Es gibt Erfolge, die sind nicht auf den ersten Blick als solche sichtbar. Aber - Aufstieg in die Bundesliga hin oder her - der größte Sieg des Trainers Klaus Augenthaler in Nürnberg trug sich abseits der Fernsehkameras zu.
„Der Präsident hat gemerkt, dass da welche ihre Arbeit verstehen", sagt er und lächelt. Wenn Michael A. Roth ("Das A heißt Adolf, das war damals so üblich") zufrieden nickt, droht vom kleinen Mann mit dem Nikolausbart und dem millionenschwerem Teppichimperium keine Gefahr. Was sich schnell ändern kann.
Roth: der Giftzwerg mit den Lebkuchen
Der 1. FC Nürnberg, das ist oft auch der 1. FC Roth. Privatverein eines Menschen mit Zügen eines Gutsherren mit cholerischen Neigungen und Gefühlsausbrüchen, die plötzlich und unkontrolliert über die Umwelt hinweg fegen.
In guten Zeiten aber verteilt der allmächtige Chef am Valznerweiher schon mal die "Kaiserdose" Nürnberger Lebkuchen, "wenn alles gut gelaufen ist" (Roth). Ehemalige Trainer wie Felix Magath, der heute beim VfB Stuttgart arbeitet, nennen ihn dagegen liebevoll "Giftzwerg".
Mehr Spiele als die ganze Mannschaft zusammen
Klaus Augenthaler tut das nicht. Noch nicht. "Mir redet keiner rein, da macht die Arbeit wirklich Spaß", sagt der 43 Jahre Weltmeister, 27malige Nationalspieler, deutsche Meister, Schütze des "Tores des Jahrzehnts" aus 49 Metern ("Ich habe nie nachgemessen") 1989 gegen Eintracht Frankfurt und Hobbyangler. Ein Kerl mit klaren Vorstellungen und der Abschlussnote von 1,7 beim Trainerlehrgang.
Tiefe Stimme, Pokerface. "Auge" weiß Bescheid, genauso wie Edgar Geenen, der Manager, der mit zur Erfolgsgeschichte gehört. "Die Mannschaft hat gerade mal 200 Bundesligaspiele. Alle zusammen". Er selbst hat 404. Auch deshalb respektieren sie in Franken den "Fremden" aus Bayern.
Ein bisschen Siegermentalität
"Es ist ein Unterschied, ob du vor 8000 in Oberhausen spielst oder vor 68000 in Dortmund". Dortmund wird das erste Spiel des Aufsteigers sein. Augenthaler hat seinen Spielern lieber nicht versucht zu erklären, was den Unterschied zwischen 2,3 Millionen Mark und 100 Millionen Mark auf dem Fußballplatz ausmacht. "Wir fahren dorthin und wollen gewinnen", sagt er zur Schieflage der Investitionen. "Das habe ich bei den Bayern gelernt. Ein bisschen Siegermentalität, ständig unter Druck und Titel heranschleppen".
Titel erwartet in Nürnberg und dem Rest von Franken keiner. Aber zittern bis zum 34. Spieltag, das will "Auge" vermeiden. Dazu ist er nach 17 Jahren Bayern München zu ehrgeizig. "Am liebsten wäre es mir, wir sind in der Winterpause gerettet", sagt er und lacht.
Nicht zuviel Respekt!
Der trockene Kerl aus Fürstenzell in Niederbayern hat eben doch einen spaßigen Kern neben dem Blick für die Realität: "Wir brauchen noch einiges an Erfahrung. Ich muss den Jungs die Angst nehmen und hoffe, wir zahlen nicht zuviel Lehrgeld. Der Respekt vor den Großen, das ist die größte Gefahr".
Trotzdem freut sich Augenthaler auf die Bundesliga. "Da wollte ich immer hin". Der Trainer Augenthaler ist auf dem Weg nach oben. "Meister werden, aufsteigen, junge Mannschaft - so habe ich mir das immer vorgestellt. Ich komme an einen vertrauten Ort zurück."
Der Vogel hat fliegen gelernt
Mit dem Aufstieg des FCN hat er sich endgültig freigemacht vom Stallgeruch des FC Bayern, der sein Leben prägte und ihn, den Assistenztrainer, am Ende wie einen flügge gewordenen Vogel aus dem Nest schubste. Der "ewige Bayer" ist selbständig geworden. "Ich setze mich nicht gerne in ein gemachtes Nest, lieber klein anfangen". So hat er tapfer aufgebaut. Als Trainer, der mit dem Grazer AK Dritter in Österreich wurde, und dem 1. FC Nürnberg.
"Wissen Sie", sagt er, "die müssen ruhig bleiben und an sich glauben". Ruhig bleiben bedeutet ein klassisches 4-4-2 System und einen Torwart, der, egal, ob es Raphael Schäfer oder Darius Kampa sein wird, kaum über Erfahrung verfügt. Im Schatten von Andreas Köpke ist vor allem Geduld gefragt.
Zwei Klassen Unterschied
Nun hört der ehemalige Nationaltorwart auf: "Ich bin fünf Mal abgestiegen. Ich wollte ein positives Ende". Köpke rückt ins Management auf und sagt seinem Klub einen "Existenzkampf" in der Bundesliga voraus. Das hört Klaus Augenthaler gerne. "Dann sind alle konzentriert."
Die Bundesliga, meint er, "das ist nicht nur eine Klasse Unterschied, das sind zwei." Das so glaubt Augenthaler habe inzwischen auch Michael A. Roth eingesehen. Von allem anderen lässt er sich überraschen. In Nürnberg ist das wohl auch besser so.