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Fußball „Was haben wir getan? Womit haben wir das verdient?“

28.08.2003 ·  Fragen über Fragen bei Borussia Dortmund nach dem Scheitern gegen Brügge in der Qualifikation zur Champions League. Trainer Sammer gibt sich kämpferisch. Was bleibt ihm übrig?

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In einer der bittersten Stunden der Europacup-Geschichte von Borussia Dortmund rang Trainer Matthias Sammer um Fassung. „Was haben wir nur getan? Womit haben wir das verdient? Waren wir nicht artig genug?“, fragte der frühere Nationalspieler sichtlich betroffen. Aus der Traum von Mailand, Manchester und Millionen - der sechsmalige deutsche Meister ist nach der verpaßten Qualifikation für die Champions League in Europa nur noch Mittelmaß und weit von seinen Ansprüchen entfernt.

Der Stachel der Enttäuschung nach dem 2:4 im Elfmeterschießen nach einem 2:1 (1:1) nach Verlängerung gegen den belgischen Double-Gewinner FC Brügge saß tief, die Art und Weise des Ausscheidens übertraf sämtliche Vorstellungen. Gut gespielt, gewonnen - und doch verloren. Aber die Ursache für den „Abstieg“ in den UEFA-Cup und den wirtschaftlichen herben Rückschlag sah Manager Michael Maier nicht in den packenden 120 Minuten im Westfalenstadion.

15 Millionen Euro verloren

„Wir haben die Champions League in der ersten Halbzeit in Brügge und vor allem in der zweiten Halbzeit gegen Cottbus verspielt. Dafür müssen wir nun einen hohen Preis bezahlen“, sagte Meier in Erinnerung an das 1:2 im Hinspiel in Belgien und das blamable 1:1 gegen den Bundesliga-Absteiger beim Saisonfinale, das erst den zweiten Platz in der Bundesliga gekostet hat und die Qualifikation notwendig machte. 15 Millionen Euro garantierte Einnahme aus der Vorrunde in der „Königsklasse“ gehen dem BVB durch die Lappen, was im UEFA-Pokal nur schwer zu kompensieren ist.

Sammer dokumentierte seine Mitverantwortung an der Pleite und bot spontan einen Gehaltverzicht an: „Ich bin Angestellter der Vereins. Wir haben einen großen Verlust erlitten. Wenn Gesprächsbedarf entsteht, bin ich der Erste, der die Situation mitträgt. Aber mein Gehalt ist nicht so hoch, daß es das Loch stopfen könnte.“

Der Börsenklub, dessen Aktienkurs nach der Pleite zwischenzeitlich um 16 Prozent auf 3,01 Euro einbrach, wird einsparen müssen, was „in der Winterpause auch den Lizenzspielerkader treffen könnte“ (Meier). Doch die Lage stehe natürlich in engem Zusammenhang mit dem sportlichen Erfolg. Sammer trotzig: „Dann müssen wir eben den UEFA-Cup gewinnen.“

„Keine Frage der Klasse“

Seine Mannschaft hatte zuvor alles versucht, um den sportlichen GAU abzuwenden. Marcio Amoroso (3.) brachte den BVB vor der Dortmunder Europacup-Rekordkulisse von 62.000 Zuschauern früh in Führung, bevor ein Freistoßtor des Peruaners Andres Mendoza (27.) für den Ausgleich sorgte. Der eingewechselte Ewerthon (86.) erzwang die Verlängerung, in der die Mühen der Schwarz-Gelben nicht belohnt wurden. „Ein Sieg im Elfmeterschießen ist keine Frage der Klasse“, sagte Sammer, nachdem ausgerechnet Amoroso, ansonsten der sicherste Schütze, neben Andre Bergdölmo verschossen hatte.

„Die Spieler tun mir leid und auch das Publikum. Wir befinden uns nun in einer gefährlichen Situation. Ich werde Diskussionen nicht zulassen, an der die Mannschaft zerbricht“, sagte Sammer. Man sei ohne verletzte Leistungsträger gegen starke Belgier in Bestbesetzung und Bestform gescheitert und müsse Stärke aus dem Negativ-Erlebnis ziehen, kontinuierlich weiterarbeiten und schon am Sonntag zum Auftakt des DFB-Pokals bei den Amateuren der Spielvereinigung Wirges Flagge zeigen.

„Wir sind noch immer in drei Wettbewerben vertreten. Vor zwei Jahren sind wir auch in der Vorrunde der Champions League ausgeschieden, sind anschließend Meister geworden und haben im UEFA-Cup-Finale gestanden“, gab Mittelfeld-Regisseur Tomas Rosicky zu bedenken. Ähnlich äußerte sich Routinier Stefan Reuter: „Jetzt gibt es nur eins: Den Hebel umlegen und richtig Gas geben.“

Borussia Dortmund - FC Brügge 2:4 i.E. (2:1, 2:1, 1:1)
Dortmund: Weidenfeller - Bergdölmo, Wörns, Madouni (75. Ewerthon), Dede - Addo, Reuter (85. Fernandez), Kehl - Rosicky - Koller, Amoroso
Brügge: Butina - de Cock, Clement, Rozehnal, Van der Heyden - Simons, Stoica (46. Ceh), Gaetan - Verheyen (114. Maertens), Martens (82. Saeternes), Mendoza
Schiedsrichter: Riley (England)
Zuschauer: 62.000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Amoroso (3.), 1:1 Mendoza (27.), 2:1 Ewerthon (86.)
Elfmeterschießen: Amoroso scheitert an Butina, 0:1 Simons, Bergdölmo scheitert an Butina, 0:2 Ceh, 1:2 Koller, 1:3 de Cock, 2:3 Fernandez, 2:4 Mendoza
Gelbe Karten: Reuter, Addo, Kehl, Dede / de Cock, Mendoza, Verheyen
Gelb-Rote Karte: Rozhnal (112., wiederholtes Foulspiel)

Quelle: dpa, sid
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