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Fußball-Kommentar Symbolpolitik unter Druck

Die Fifa würdigt das mutige Verhalten von Kevin-Prine Boateng. Nun ist es an der Zeit, dass der Fußball-Weltverband selbst mehr Courage und Engagement zeigt im Kampf gegen Rassismus. Sanktionen gegen Verbände reichen da nicht.

© Reuters Vergrößern Erstarkt: Fifa-Chef Blatter befindet sich wieder im Angriffsmodus

Es ist unbestritten, dass der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) viel dafür getan hat, seinen Ruf mit den Jahren so zu ramponieren, dass man Joseph Blatter mittlerweile jede Unverfrorenheit und Unverschämtheit zutraut. Es scheint sogar fast so, dass man solche Dinge vom ersten Mann des Weltfußballs nach all dem Täuschen und Tricksen der vergangenen Jahre geradezu erwartet. Und so kommt es, dass Blatter zuletzt wie der einzige Mensch auf dem Fußballglobus erschien, der auch noch blind gegen Rassismus sein soll.

Blatter kritisierte das Opfer

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Der Aufschrei entzündete sich an Blatters angeblicher Kritik an der vielbeachteten Protestaktion von Kevin-Prince Boateng. Der Milan-Profi hatte bei einem Testspiel genug von den immer wiederkehrenden rassistischen Beleidigungen, knallte den Ball in den Block der Provokateure und verließ zusammen mit seinem Team den Platz. Es war ein starkes Signal, auf das viele im Fußball gewartet haben. Hier war einer, der seinen eigenen Regeln folgt, weil ihn die üblichen Regeln nicht schützen. Aber was von Blatter in der Sache ankam, war ein einziger Satz aus einer arabischen Zeitung. „Ich denke, dass ein Spieler nicht einfach vom Feld gehen kann, das ist nicht die Lösung“, hieß es. Damit war Blatter der Mann, der das Opfer kritisiert, nicht die Rassisten.

Bild Boateng © dpa Vergrößern Keine Beschwichtigung hilft: Kevin-Prince Boateng verlässt nach Schmährufen den Platz - und bekommt viel Lob dafür

Am Montagabend hatte der Weltfußball in Zürich seine große Feierstunde, man legte die Stollenschuhe beiseite, trug Smoking und verneigte sich vor Lionel Messi. Blatter ließ aber auch die Rassismusdebatte, die sich an Boatengs Protest entzündet hatte, in den Ballsaal hinein. Unter den Kronleuchtern blendete der Fifa-Präsident keineswegs aus, was sich in den Kurven an Trübem abspielt. Blatter bezeugte Boateng vor aller Öffentlichkeit seinen Respekt - und machte gleichzeitig die Grenzen deutlich, die eben auch in solchen Aktionen liegen. „Wenn ein Spieler vom Feld geht, weil er rassistisch beleidigt wurde wie Kevin-Prince Boateng, ist dies ein starkes und mutiges Signal. Es ist eine Art zu sagen: ,Bis hierhin und nicht weiter.‘ Das ist lobenswert“, sagte Blatter. Gleichwohl könne es nicht die Lösung für die Zukunft sein, so der Fifa-Präsident weiter. Der Fußball müsse andere, nachhaltige Wege finden, um das Problem an der Wurzel zu packen.

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Die Fifa allerdings, und da setzt die Kritik am Kampf gegen Rassismus in den Stadien ganz berechtigt an, hat bisher nicht viel getan, was auf Nachhaltigkeit schließen ließe. Der internationale Verband setzt auf Symbolpolitik, Sanktionen gibt es nicht. Spielführer verlesen vorgefertigte Anti-Diskriminierungs-Statements vor dem Anpfiff, Bandenwerbung fordert Fair Play und Respekt ein. Das wirkt wie ein moralisches Pflichtprogramm. Gut gemeint, aber ohne innere Anteilnahme. Es ist genau diese Leerstelle, die Boateng gefüllt hat - und an der sich die Fifa und Blatter nun messen müssen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.01.2013, 16:27 Uhr

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Von Christian Eichler

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