Sie sind flott am Ball und riskieren gern eine kesse Lippe, strotzen vor Selbstvertrauen und schießen doch nicht über das Ziel hinaus: Die Rede ist von der neuen Generation, die in der deutschen Nationalmannschaft Fuß fasst.
In Sebastian Kehl, Christoph Metzelder, Gerald Asamoah, Paul Freier, Arne Friedrich, Daniel Bierofka sowie den am Dienstag nachnominierten Fabian Ernst und Tim Borowski sind im Aufgebot für das Länderspiel gegen Bulgarien gleich acht Spieler unter 24 Jahren. Und DFB-Teamchef Rudi Völler hält viel von seinen „Frühreifen“, über die er sagt: „Das ist eine neue Generation, bei der man keine Angst haben muss, dass sie die Bodenhaftung verliert.“
Hoffnungsträger ohne Flausen
In der Tat wirken die neuen Hoffnungsträger nicht wie forsche, wilde Straßenfußballer, sondern wie besonnene Abiturienten mit einem ausgeprägten Realitätssinn. „Ich habe noch nichts geleistet“, meint der Neu-Herthaner Arne Friedrich, der selbst von seiner Berufung nach nur einem Bundesliga-Spiel am meisten überrascht war. „Ich habe keinerlei Erwartungen, sondern freue mich nur, dabei zu sein“, gab sich auch Paul „Slavo“ Freier zurückhaltend, und schon ein wenig ehrfürchtig fügte er an: „Ich möchte mich bei Herrn Völler und bei Herrn Skibbe im Training empfehlen.“
Ihre Vereins-Trainer und Manager sind da wesentlich vollmundiger, wenn es um die Perspektiven ihrer „Rohdiamanten“ geht. „Ich bin fest davon überzeugt, dass er bei einer normalen sportlichen Entwicklung 2004 Stammspieler und Leistungsträger der Nationalmannschaft sein wird“, prophezeit Bochums Trainer Peter Neururer dem 23-jährigen Mittelfeldspieler Freier eine große Karriere.
Völler rechnet mit Rückschlägen
Ähnlich große Stücke hält Hertha-Manager Dieter Hoeneß auf den ebenfalls 23-jährigen Verteidiger Friedrich: „Arne hat das Zeug zum Leader. Und er hebt sicher nicht ab.“ Ob der Defensiv-Spezialist tatsächlich in die Fußstapfen seines einstigen U21-Teamkollegen Christoph Metzelder tritt und binnen eines Jahres den Sprung vom Nobody zum Stammspieler schafft, bleibt abzuwarten.
Zumindest Völler rechnet bei der von ihm forcierten Verjüngungskur mit Rückschlägen. „Die Jüngeren müssen auch noch durch das eine oder andere Tief gehen, um letztlich ganz Große zu werden. Da müssen wir Trainer auch Geduld aufbringen“, sagte der 42-Jährige, der nichts von einem radikalen Umbruch hält, sondern auf einen kontinuierlichen Verjüngungsprozess setzt: „Wir müssen eine gesunde Mischung finden aus jung und alt, aus Talent und Erfahrung.“
Ob jung oder alt, hauptsache gut
Da derzeit die Jugend zahlenmäßig zu stark vertreten ist, warnte der Teamchef bereits, dass zum Start der EM-Qualifikation am 7. September in Litauen „ein jüngerer Spieler mal nicht eingeladen wird“. Denn maßgeblich sei nicht, einen Perspektivkader für die WM 2006 im eigenen Land aufzubauen, sondern die Qualifikation für die Europameisterschaft 2004 in Portugal. Und da zählt allein die Leistung, so Völler: „Da müssen die besten Spieler dabei sein - ob der eine etwas älter und der andere etwas jünger ist, ist nicht entscheidend.“