Vor seinem internationalen Debüt hat Lothar Matthäus als Sportdirektor bei Rapid Wien den ersten Streit im neuen Job. Matthäus setzte nach zehn Diensttagen seinen Kapitän Peter Schöttel vom Posten des Mannschaftskapitäns ab - und wurde Stunden später von seinem Club zurückgepfiffen.
Pressesprecher Peter Klinglmüller teilte mit, dass „Schöttel bis auf weiteres Kapitän des SK Rapid bleibt“. Zwei Tage vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen Partizan Belgrad hat der frühere Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und des FC Bayern München für reichlich Ärger gesorgt, aber auch für Bewegung im Team.
Motivationshilfe a lá Matthäus
Diese Art der Motivation, die er sich bei seinem langjährigen Arbeitgeber FC Bayern abgeguckt haben könnte, scheint so ganz nach Matthäus' Geschmack zu sein.
Es ist aber auch eine erste Machtprobe für den 40-Jährigen. „Ich habe Peter Schöttel frei gestellt, ob er weiter richtig trainieren oder ob er sich seine Papiere abholen will. Er hat 15 Minuten bei meinem Freund Günter Güttler trainiert und ist dann verletzt ausgeschieden“, beschrieb er den Vorfall, der sich vor dem Meisterschaftsspiel bei Sturm Graz ereignet habe.
Die zweite Partie unter seiner sportlichen Leitung endete mit dem ersten Punktgewinn und der Erkenntnis des Franken: „Ich kann stolz auf die Mannschaft sein; ich habe sie erstmals richtig kämpfen sehen. Dieser Punkt gibt Hoffnung für die Zukunft. Aber mein Team muss noch cleverer werden. Ich muss ihr mehr Selbstvertrauen einimpfen.“
Alles nur ein Missverständnis?
Peter Schöttel, eine Identifikationsfigur bei Rapid, hatte sich über das allzu harte Training beschwert, das Matthäus von einer auf zwei Stunden ausgedehnt hatte. „Auf Grund eines Interviews war Matthäus der Ansicht, ich hätte die Länge beziehungsweise Qualität der Trainingseinheiten kritisiert. Das war nie meine Absicht. Ich wollte lediglich auf meine persönliche Situation hinweisen. Rückwirkend betrachtet war die Wortwahl nicht sehr glücklich, so dass man es auch falsch verstehen kann“, meinte der 34-Jährige, der nach dieser Saison nur noch als Nachwuchstrainer bei Rapid tätig sein will.
„Klappe halten und für Rapid ackern“
Der Verein steht offiziell auch zu seinem Rekordspieler. Rapid- Sprecher Klinglmüller äußerte sich der österreichischen Nachrichten-Agentur APA aber vielsagend: „Über die weitere sportliche Zukunft unseres Nachwuchsleiters kann erst in den nächsten Tagen Auskunft gegeben werden.“ Matthäus stößt sich vor allem an der Art und Weise, wie der unter chronischen Knieproblemen leidende Schöttel seine Kritik angebracht hat. Jeder Spieler könne mit ihm reden, meinte er, „aber nicht in der Öffentlichkeit. Da gilt: Klappe halten und für Rapid ackern.“