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Fußball-Länderspiel : Kahn warnt vor Jugendwahn

  • Aktualisiert am

Gewohnt kritisch: Oliver Kahn Bild: AP

Viele junge Spieler werden im ersten Länderspiel des Jahres am Mittwoch gegen Spanien zum Einsatz kommen. Ausgerechnet der Kapitän warnt: Der begabte Nachwuchs müsse sich international erst noch die Hörner abstoßen.

          Das bedeutendste Testspiel des Jahres wird doch nur zum Experimentierfeld für Teilzeitarbeiter: Angesichts des Ausfalls etlicher Leistungsträger und dem bevorstehenden Mammutprogramm für die Vereine hat Teamchef Rudi Völler seinen Nationalspielern am Mittwoch (21.30 Uhr/ARD) gegen Spanien ein Schonprogramm verordnet.

          „Ich möchte immer mit der besten Mannschaft spielen, aber in diesem Fall muss man auch Rücksicht auf die Vereine nehmen. Wir stehen am Anfang von unheimlich vielen englischen Wochen“, sagte Völler 24 Stunden vor dem Anpfiff im trotz geringer Kapazität (23.000 Zuschauer) noch nicht ausverkauften Stadion „Son Moix“ auf der Ferieninsel Mallorca.

          Völler testet neue Viererkette

          Deshalb dürfen sich bis auf Ersatzkeeper Jens Lehmann alle Spieler aus dem 18-köpfigen Aufgebot Hoffnungen auf einen Einsatz machen, im Duell des WM-Zweiten beim Weltranglisten-Dritten eingesetzt zu werden. „Das Ergebnis ist nicht so wichtig. In solchen Spielen sollte man etwas testen“, formulierte Völler seine Ansprüche, „viel wichtiger sind die Spiele danach, vor allem das nächste EM- Qualifikationsspiel gegen Litauen.“

          Im Hinblick auf das am 29. März in Nürnberg anstehende Pflichtprogramm will Völler eine neu formierte Viererkette ohne klassischen Abwehrchef testen. Stattdessen sollen der Berliner Arne Friedrich, die Dortmunder Innenverteidiger Christian Wörns und Christoph Metzelder sowie der Wolfsburger Debütant Tobias Rau im Verbund die spanische Offensive um Superstar Raúl bremsen.

          Im zentralen Mittelfeld werden wohl Torsten Frings und Jens Jeremies die Aufgabe erhalten, die Lücke durch die Ausfälle von Michael Ballack und Dietmar Hamann zu schließen. Dem formschwachen Leverkusener Carsten Ramelow droht ebenso wie Klubkollege Oliver Neuville ein Platz auf der Ersatzbank. Denn im Angriff setzt Völler auf Fredi Bobic als Sturmpartner von Miroslav Klose - für den Saisonaufsteiger Benjamin Lauth ist die Joker-Rolle vorgesehen.

          Joker-Rolle für Lauth

          Mit den gegenüber dem Vortag deutlich höheren Temperaturen in Palma de Mallorca stieg auch das Stimmungsbarometer bei den deutschen Spielern. Kapitän Oliver Kahn machte gar einen „Sonneneffekt“ bei sich und seinen Kollegen aus - die Aussichten aber sind eher trübe. Behält der Wetterbericht recht, müssen sich die deutschen Spieler und die rund 5000 erwarteten deutschen Fans im „Auswärts-Heimspiel“ auf ein Regenduell einstellen.

          „Für uns ist es wichtig, dass wir uns mit den besten Mannschaften der Welt messen. Die Spanier haben absolutes Top-Niveau“, urteilte Kapitän Oliver Kahn über den ersten Gegner des Jahres. Wichtiger Bestandteil ist die Integration der Neulinge, die Kahn sogleich in die Pflicht nahm. „Junge Spieler sind nötig, um das Gesicht einer Mannschaft zu ändern. Aber auch sie müssen erst einmal zeigen, dass sie die internationale Klasse besitzen, die man von ihnen erwartet“, warnte der Welttorhüter des Jahres vor einem Jugendwahn im deutschen Fußball: „Die Jungen müssen sich erst einmal international die Hörner abstoßen.“

          Völler erhofft sich gegen den namhaften Kontrahenten, der bis auf einen EM-Titel allerdings keinen bedeutenden Erfolg aufzuweisen hat, eine ähnliche Signalwirkung wie beim letzten Aufeinandertreffen vor zweieinhalb Jahren. Der damalige 4:1-Erfolg in Hannover war der Beginn der Ära Völler und der Anfang einer Erfolgswelle, die das deutsche Team bis ins WM-Finale von Yokohama spülte. „Der damalige Sieg war für die Grundstimmung ganz wichtig“, erinnerte sich Völler.

          Diesmal werden weit weniger Fans Notiz nehmen vom Auftritt der DFB- Auswahl. Dafür sorgt allein schon die späte Anstoßzeit um 21.30 Uhr. Schuld daran, so DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, sei das spanische Fernsehen, das auf eine Übertragung nach den 21-Uhr- Nachrichten bestanden habe.

          Quelle: dpa

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