So eine Aufgabenstellung müsste doch eigentlich der Traum eines Fußball-Managers sein: „Kauf uns eine gute Mannschaft zusammen, Geld spielt keine Rolle.“ So ungefähr muss der Auftrag vom Sponsor Gasprom für Dietmar Beiersdorfer, den Sportlichen Leiter von Zenit St. Petersburg, gelautet haben, als der ehemalige Manager des Hamburger SV seinen neuen Job antrat. Das klingt machbar - und zumindest einfacher, als mit viel Geschick und wenig Geld eine Mannschaft zusammenzustellen, die perfekt zusammenpasst. Schließlich gilt doch im Fußball eine Weisheit: Geld schießt Tore.
Wenn das nur so einfach wäre. Viel Geld vernebelt schließlich manchmal auch die Sinne, und die Summen, mit denen Zenit Anfang September so um sich warf, sprachen dafür, dass auf den Euro nicht so geachtet wurde. 50 Millionen für den Brasilianer Hulk vom FC Porto, 40 Millionen für den Belgier Witsel von Benfica Lissabon - das waren doch schon erstaunliche Hausnummern auf dem internationalen Transfermarkt.
So ein Fehler wäre den Bayern nicht unterlaufen
Beim Managerspiel auf dem Computer hätte das auch gewiss funktioniert. Der Plan von Zenit, fortan auch international eine bedeutende Rolle zu spielen und nebenbei die russische Meisterschaft zu gewinnen, wäre vermutlich mühelos aufgegangen. In der Wirklichkeit aber sind Fußballmannschaften dann doch etwas sensiblere Gebilde, und wo viel Geld im Spiel ist, sind auch Eifersucht und Neid nicht weit. Wer so viel kostet, verdient nämlich auch viel, und idealerweise ist das dann so geregelt wie beim FC Bayern München. Der 40-Millionen-Einkauf Martínez wird den deutschen Rekordmeister auf dem Platz vielleicht voranbringen, aber eines wird er garantiert nicht schaffen: das Gehaltsgefüge des deutschen Rekordmeisters durcheinanderbringen. So ein Fehler wäre den Bayern nicht unterlaufen.
Diese kleine, aber nicht ganz unbedeutende Fußnote ist in Petersburg offenbar übersehen worden. „Warum müssen die Neuen das Dreifache der russischen Nationalspieler verdienen“, hat Igor Denissow zuletzt in einem Interview gefragt. Der Kapitän der russischen Nationalmannschaft hat dabei durchaus eigene Interessen im Sinn, nebenbei ist er allerdings auch eine Institution bei Zenit. Bislang aber hatte Denissow einen der besten Verträge in Russland, und mehr will ihm der Verein nicht zugestehen.
Auf ein Ultimatum des Spielers reagierte der Verein mit der Strafversetzung ins Jugendteam, und so haben in St. Petersburg momentan alle verloren. Der Verein hat kein Spiel mehr gewonnen und ist vom ersten auf den fünften Tabellenplatz abgerutscht, seit die Neuen da sind; die Neuen stehen isoliert da, und aus dem ehemals eingespielten Kollektiv ist ein zerstrittener Haufen geworden. Dass Geld den Charakter verdirbt, gilt im Übrigen als noch erwiesener als die Annahme, das es Tore schießt.