Der deutsche Mittelfeldspieler des FC Liverpool kann den Erfolg im Champions-League-Finale gegen den AC Mailand auch am Tag nach dem Spiel nicht wirklich fassen.
Wie haben Sie dieses denkwürdige Champions-League-Finale erlebt?
Es wasr ein Wechselbad der Gefühle. In der ersten Halbzeit hatten wir wenig vom Spiel. Dann haben wir vor dem 0:2 einen Elfmeter nicht bekommen, nachdem es ein klares Handspiel gewesen war. Nach der Halbzeit hatten wir nichts mehr zu verlieren. Nach dem 0:3 hätte keiner mehr einen Schilling auf uns gewettet.
Ihr Team war in der Schlußphase stehend k.o. Was haben Sie gedacht, als es ins Elfmeterschießen ging?
Wir war schon froh, daß wir in die Verlängerung und dann ins Elfmeterschießen gekommen sind. Wir waren vorher schon tot. Das Elfmeterschießen war ein Bonus und wir hatten nichts zu verlieren.
Was bedeutet Ihnen der Titel persönlich?
Mit diesem Verein, der den Wettbewerb vor 20, 30 Jahren geprägt hat, nun wieder den Titel zu holen, ist einfach sensationell. Natürlich ist das ein Traum, der wahr geworden ist. Wir alle werden Tage brauchen, um das zu begreifen.
Haben Sie jemals so ein verrücktes Spiel erlebt wie dieses Finale?
Nein, so einen Spielverlauf habe ich noch nie erlebt. Und das dann auch noch in einem Endspiel - unglaublich. Eigentlich war das Spiel schon entschieden. Normalerweise ist es gegen Milan schon schwer genug, noch einmal zurückzukommen, wenn man 0:1 oder 0: 2 zurückliegt. Aber Milan hat in der zweiten Halbzeit etwas weniger gemacht, und wir haben uns nach dem Anschlußtor in einen Rausch gespielt und uns mit zwei, drei Verletzten ins Elfmeterschießen gerettet.
Im Elfmeterschießen sind Sie als erster Liverpool-Spieler angetreten und haben sicher verwandelt. Wie kam es dazu, und wie haben Sie sich gefühlt, als Sie zum Punkt gegangen sind?
Der Trainer hat gefragt, wer schießen will, da habe ich mich gemeldet. Ich war natürlich ein wenig angespannt, aber daß Serginho vor mir verschossen hat, hat es ein wenig einfacher gemacht.
Beim Anpfiff hatte Ihr Trainer Rafael Benitez noch nicht auf Sie vertraut und Sie statt dessen erst nach der Pause gebracht, als das Spiel schon verloren schien. Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich hätte natürlich gerne von Anfang an gespielt, aber ich muß die Entscheidung des Trainers akzeptieren. Ich habe die ganze Zeit gewußt, daß ich jederzeit reinkommen kann. Es ist zwar nicht einfach, wenn man beim Stande von 0:3 eingewechselt wird, aber ein Champions-League-Finale spielt man nicht jeden Tag. Für mich war es das erste, und deshalb wollte ich alles geben, damit wir unsere letzte Chance nutzen können.
Sie haben sich mit Liverpool noch nicht auf eine Verlängerung Ihres auslaufenden Vertrages geeinigt. Angeblich steht Ihr Abschied unmittelbar bevor. War das Finale Ihr letztes Spiel für die 'Reds'?
Wenn es so sein sollte, wäre es ein sehr schöner Abschluß. Es ist aber noch keine Entscheidung gefallen. Wir werden uns nun erst mal ein paar Tage freuen, dann werden wir uns noch mal unterhalten, und dann wird, denke ich, nächste Woche eine Entscheidung fallen.
Unabhängig davon, ob Sie weiter für Liverpool spielen: Wie stehen Sie zu der Diskussion, ob der Klub als Titelverteidiger einen Startplatz für die kommende Saison erhalten soll, obwohl er sich über die Premier League nicht qualifizieren konnte?
Ich denke, jeder ist der Meinung, daß der Champions-League-Sieger in der neuen Saison dabei sein soll. Wir haben unseren Teil erledigt. Der Rest liegt nicht in unserer Hand. Aber ich hoffe, daß die Uefa eine entsprechende Entscheidung treffen wird.