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Fußball-Kommentar Falsche Dämonen

 ·  Gleich das erste Spiel von RB Leipzig wurde am Wochenende von Randale überschattet. Die Fans machen auch in Bundesligastadien schon verbal mobil gegen das Engagement von Red Bull.

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Die Abwehrreflexe im deutschen Fußball gegenüber Eindringlingen funktionieren prächtig. Vor einem Jahr erklärten Traditionalisten Aufsteiger Hoffenheim und Mäzen Dietmar Hopp zum Feindbild Nummer eins. In dieser Saison ist es der neugegründete RB Leipzig, der Gewalt und Schmähungen auf sich zieht, weil ein Unternehmen aus einem Klub der fünften Liga einen Bundesligaverein formen möchte. Gleich das erste Spiel bei diesem ambitionierten Projekt endete am Sonntag in Jena unter skandalösen Umständen. Hooligans attackierten Spieler. Der Bus wurde mit Flaschen beworfen. Die Mannschaft flüchtete ungeduscht. (siehe: RB Leipzig: Mehr als nur verbale Angriffe)

Natürlich muss sich Gastgeber Carl Zeiss Jena nun ein paar unangenehme Fragen gefallen lassen. Wie konnte der Klub nur so ignorant sein und eine Partie, deren Brisanz nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen offenkundig war, auf einem Nebenplatz austragen anstatt im besser geschützten Stadion? Warum wurden die Übergriffe der Randalierer gegen die Leipziger Spieler nicht geahndet? Der Leipziger Präsident spricht davon, dass die Ausschreitungen fast schon mutwillig in Kauf genommen worden seien.

Der Fußball gehört nicht nur den Bewahrern

Tatsächlich kommt man in diesem Fall mit organisatorischer Kritik alleine aber nicht weit. Ganz anders als bei den sonst gerade im Ost-Fußball üblichen, jedoch weithin geächteten Gewalttätigkeiten reichen die Aggressionen und Aversionen gegenüber Investoren wie Red Bull tief in die beste deutsche Fußball-Gesellschaft hinein. Die Jenaer Hooligans dürften durch diese weitverbreitete Ablehnung auch so etwas wie eine Legitimation verspürt haben.

„Wollen wir wirklich auf einer Meisterfeier Red Bull Soundso feiern? Ich glaube nicht, dass der deutsche Fußball schon dermaßen amerikanisiert ist“, polterte zuletzt Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Man müsse aufpassen, dass der Liga nicht Entscheidendes verloren gehe. Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim seien Klubs, die kaum Zuschauer hätten, behauptete Watzke. „Wenn demnächst noch ein oder zwei Klubs dieser Machart hinzukommen, Leipzig lässt grüßen, ist der vielumjubelte Zuschauerboom in der Bundesliga vorbei.“ Auch im Dortmunder Stadion waren nun Transparente gegen Red Bull zu sehen – wie vor einem Jahr gegen Hopp.

Aktuell geht Gefahr für den Fußball weniger von Investoren aus als von populistischen Sprüchen, die Tradition für heilig erklären und missliebiges sportliches Unternehmertum dämonisieren. Der Fußball gehört nicht nur den Bewahrern und den selbsternannten „wahren Fans“, die oft selbst nur ihren Besitz schützen wollen. Bayer, VW, Hopp und auch Red Bull sind Teil des deutschen Fußballs. Es wird Zeit, das auch zu akzeptieren.

Aktuell geht Gefahr für den Fußball weniger von Investoren aus als von
populistischen Sprüchen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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