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Fußball-Nationalmannschaft Dünne Spitze

Die Verletzung von Klose wirft die Frage auf, ob der deutsche Ministurm das Team zu angepeilten Zielen tragen kann. Erste Alternative wäre Kießling. Doch der Bundestrainer traut diesem nicht zu, international das zu leisten, was ihm in der Bundesliga gelingt.

© dpa Vergrößern In der Warteschleife: Bayer-Angreifer Stefan Kießling

Man kann es fast schon kreative Buchführung nennen, was die Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bundes seit einiger Zeit betreibt. In den Kaderlisten für die Länderspiele erscheinen die Kategorien Mittelfeld und Angriff nicht mehr, wie in der Vergangenheit üblich, säuberlich getrennt, sondern in eine zusammengefasst. Was nach prallem Angebot aussieht und gleichzeitig den kümmerlichen Anblick einer Rubrik Sturm mit nur einem oder auch mal gar keinem Namen erspart. So wie im November, beim Testspiel gegen die Niederlande in Amsterdam, als sowohl Klose als auch Gomez fehlten, die beiden seit geraumer Zeit einzigen echten Fachkräfte der Abteilung Attacke in Joachim Löws Kreis.

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In Frankreich an diesem Mittwoch (21 Uhr live im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) ist immerhin Gomez wieder dabei, zum ersten Mal seit dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien. Er darf nach Kloses Absage davon ausgehen, auch zu spielen. Doch so erfreulich das für den in München zuletzt unterbeschäftigten Gomez ist - mit Blick auf die Nationalmannschaft darf man sich schon die Frage stellen, ob ein solcher Ministurm das Team wirklich bis zu den angepeilten Zielen tragen kann.

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Könnte, ja müsste nicht Stefan Kießling eine neue Chance bekommen, der nach den branchenüblichen Kennzahlen derzeit beste deutsche Angreifer? 13 Tore in der Bundesliga, beinahe gleichmäßig erzielt mit dem rechten und linken Fuß sowie mit dem Kopf, dazu sechs Vorlagen - das sind wahrlich keine schlechten Argumente. Der Bundestrainer aber ist in seiner Bewertung bislang zu einem anderen Ergebnis gekommen: Er traut Kießling nicht zu, auf höchster internationaler Ebene das zu leisten, was ihm in der Bundesliga regelmäßig gelingt. Was auch mit dem Eindruck zu tun hat, den der Leverkusener als sehr unauffälliges Delegationsmitglied bei der WM 2010 in Südafrika hinterließ. Und was Löw noch einmal mit seinem Verzicht auf Kießling während der Paris-Reise zum Ausdruck brachte, auch wenn er pflichtschuldig versicherte, ihn nicht aus den Augen verloren zu haben.

Kießling genießt kein Vertrauen

Mag sein, dass Löw Kießling für die Testspielreise in die Vereinigten Staaten im Juni nominiert. Echtes Vertrauen aber genießt der Profi beim Bundestrainer nicht, womit auch eine wichtige Basis für dessen Selbstvertrauen fehlt. Kießling muss vorerst damit leben, nicht Löws (Angreifer-)Typ zu sein. Eine befriedigende Antwort auf die Stürmerfrage ist das aber noch nicht. Löws Präferenz, zur Not lieber einen offensiven Mittelfeldmann aushelfen zu lassen, hat bislang nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Und bis zur WM in Brasilien sind es eben auch fast noch eineinhalb Jahre - Zeit, die nicht für den erfahrenen Klose arbeitet.

Bild Gomez © AFP Vergrößern Gegen Frankreich in der Sturmspitze: Bayern-Torjäger Mario Gomez

Es gehört zu den verschleppten Problemen des deutschen Fußballs, dass bei aller Konzentration der Ausbildung auf vielseitige Mittelfeldkönner die Sparte Stürmer vernachlässigt wurde. Was in gewisser Weise auch für Verteidiger gilt. Das überreich besetzte Mittelfeld ist die bewunderte Kraftzentrale des deutschen Spiels. Nimmt man jedoch die schmale Besetzung an den Enden des Platzes mit ins Bild, kann man auch zu einem weniger schmeichelhaften Eindruck kommen: Dann trägt der deutsche Fußball einen Wohlstandsbauch.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 06.02.2013, 16:11 Uhr

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