10.03.2006 · Dem deutschen Fußball droht ein neuer Wettskandal. Ein Jahr nach der Affäre um den damaligen Schiedsrichter Hoyzer ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf „gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrug“.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt wegen möglicher Manipulationen von Fußballspielen, will aber zunächst keine Namen nennen, um die noch am Anfang stehenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Das sagte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel am Freitag morgen. Er bestätigte, daß im Zusammenhang mit Manipulationsversuchen gegen vier Beteiligte Haftbefehle erlassen worden sind. Der Vorwurf lautet auf „gemeinschaftlich begangenen Versuch der Bestimmung anderer Personen zu gewerbsmäßigem und bandenmäßigem Betrug“.
Nach Informationen der „Bild“-Zeitung sind vor allem im Ausland Wetten abgeschlossen worden, wie viele Tore in einem bestimmten Spiel fallen. Danach seien Spieler der beteiligten Vereine kontaktiert worden, denen man hohe Summen geboten habe, wenn sie für die richtige Zahl der Tore sorgten. Nach ersten Einschätzungen der Ermittler wurden 2006 so in Deutschland mindestens fünf Spiele in der Zweiten Liga und in verschiedenen Regionalligen manipuliert.
„Nicht so groß wie die Affäre Hoyzer“
Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, hat Aufklärung im Zusammenhang mit dem möglichen neuen Wettskandal im deutschen Fußball angekündigt. Im ARD-Morgenmagazin sagte Zwanziger am Freitag aber, die bisherigen Erkenntnisse zeigten, daß der Fall bei weitem nicht die Größenordnung der Affäre um den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer im vergangenen Jahr habe. Zudem seien keine Schiedsrichter beteiligt. Zuvor hatte Zwanziger erklärt, nach vorliegenden Erkenntnissen könne auch ausgeschlossen werden, daß Spiele der Ersten Bundesliga manipuliert worden sind.
Ob der neue Fall durch einen Spieler bekannt wurde, der einen Bestechungsversuch gemeldet hatte, wollte der DFB-Präsident nicht bestätigen.
„Ermittlungen unverzüglich aufgenommen“
Weiter heißt es in Zwanzigers Erklärung: „Der Deutsche Fußball-Bund hat im Laufe dieser Saison Hinweise über mutmaßliche Manipulationen in der Regionalliga erhalten. In den dem DFB bekannt gewordenen Fällen hat der Kontrollausschuß als dafür zuständiges Gremium die Ermittlungen unverzüglich aufgenommen und Vernehmungen durchgeführt. Konkrete Verdachtsmomente konnten jedoch in keinem Fall bestätigt werden.“ Unabhängig davon seien alle Erkenntnisse sofort an die zuständigen Staatsanwaltschaften übermittelt worden.
Zwanziger: „Wie schon im vergangenen Jahr, als die DFB-Gremien im Zusammenhang mit Wett- und Spielmanipulationen aktiv waren, sind wir auch diesmal an einer optimalen Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden interessiert. Wir müssen erneut feststellen, daß dort, wo viel Geld im Spiel ist, leider auch Betrügereien nicht ausgeschlossen werden können.“
In den aktuellen Fällen müßten zunächst einmal die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgewartet werden. Zwanziger: „Wir werden mit aller Konsequenz gegen Personen, die Manipulationen im Fußball versucht oder vorgenommen haben, die Ermittlungen vorantreiben und sie in aller Härte bestrafen, soweit sie der Strafgewalt des DFB unterliegen.“
Die Welt zu Gast bei Wettfreunden.
gisbert heimes (gisbert4)
- 10.03.2006, 14:34 Uhr