Wer es zu den besten Zeiten mit Diego Armando Maradona auf dem Platz zu tun bekam, vermied jede Kreativität. Damit ließ sich einfach nichts holen beim Fußball-Genie. Daher machten schon bei der WM 1982 die Verteidiger mit aller Brutalität Jagd auf einen Künstler, den die Schiedsrichter nicht schützen wollten. Vier Jahre später war dann keine Macht stark genug, den Argentinier auf dem Weg zum WM-Titel zu stoppen – aber weitere vier Jahre später durfte sich der nimmermüde schwäbische Kämpfer Guido Buchwald mit dem Ehrennamen „Diego“ schmücken, weil er im Finale die Kreativität mit Kraft und Ausdauer bezwang.
Heute ist nicht mehr Buchwald der hartnäckigste Gegner des Argentiniers, sondern die italienische Finanzbehörde – und die versucht mit ungeahnter Kreativität, die den Verteidigern einst abging, gegen Maradona zum Erfolg zu kommen. Denn sie will sich wenigstens etwas von dessen märchenhaften Einnahmen jener Jahre als teuerstem Spieler der Welt beim SSC Neapel zurückzuholen.
Die italienischen Steuerschulden des argentinischen Nationaltrainers belaufen sich mittlerweile auf 36 Millionen Euro, was die Behörden im vergangenen September veranlasste, Maradona während eines Diät-Aufenthalts in Südtirol auch um seinen brillanten Ohrring zu erleichtern. Geschätzter Wert des beschlagnahmten Stücks: 4000 Euro. Das ist nun nicht gerade ein Betrag, der Maradona verarmen lässt oder den italienischen Staatshaushalt sanierte – und so tüftelte der Fiskus nach einer ganz besonderen steuerlichen Wachstumsbeschleunigungregelung. Heraus kam bei der kreativen Steuerbehörde ein Bonus-Auktion für italienische Maradona-Fans. Zum Ohrring gibt es bei der Versteigerung in der kommenden Woche in Bozen nun auch noch ein Autogramm des verehrten Fußball-Helden – auf dem von Maradona unterzeichneten Pfändungsprotokoll.