Einen wie ihn hatten sie lange vermisst. Klare Strategien, klare Entscheidungen, Lockerheit und Kompetenz. In einer guten Stunde erklärte Rolf Rüssmann dem staunenden Vorstand des VfB Stuttgart sein Rettungsprogramm. Runter von den 30 Millionen Mark Schulden, schnelle Gespräche mit den Spielern und deren Berater, ein klares Bekenntnis für Trainer Ralf Rangnick.
Was früher in verklemmter Heimlichtuerei ablief, machte Rüssmann zur öffentlichen Debatte. Er lud die Spielerberater ein. „Mit denen muss man doch sprechen, die sind wichtig, so wichtig wie die Spieler“. Er überraschte die Berater selbst. „Ich habe der Presse gesagt, dass ich sie beauftragt habe mit zwei neuen Spielern Kontakt aufzunehmen“, sagt er einem. Für ein paar Sekunden war es still auf der anderen Seite. Auch Pressesprecher Oliver Schraft schwieg in alter Gewohnheit bei einer Pressekonferenz als die Frage nach den Einnahmen des Pokalhalbfinales auftauchte.
Ganz neue Offenheit
„Sie brauchen daraus überhaupt kein Geheimnis zu machen“, sagte Rüssmann. Das Schweigen hielt an. Rüssmann hakte nach. „Sie brauchen mich auch nicht verstohlen anzuschauen, sagen sie es einfach“. Der Pressemann spricht: „Zwei Millionen brutto“. Rüssmann lächelt zufrieden. „Sehen sie, wo liegt das Problem“.
Selbstvertrauen, Mut schrieb Rüssmann auf das Rezept für den Patienten VfB. „Ich glaube, dass man hier gar nicht weiß, welche Möglichkeiten man hat, um ein großer Verein zu sein“, sagt er. Den Zeitungen sagt er, er werde um jeden Spieler kämpfen. Um Thomas Schneider zum Beispiel, der schon in Schalke zusagte. Seine Botschaft ist klar: Wir sind wer. Der Verein muß sich nicht verstecken, sondern soll Stärke demonstrieren. „Ich will, dass sie uns eine Lösung anbieten, die zur einer Einigung führt“, sagt er dem Berater von Kapitän Zvonimir Soldo und Marcelo Bordon.
Wie ein Unternehmensberater
Rüssmann kam sich am Anfang eher vor wie ein Unternehmensberater, der sich selbst um kleinste Dinge kümmern muss. Schon am ersten Arbeitstag des neuen Sportdirektor verschwanden die Schüssel mit Gummibärchen und Bonbons, die überall in der Geschäftsstelle des VfB Stuttgart herumstanden. „Wir sind kein Süßwarenladen“, sagt er. Die offensichtlich Naschsucht aber das geringste Problem seines neuen Jobs. „Es war als ob einer die Fenster aufgemacht hätte und der Mief mit einem Mal draußen ist“, seufzte Trainer Ralf Rangnick erleichtert.
Er fühlt sich nicht mehr allein. Rüssmann setzte sich demonstrativ neben ihn auf die Bank. „Dann sehen alle, dass wir zu ihm stehen“. Rüssmann ist schlau genug zu begreifen, dass eine erneute Diskussion um den Trainer mehr Schaden anrichtet als sie Nutzen bringt. „Neben seinem Optimismus imponiert mir, dass er Dinge sofort anpackt“, sagte Rangnick. Jetzt müssen nur noch die Ergebnisse auf dem rasen stimmen. Aber auch da bleibt Rüssmann gelassen. „Wenn es runter geht, dann es auch wieder rauf. Was glauben sie in welchem Schlammassel ich schon überall steckte. Soll ich mich da aufregen, dass ich 17. bin“ sagte Rüssmann beim Dienstbeginn. Immerhin das hat er schon geschafft. Die Stuttgarter stehen mittlerweile auf Rang 15.