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Fußball-Kommentar Ein Foul macht Karriere

 ·  Paolo Guerrero muss acht Spiele pausieren. Die Strafe wirkt etwas überzogen. Die Ellbogentäter kommen weiter ungestraft davon.

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© dpa Dunkelrot: Mit Anlauf von hinten in die Beine

Paolo Guerrero macht es einem nicht leicht, ein gutes Wort für ihn einzulegen. Muss man auch nicht. Sein brutales Foul gegen den Stuttgarter Torwart Sven Ulreich erregte die Fans wie schon lange kein Tritt mehr, und es war jämmerlich, wie der Übeltäter des Wochenendes danach versuchte, sich zu rechtfertigen, statt um Entschuldigung zu bitten.

Die Vergangenheit des Hamburger Stürmers steht auch nicht unbedingt dafür, dass man es mit einem Profi aus der Fair-Play-Kampagne zu tun haben könnte. Vor zwei Jahren bewarf er einen Fan mit einer Flasche, dafür wurde er fünf Spiele gesperrt und musste eine Geldstrafe von 100.000 Euro zahlen.

Wegen Schiedsrichterbeleidigung in einem Länderspiel musste der Peruaner schon sechs Spiele absitzen. Nun hat ihn das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds für sieben Wochen gesperrt, was aber wegen einer englischen Woche einen Ausschluss bei acht Spielen nach sich zieht.

Es ist eine der härtesten Strafen, die der DFB in den vergangenen Jahren ausgesprochen hat, schärfer geht das Gericht meist nur nach verbalen oder körperlichen Attacken gegen Schiedsrichter vor. Guerreros Foul werteten die Richter nicht als Foul, sondern als Tätlichkeit. Und auch wenn nicht viel für den Sünder spricht, außer, dass er in der Bundesliga zuvor noch keine Rote Karte gesehen hat, wirkt das Urteil angesichts der jahrelangen Sportgerichtstendenz zu kürzeren Spielsperren doch etwas übertrieben.

Sechs Spiele hätten es getan

Sechs Spiele hätten es getan für ein Foul, das seit Tagen auf allen Kanälen Karriere machte - bis man es zum Amok-Foul des Amok-Treters gemacht hatte. Womöglich lassen sich auch Sportrichter, die zuletzt Dynamo Dresden in erster Instanz komplett aus dem DFB-Pokal verbannen wollten, von öffentlichen Empörungswellen erfassen.

Sven Ulreich konnte von Glück sprechen, dass ihn der Tritt mit gestrecktem Bein des hinterrücks angeflogenen Guerrero nicht verletzte. Das hätte viel schlimmer für den Stuttgarter ausgehen können. Auf das individuelle Strafmaß hat die Schwere der Verletzung offiziell aber keinen Einfluss, nur in der öffentlichen Bewertung. Umgekehrt ist es längst an der Zeit, dass eine bestimmte Art von Foul, eines das ein besonders hohes Verletzungsrisiko in sich birgt, grundsätzlich härter bestraft werden muss.

Die seit Jahren nicht zu stoppende Unsitte des Ellbogenchecks beim Kopfballduell, der von den Schiedsrichter oft kaum zu entdecken ist (ganz anders als die blindwütige Attacke Guerreros), hat mittlerweile so viele gebrochene Nasen und brummende Schädel hinterlassen, dass diese als sogenannte Zweikämpfe um den Ball getarnten Attacken endlich als das geahndet werden sollten, was sie sind und allzu oft auch nur sein wollen: Tätlichkeiten mit ganz schmerzhaften Folgen, die am nächsten Spieltag allerdings schon wieder vergessen sein sollen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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