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Fußball-Nationalmannschaft Klinsmann verteidigt Torhüter-Trennung

15.08.2005 ·  Vor dem Spiel in den Niederlanden hat Jürgen Klinsmann die Torwart-Rotation wieder verteidigt, während Oliver Kahn die Maßnahme nicht kommentieren wollte. Besonders im Blickpunkt stehen die beiden „Oldies“ Wörns und Hamann.

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Im Frankfurter Regenwetter ging Oliver Kahn auf Tauchstation, Jürgen Klinsmann bemühte sich dafür umso mehr um freundliches Betriebsklima. Während der zur Rotation gezwungene Bayern-Torhüter am Montag ankündigte, er werde bis zum Länderspiel am Mittwoch in Rotterdam gegen die Niederlande keine Aussagen in eigener Sache machen, verteidigte der Bundestrainer vehement die Trennung der Rivalen Kahn und Jens Lehmann.

„Das ist sicher gewöhnungsbedürftig, aber bei der WM werden beide davon profitieren“, erklärte der 41jährige vor dem Flug nach Amsterdam. Nur 18 Spieler werden an diesem Dienstag den Charterflieger und anschließend den Bus in den Spielort besteigen. Trotz der Bundesliga- Galavorstellung von Lukas Podolski beim 3:2-Sieg des 1. FC Köln in Stuttgart blieb Klinsmann bei der Pause für den Jungstar. „Es war mit seinem Trainer abgesprochen, daß wir ihn weiter aufbauen wollen. Es würde keinen Sinn machen, ihn aus dem Rhythmus heraus zu nehmen“, begründete der Bundestrainer, der in Stuttgart die deutliche Steigerung des Kölner Stürmers live gesehen hatte, den Verzicht.

Klose und Kuranyi stellen sich selbst auf

Podolski selbst hat sich mit der Entscheidung abgefunden: „Ich hätte gern am Mittwoch gespielt, aber ich bin auch noch nicht fit, sondern brauche noch zwei oder drei Wochen.“ Mit Miroslav Klose und Kevin Kuranyi, die in der jungen Saison bereits mit Toren und ansprechenden Leistungen aufwarteten, stellt sich damit der Angriff des Vizeweltmeisters von selbst auf. Die einzige Sturm-Alternative Gerald Asamoah ist noch weit von Normalform entfernt. Daß dies auch auf andere seiner Berufenen zutrifft, weiß Klinsmann: Für 90 Minuten Power-Fußball reiche die Luft noch nicht, „vielleicht für 60, 70 Minuten, mal sehen, wo wir dann stehen“.

Dennoch formulierte der Chef für die Partie am Mittwoch im Stadion „De Kuip“ (20.30 Uhr/live in der ARD und im FAZ.NET-Liveticker) die klare Aufgabe: „Ich erwarte von der Mannschaft, daß sie das Maximum abruft. Man muß mit dem Glauben heran gehen, gewinnen zu können“, unterstrich der Wahl-Amerikaner vor seinem 17. Länderspiel als verantwortlicher Coach. Der letzte deutsche Sieg gegen den Nachbarn ist schon mehr als neun Jahre her - das 1:0-Siegtor schoß damals Klinsmann. Danach gab es je zwei Unentschieden und Niederlagen.

Torhüter sollen Auszeiten nutzen

Die positive Stimmung vor dem 37. Klassiker gegen die „Oranjes“ läßt sich Klinsmann auch durch einen mürrischen Kahn nicht kaputt machen, der das erweiterte Wechselspiel mit Lehmann nur schwer akzeptieren kann. Die Reaktion des 36jährigen könne die sportliche Leitung verstehen: „Wenn ich auf die Bank müßte, hätte ich auch Frust. Das ist gar kein Problem. Wir erinnern die beiden bei allen Treffen daran, das Wesentliche kommt 2006. Sie sollen die Auszeiten zur Regeneration nutzen und mal abschalten“, sagte Klinsmann.

Die Rotation sei in der ersten Zeit auch für die Feldspieler gewöhnungsbedürftig gewesen, mittlerweile sei dies aber auch bei allen großen europäischen Vereinen normale Praxis. Klinsmann räumte sogar ein: „Ich weiß nicht, ob ich dieser Praxis gewachsen gewesen wäre als Spieler.“ In Rotterdam wird im angekündigten Wechselspiel die derzeitige Nummer eins im Tor stehen, an der Hierarchie habe sich ohnehin nichts geändert, machte der einstige DFB-Kapitän klar: „Wenn morgen die WM losgehen würde, stände Oliver Kahn im Tor.“

„Oldies“ müssen kämpfen

Auf einen „lebendigen Konkurrenzkampf“ aber will Klinsmann auf keiner Position verzichten. So ist auch das Comeback von Dietmar Hamann (31) zu sehen, der bei der verkorksten EM 2004 in Portugal noch als personifizierter Vorsichts-Stratege von Teamchef Rudi Völler gegolten hatte. Gegen die vom einstigen Weltklassestürmer Marco van Basten betreuten Niederländer kehrt Hamann wie Abwehr-Routinier Christian Wörns (33) zurück, um einen dauerhaften Platz aber müssen die „Oldies“ hart kämpfen.

„Beide bringen viel Erfahrung mit herein. Sie spüren aber auch, daß viele junge Kerle da sind, die hinein drängen und zum Teil schon drin sind“, betonte Klinsmann. Die Partie gegen den seit elf Spielen unbesiegten Erzrivalen wird von extremen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Für deutsche Fans wurden nur über die offiziellen Fanclubs der Nationalmannschaft und der Bundesliga-Vereine Gutscheine verteilt. Diese werden erst am Spieltag außerhalb des Rotterdamer Stadtzentrums in Tickets getauscht, die Anhänger der DFB-Elf sollen die City meiden. Beim letzten Spiel in Rotterdam hatte es massive Ausschreitungen sogar im Stadion gegeben. Zwei Fans wurden schwer verletzt, 71 Hooligans festgenommen. „Wir hoffen, daß es dieses Mal keine Ausschreitungen gibt“, betonte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.

Die voraussichtliche Aufstellung gegen die Niederlande:

Oliver Kahn - Arne Friedrich, Per Mertesacker, Christian Wörns, Thomas Hitzlsperger - Bernd Schneider, Dietmar Hamann, Torsten Frings - Michael Ballack - Miroslav Klose, Kevin Kuranyi

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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