Es kommt ja nicht oft vor, dass man Uli Hoeneß dafür loben darf, dass er schweigt. Meistens sagt er ja etwas, und manchmal wundert man sich dann, wie dick Vereinsbrillen selbst bei Menschen mit hohem Sachverstand doch sein können. Noch aber lächelt Hoeneß über das Interview seines ehemaligen Trainers Louis van Gaal in der „Sportbild“ hinweg, gerade so, als habe er gar nicht mitbekommen, was der niederländische Nationaltrainer so alles auch über ihn erzählt. Es wäre schön, wenn es so bliebe, aber die Erfahrung hat gelehrt, dass vor einem dauerhaften Schweigen des großen Vorsitzenden der SC Freiburg deutscher Meister wird.
Ein Rätsel ist es geblieben, was sich der FC Bayern damals bei der Verpflichtung von van Gaal gedacht hat, an der ja Hoeneß nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürfte. Dass sich der Niederländer bei der Verteilung von Sonderportionen an Selbstbewusstsein ganz weit vorgedrängt hatte, war schließlich bekannt. Dass er nur seine Meinung gelten lässt ebenso.
Es war also keine Frage, ob das beim FC Bayern gut gehen könnte, wo die Anzahl der sendungsbewussten Fußballweisen auch nicht gerade klein ist. Es stellte sich immer nur die Frage, wie lange das gut gehen konnte. Die Antwort: Solange Erfolg da sein würde.
Van Gaal hat alles erfunden
Es gibt da diesen Werbesport für einen Kräuterbonbon, an dessen Ende ein kleiner unscheinbarer Mann fragt: Und wer hat‘s erfunden? Die Schweizer natürlich. Wer sonst? Das eigentlich Überraschende ist die Tatsache, dass van Gaal dagegen noch keinen Einspruch erhoben hat. Schließlich hat er, lieber Herr Löw, auch das Spielsystem der deutschen Nationalmannschaft erfunden.
Dieser Geniestreich führte nur leider deshalb noch nicht zu einem Titel, weil Schöpfer van Gaal zu seiner Zeit in Barcelona auch das Tiki-Taka-System der Spanier entwickelt hat. Van Gaal hat auch Mario Gomez zu einem guten Stürmer gemacht, und natürlich hatte er immer Manuel Neuer holen wollen, auch wenn das damals etwas anders klang.
„Eigenlob“ stinkt allerdings gewaltig
Dass van Gaal jetzt redet, mag vermutlich damit zusammen hängen, dass die vertraglich geregelte Schweigefrist abgelaufen ist. Der Niederländer ist unbestritten ein Trainer mit einem herausragenden Blick für Talente, er trifft mit mancher Anmerkung vermutlich sogar ins Schwarze, er hat einen gewissen Witz und seine Sprachschöpfungen „Feierbiest“ und „Tod oder Gladiolen“ gehören inzwischen zum deutschen Wortschatz. „Eigenlob“ stinkt allerdings gewaltig - van Gaal macht es Hoeneß eigentlich zu leicht, genüsslich zu schweigen.
Louis van Gaal hatte ein Kreisproblem...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 03.11.2012, 09:05 Uhr
noch eine van Gaal Erfindung weniger
Bassam Doukmak (Doukmak)
- 02.11.2012, 21:18 Uhr
Thomas Müller
Michael Messerer (KritischerWuerger)
- 02.11.2012, 17:09 Uhr