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Fußball-Kommentar Nur eine nationale Größe

02.10.2007 ·  Von diesem Dienstag an geht die Fußball-Bundesliga neue Wege in der Auslandsvermarktung. Zum Auftakt der Werbeoffensive wird Borussia Dortmund nach Polen geschickt. Ob das derzeit aber so gut ist, fragt sich Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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Die Fußball-Bundesliga will im Ausland verstärkt für sich werben. Das ist gut. Auf dem Weg zu neuen Vermarktungsufern schickt die Deutsche Fußball Liga (DFL) als ersten Botschafter für erstklassigen Fußball made in Germany Borussia Dortmund auf Reisen. Ob das im Augenblick so gut ist? Der BVB hat schließlich eine desaströse englische Woche hinter sich, ehe es an diesem Dienstag nach Polen zu Legia Warschau geht. Dort soll und will der Klub mit dem polnischen Nationalspieler Jakub Blaszczykowski Reklame für sich und die Liga machen. Unter den Umständen eine reizvolle Aufgabe.

Im östlichen Nachbarland ist die Bundesliga beliebt – der Sender IKO hat im vergangenen Jahr 160 Spiele live und Spieltag für Spieltag Zusammenfassungen gezeigt. Ob die Borussen-Profis in der polnischen Hauptstadt ihre seit Sonntag selbstverordnete Sprachlosigkeit gegenüber den Medien für einen Abend aufgeben werden, ist eine interessante Frage am Rande. Sie haben sich mit der Aktion Maulkorb uneingestanden die ungeliebten Schalker zum Vorbild genommen, die mit ihrem Schweigegelübde gegenüber Presse, Funk und Fernsehen im Vorjahr sportlichen Erfolg verknüpfen konnten.

Trotz sportlicher Misere eine Premium-Spielklasse

Wer aber in Warschau eine PR-Mission und kein Stillhalteabkommen zu erfüllen hat, ist gut beraten, das eine oder andere lobende Wort über das eigene Produkt und die Gastfreundschaft des Gegners zu verlieren. Dass die Borussen und ihr Trainer Doll momentan in der Krise stecken, war in dem Moment, da die DFL den ersten Auslandseinsatz eines Ligateams im eigenen Auftrag fixierte, nicht abzusehen.

Was in Polen beginnt, soll zu einer Fortsetzungsgeschichte werden. Schließlich leidet die Bundesliga seit längerem nicht nur an ihrer im Vergleich zu England, Spanien und Italien stetig nachlassenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit; sie muss dazu ein Defizit bekämpfen, das so gravierend wie im Augenblick nicht sein müsste. Denn die deutsche Premium-Spielklasse bietet bei allen Rückschlägen in der Champions League oder im Uefa-Pokal für sich genommen eine attraktive Meisterschaftssaison mit Begegnungen in vollen, großenteils hochmodernen Arenen.

Wertvolle freundschaftliche Auslandsgastspiele

Nirgendwo in Europas Spitzenligen kommen mehr Zuschauer als in Deutschland, doch jenseits der Landesgrenzen hält sich das Interesse an den Bayern, den Bremern oder den Schalkern gleichwohl in engen Grenzen. Gerade mal 20 Millionen Euro im Jahr erlöst die DFL durch die Auslandsvermarktung der Bundesliga. Englands Premier League kommt auf 200 Millionen, Italiens Serie A und Spaniens Primera División nehmen per annum jeweils rund 60 Millionen Euro ein. Dahin zumindest sollte es auch die Bundesliga bei besserer Vermarktung und verstärkten Auslandsvisiten zukünftig bringen.

Auf dem Weg zu neuen Zielen sind persönliche Besuche der Profis am Ende wichtiger als alle gern so genannten strategischen Partnerschaften zwischen der DFL und den Profiligen in den Vereinigten Staaten, Japan oder China. Beim Öffnen der nationalen Fenster ist zwar der internationale Erfolg der Liga auf Dauer der bedeutendste Maßstab. Aber auch freundschaftliche Auslandsgastspiele wie das der Dortmunder Borussia in Warschau können nachhaltig und wertvoll sein – sogar in schweren schwarz-gelben Zeiten wie diesen.

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