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Sonntag, 19. Februar 2012
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Fußball-Kommentar Klinsmanns Irrtümer

21.05.2009 ·  Erstmals nach seiner Entlassung beim FC Bayern hat sich Jürgen Klinsmann öffentlich geäußert. Die Interviews wurden als „Nachtreten“ gewertet. Genau das waren sie nicht. Dass Klinsmann behauptet, er habe die Einflüsse von außen unterschätzt, ist kurios.

Von Christian Kamp
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So ganz hat Jürgen Klinsmann sein Lächeln noch nicht wiedergefunden. Sonst könnte er womöglich die Souveränität zeigen, den Rechtsstreit mit der „taz“ nach dem zweiten Fehlversuch auf sich beruhen zu lassen. Ein schönes Gefühl ist es gewiss nicht, sich als gekreuzigten Heiland auf der Titelseite zu entdecken. Die Grenzen der persönlichen Toleranz sind aber nicht zugleich auch die Grenzen der Satire, wie das Landgericht München festgestellt hat. Und vielleicht könnte man die aus Klinsmanns Sicht so anstößige Montage ja auch in eine andere Richtung interpretieren: als Kommentar auf die mediale Lust an der Überhöhung und anschließenden Erniedrigung des ehemaligen Bundestrainers.

Klinsmann selbst sprach jedenfalls von einer „Hetzjagd“ der Medien, als er sich in diesen Tagen zum ersten Mal seit seiner Beurlaubung beim FC Bayern vor gut drei Wochen öffentlich äußerte (siehe auch: Jürgen Klinsmann: „Das war zuletzt schon eine unwürdige Hetzjagd“). Und es stimmt schon: In einer Branche, die – zumindest in Teilen – bestens vom Prinzip der Zuspitzung lebt, hat der Umgang mit Klinsmann für manches neue Extrem gesorgt. Es genügte nicht, seine Worte und Taten nur zu interpretieren, oft musste es die Überinterpretation sein. Es passte, dass die jüngsten Interviews als „Abrechnung“ oder „Nachtreten“ gewertet wurden, obwohl sie das gerade nicht waren. Da sprach ein Enttäuschter, ja, aber er tat das gelassen und in aller Sachlichkeit – ohne Zorn und Eifer.

Für das Reizklima trägt Klinsmann eine Mitverantwortung

Dass er allerdings behauptet, er habe die Einflüsse von außen unterschätzt, ist kurios. Schon für die Bayern vor Klinsmann galten stets eigene Mediengesetze und -maßstäbe. Dass mit ihm aus dem Münchner Treibhaus allzu leicht ein Tollhaus werden konnte, muss auch ihm vom ersten Tag an klar gewesen sein. Auch wenn (oder gerade weil?) es nur ein Detail am Rand zur Bedeutungslosigkeit ist: Warum hat Klinsmann eigentlich nicht sofort klargestellt, dass die Buddhas auf dem Trainingsgelände nicht seines Geistes Kind waren? Es bleibt sein Geheimnis, ob er nicht das nötige Feingefühl dafür besaß, welche Erschütterungen so etwas im Münchner Kosmos auslösen konnte, oder ob er glaubte, sie jederzeit aushalten zu können.

Für das Reizklima trägt Klinsmann eine Mitverantwortung. Für die wankelmütigen Auftritte auf dem Platz aber war, folgt man ihm, ohnehin etwas anderes entscheidend: eine sportliche Unwucht im Team der Bayern. Er hätte sich nicht darauf einlassen sollen, mit diesem Kader in die Saison zu gehen, und stattdessen auf der Verpflichtung von drei, vier Spielern bestehen sollen, sagte er. Lässt man einmal beiseite, dass Ottmar Hitzfeld mit beinahe demselben Team das Double holte, wäre das der eigentliche Geburtsfehler der kurzen Ära Klinsmann. Dass er das zugibt, spricht für ihn als Persönlichkeit. Dass er sich dennoch darauf eingelassen hat, sagt etwas über den Trainer Klinsmann.

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