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Fußball-Kommentar : Rote Reihe

Nicht mit dem Finger auf andere zeigen: Martin Kind, Präsident von Hannover 96 Bild: dapd

Martin Kind verwendet gerne deutliche Worte. In dieser Woche hat der Präsident seine Fans zurecht für verbale Entgleisungen gegenüber Emanuel Pogatetz kritisiert. Ein anderes Mal sieht er sich aber nicht ganz zu Unrecht dem Vorwurf der Heuchlerei ausgesetzt.

          Martin Kind hat in dieser Woche ein weiteres Mal die Anhänger von Hannover 96 gerüffelt. Nach der in der Wortwahl harten, aber nachvollziehbaren Kritik an den verbalen Entgleisungen gegen den vor dieser Spielzeit zum regionalen Rivalen VfL Wolfsburg gewechselten Emmanuel Pogatetz hat der Präsident des Vereins nun ein Transparent der Ultras „als Geschmacklosigkeit“ bezeichnet.

          Die besagte Fahne zeigt das Porträt des Serienmörders Fritz Haarmann, der in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit 24 Morden an Jungen und jungen Männern im Alter von 10 bis 22 Jahren Angst und Schrecken an der Leine verbreitet hatte, ehe er zum Tode verurteilt wurde. Haarmann ist in Hannover spätestens seit dem filmischen Porträt „Der Totmacher“ mit Götz George in der Hauptrolle ähnlich wie Al Capone in Chicago oder Jack the Ripper in London zu einer salonfähigen Figur der Stadtfolklore geworden, mit der sogar die Tourismus-Behörde wirbt.

          Kinds Ehrenmitgliedschaft

          Deren Stadtführungen sehen sogar den Besuch der Straße mit dem Namen „Rote Reihe“ vor, in der Haarmann wohnte und mordete. Und jetzt wird es doppelmoralisch: Martin Kind hat die Ehrenmitgliedschaft eines Prominenten-Fanklubs angenommen, der mit dem Namen „Rote Reihe“ genauso zweideutig mit derselben Folklore kokettiert wie die Ultras der „Roten“ mit ihrer Fahne.

          So gesehen haben die verbal angegriffenen Anhänger nicht Unrecht, wenn sie Kind nun Heuchelei vorwerfen. Der Dialog mit den Ultras bleibt auch wegen solch fehlender Feinfühligkeit ein kompliziertes Feld.

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