paraguay ähnliche Schwierigkeiten wie der spätere Weltmeister Frankreich 1998, der im Achtelfinale gegen die Südamerikaner Verlängerung und Golden Goal zum Weiterkommen benötigt hatte.
Erzwungen durch die Sperren von Carsten Ramelow, Dietmar Hamann und Christian Ziege hatte Völler beinahe revolutionäre Veränderungen im Team vorgenommen, das die Vorrundenspiele jeweils in der gleichen Aufstellung begonnen hatte. Erstmals im Turnier setzte der Teamchef in der Abwehr auf die Viererkette mit Torsten Frings und Christoph Metzelder auf den Außenpositionen und Marko Rehmer im Zentrum.
Von der Viererkette zurück zur Dreierkette
Bei seinem „Kaltstart“ nach dreimonatiger Verletzungspause fand der Berliner aber nur selten die richtige Abstimmung mit seinem Nebenmann Thomas Linke. Die Position von Hamann übernahm Jens Jeremies, ohne die Qualitäten seines Vorgängers als Antreiber zu erreichen.
Mit Beginn der zweiten Halbzeit griff Völler korrigierend ein. Mit der Auswechslung von Rehmer und der Hereinnahme von Sebastian Kehl als neuem Abwehrchef kehrte er mit Linke rechts und Metzelder links zur Dreierkette zurück, um mit dem weiter nach vorne beorderten Frings im Mittelfeld ein personelles Übergewicht herzustellen.
Wenig Impulse aus dem deutschen Mittelfeld
Nach einer Stunde musste Metzelder, nach einem Tritt von Jose Cardozo angeschlagen, Frank Baumann Platz machen. Gegen die defensiv gut organisierten und sehr disziplinierten Südamerikaner zeigte sich einmal mehr das große Manko der deutschen Mannschaft, ein Spiel nicht bestimmen zu kommen.
Obwohl sich Michael Ballack nach seiner Muskelverhärtung in der Wade rechtzeitig wieder einsatzfähig gemeldet hatte, gingen von dem künftigen Bayern-Spieler im Mittelfeld nicht die erhofften Impulse aus. Auch von Bernd Schneider und Marco Bode auf den Flügeln kamen nur selten die notwendigen Ideen, um das Abwehr-Bollwerk des Gegners auszuhebeln.
Klose und Neuville kein Traumduo
In der Spitze erwies sich das erstmals im Nationaltrikot zusammenspielende Duo Miroslav Klose und Oliver Neuville nicht als Idealbesetzung. Nach gutem Beginn tauchte der Leverkusener unter, der auf Grund seiner technischen Vorteile den Vorzug vor Carsten Jancker erhalten hatte. Klose, der sich meist mehreren Abwehrspielern im blau-roten Trikot gegenübersah, gab in der 32. Minute den ersten Schuss auf das Tor von Jose Luis Chilavert ab.
In der Schlussphase der ersten Halbzeit häuften sich die Fehler in der deutschen Abwehr. Doch der in der Mitte völlig freistehende Celso Ayala (36.) jagte den Ball über das Tor. 60 Sekunden später bewahrte Geburtstagskind Oliver Kahn seine Elf mit einer tollen Faustparade beim Schuss von Jorge Campos vor den drohenden Rückstand.
Rot für Acuna in der Nachspielzeit
Erst nach der taktischen Umstellung ergaben sich für das DFB-Team nach dem Seitenwechsel erste Möglichkeiten. Ein Zusammenspiel mit seinem Leverkusener Teamkollegen Neuville schloss Schneider (47.) allerdings mit einem harmlosen Schuss ab, der den übergewichtigen Chilavert vor keine echte Probe stellte. Wenig Übersicht bewies Frings (68.) bei seinem Schlenzer über Paraguays Gehäuse.
Auf der Gegenseite stellte sich die komplette deutsche Elf einem Freistoß von Torwart-Torjäger Chilavert (74.) entgegen, der jedoch aus 22 Metern weit über das Tor schoss. In der Schlussminute wurde Paraguays Mittelfeldspieler Roberto Acuna nach einer Tätlichkeit gegen Michael Ballack mit der Roten Karte des Feldes verwiesen.