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Fußball-Kommentar Überall nur schwarzer Dienstag

 ·  Der Schrecken von Berlin sitzt zu tief, als dass der bunte Bundesliga-Alltag das schon jetzt legendäre 4:4 von vergangener Woche verdecken würde. Das Schweden-Spiel verlangt Aufklärung.

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Ein Samstag im Bett und dazu jede Menge Fußball im Fernsehen - Hand aufs Herz, wer hielte das nicht für eine ziemlich kuschelige Vorstellung. Im Fall des Bundestrainers jedoch lagen die Dinge ein wenig anders. Zum einen, weil seine Gesundheit mehr als nur ein bisschen angekratzt war, so dass Joachim Löw gar „ans Bett gefesselt“ war, wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilte, und deshalb auch seinen kurzfristig angekündigten Auftritt im ZDF-Sportstudio ebenso kurzfristig wieder absagen musste. Zum anderen, weil der kranke Löw, wenn er denn zur Fernbedienung griff, auf allen Kanälen mit dem schwarzen Dienstag von Berlin konfrontiert wurde. Egal, wo und wie Fußball gespielt wurde an diesem Wochenende - die Nationalmannschaft im Allgemeinen und das 4:4 gegen Schweden im Besonderen gehörten im Auge des Betrachters immer irgendwie dazu.

Wo immer eine Mannschaft hoch führte, schwang die (sarkastische) Frage mit, ob dieser Vorsprung Bestand haben würde. Das galt natürlich besonders für die Bayern, von denen am Dienstag ja einige mit von der Partie gewesen waren. Brav behaupteten die Münchner nach dem 5:0 in Düsseldorf, dass sie ihre Lektion gelernt hätten. Schön wär’s ja, mag sich auch Löw gedacht haben - aber was, wenn es doch eher daran lag, dass Düsseldorf nicht Schweden ist und Ilsö nicht Ibrahimovic? Man wird es erst wissen, wenn die deutsche Elf das nächste Mal in ernste Kalamitäten gerät.

Manches, was in den Stadien zu sehen war, lud abseits der unangenehmen Reminiszenzen auch zu einer Relativierung des historischen Berliner Zerfalls ein. Wenn man wollte, konnte man etwa aus dem Spielverlauf des Zweitligaspiels in Regensburg Trost ziehen. Dort führte der Jahn gegen den 1. FC Köln im eigenen Stadion bis zur 86. Minute 2:0 und verlor doch noch 2:3. Nicht einmal Unentschieden also. Und dass selbst strahlende Erfolgstrainer nicht unfehlbar und vor taktischen Fehlschlägen gefeit sind, zeigte sich in Dortmund, wo sich Jürgen Klopp ausgerechnet im Revierderby einen Fehlgriff leistete, der an ein gewisses Spiel der Nationalmannschaft im Sommer, gegen Italien war es, erinnerte.

Alles in allem aber sitzt der Schrecken von Berlin zu tief, als dass der Liga-Alltag, so bunt er auch sein möge, Gras über die Sache wachsen lassen würde. Das hat auch die Führung der Nationalmannschaft erkannt und deshalb mit dem Willen, das Unfassliche zu erklären, das richtige Zeichen gesetzt. Teammanager Oliver Bierhoff war hier, weil von Krankheit verschont, im Vorteil. Seinen Worten in einer Talkshow war echte Sorge um den Kurs und die Zukunftsfähigkeit der deutschen Auswahl zu entnehmen. So kantig hat man Bierhoff lange nicht erlebt. Ob aus seinen Äußerungen auch Absetzbewegungen von Löw herauszuhören waren, blieb der Interpretation überlassen. In jedem Fall aber täte der Bundestrainer gut daran, die Deutungshoheit über die Lage der Fußballnation, so schnell es geht, zurückzugewinnen. Baldige Genesung täte not - auch wenn das Wochenende eher bittere Medizin bereithielt.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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