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Fußball-Kommentar Euro-Masse statt EM-Klasse

25.09.2008 ·  Die Uefa lädt künftig 24 Teams statt bisher 16 zu ihrer größten Party ein. Die Europameisterschaft läuft damit Gefahr, zur Massenveranstaltung zu verkommen. Schlimmer noch steht es um die Qualifikations-Spiele. Sie verlieren den Reiz des Scheiterns eines Großen.

Von Daniel Meuren
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Michel Platini hatte also Erfolg in seinem Kampf für die Interessen der kleinen Fußball-Nationen. Künftig darf zwar noch nicht jeder Hinz und Kunz des Fußballs im Uefa-Hoheitsgebiet von einer EM-Teilnahme träumen, aber immerhin dürfen einige Teams dank des barmherzigen Samariters im Uefa-Sitz zu Nyon auf eine Premieren-Teilnahme ab 2016 hoffen.

Was auf den ersten Blick wie eine soziale Tat des Uefa-Präsidenten im Dienste der schwächeren Nationen des Kontinents aussieht, ist in Wahrheit ein weiterer Schritt der Besitzstandssicherung der Großen. Künftig ist es nahezu ausgeschlossen, dass eine große Fußballnation - wie im Fall Englands erst in diesem Jahr geschehen - in der Qualifikation für die Meisterschaft scheitert.

Halb Europa gehört künftig zur Spitze

Fast die Hälfte der derzeit 53 Uefa-Mitgliedsländer werden künftig am Endturnier im Sommer teilnehmen. Zieht man einmal die rund 20 trotz aller Sprüche wie „Es gibt keine Kleinen mehr“ absolut chancenlosen Mannschaften von Aserbaidschan bis Liechtenstein ab, bleiben knapp mehr als 30 ernsthafte Bewerber um 24 Plätze im lukrativen Feld der vermeintlichen europäischen Elite.

Die EM läuft dadurch Gefahr, zu Beginn zu einer Massenveranstaltung zu verkommen, wo sie bislang noch ein Feld von Spitzenteams bot. Der lockere Aufgalopp kann dem künftig wohl auf vier Wochen ausgedehnten Turnier jedoch auch gut tun. Bei einer Weltmeisterschaft können sich die Favoriten in der Vorrunde meist gegen Außenseiter aus Asien einspielen, in Europa werden Israel oder Irland künftig diese Rolle übernehmen.

Qualifikationsspiele verlieren ihren Reiz

Schaden nehmen indes die Qualifikationsspiele. Sie verlieren ihren Reiz. Man wird sehen, ob der Zuschauer und die Fernsehsender daraus Konsequenzen ziehen und dem uninteressanten Treiben die kalte Schulter zeigen.

Dann könnte sich die wirtschaftliche Rechnung der großen Nationen mit der Millionen-Einnahme durch die nahezu garantierte Endrundenteilnahme als Milchmädchenrechnung erweisen. Die Fernsehsender wären jedenfalls recht dumm, sollten sie künftig für an sich wertlose Qualifikationsspiele genauso tief in die Tasche greifen wie bisher.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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