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Fußball-Kommentar Schluss mit dem Theater

17.11.2008 ·  Nach der Kritik von Kuranyi, Ballack und Frings wird beim Klassiker gegen England wieder Fußball gespielt. Auch die Schiedsrichter-Debatte in der Liga sollte kein Thema mehr sein. So schlimm hat sich letztlich niemand benommen, um auf Dauer in Sack und Asche gehen zu müssen.

Von Roland Zorn
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Am Mittwoch wird wieder Fußball gespielt. Deutschland gegen England in Berlin – der Klassiker. Wenn dort endlich der Ball rollt, sind der großen Worte hoffentlich genug gewechselt. Dass am Montag in München der Deutsche Fußball-Bund, die Bundesliga und ihre Schiedsrichter an einem, natürlich runden, Tisch saßen, wird dann keine weltbewegende Nachricht mehr sein, und auch der von Bundestrainer Joachim Löw wieder hervorgeholte, längst bekannte Verhaltenskodex für Nationalspieler sollte bis dahin die Diskussionen nicht mehr überlagern.

Diejenigen, die es zuletzt an diversen Schauplätzen der Liga am gern zitierten „Respekt“ gegenüber den Unparteiischen hatten fehlen lassen, sind inzwischen gestraft genug. Auch die Löw-Kritiker Ballack und Frings, von Kuranyi zu schweigen, wissen, dass ihre Pfründe ab sofort auf dem Spiel stehen.

Wieder ein Sportsmann mit einer (meist) positiven Aura

Das große Anstandstheater kann also bis auf weiteres geschlossen werden, weil sich die meisten Spieler und Trainer sowieso im Großen und Ganzen tadellos verhalten. Nun ist es auch gut mit den manchmal allzu starken Worten der Selbstbezichtigung – DFB-Präsident Zwanziger beklagte sogar einen „Imageschaden“ für die Nationalmannschaft nach Ballacks Attacke gegen Löw und Frings' Rücktrittsgemaule – und den Gesten des Aufeinanderzugehens.

So schlimm hat sich letztlich niemand benommen, um auf Dauer in Sack und Asche gehen zu müssen. Auch der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp, der für einen unbeherrschten Moment der Schiedsrichterschelte einen Denkzettel im Wert von 12.000 Euro vorgehalten bekam, ist wie zuvor wieder ein Sportsmann mit einer (meist) positiven Aura.

Zur Tagesordnung übergehen zu können ist notwendig

Zum Fußball in seiner ganzen, manchmal auch irregeleiteten Emotionalität haben immer schon Fehltritte, unqualifizierte Äußerungen und unschöne Attacken gehört. Für die Grenzziehung sind die Spielregeln, vielleicht auch ein Verhaltenskatalog da. Sportrichter und Bundestrainer mögen ihr letztes Wort sprechen. Den Stammtischcharakter dieses Sports, der nicht nur feine Leute anzieht, werden sie damit nicht verändern. Die Sünderlein und Spielverderber zu bestrafen ist notwendig; rasch wieder zur Tagesordnung übergehen zu können aber auch.

Dass unsportliche Aussetzer und unbedachte Äußerungen im öffentlichen Strafraum möglichst selten vorkommen, ist die alltägliche Aufgabe für alle, die an diesem Spiel um und für Millionen beteiligt sind. Selbstkontrolle ist gut und richtig. Wer sie verletzt, soll dafür bezahlen und es beim nächsten Mal besser machen. Das Spiel aber ist stärker als sein übelster Spielverderber. Daran haben auch die deutschen Fußballwochen des Hauens und Stechens nichts ändern können.

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