Ertönt im Stadion der Ruf des „Schauspielers“, ist das gewöhnlich nicht als Verbeugung vor darstellerischen Glanzleistungen gemeint. „Schauspieler“ sind so verpönt wie verbreitet im Fußball. Allenthalben wird gefallen und geschrien und gejammert, dass sich die Balken biegen. Der Strafraum wird zur großen Bühne, und das alles zum Wohl der Mannschaft. Jeder schimpft darüber, und jeder hat sich daran gewöhnt.
Warum auch nicht? Fußball ist Geschäft, Fußball ist Unterhaltung. Und das ist noch längst nicht das Einzige, was er mit der Schauspielerei gemeinsam hat. Beide bringen sie überlebensgroße Stars und Idole hervor, deren Verehrung bisweilen bizarre Formen annimmt, beide haben sie das Potential, Parallelwelten zu schaffen, in denen Hardcore-Fans schon mal den Überblick übers eigene Leben verlieren können. Und mit beidem verdient man mehr Geld, als halbwegs nachvollziehbar ist.
So liegt es nahe, dass Fußballspieler immer wieder mal Ausflüge in die wahre, quasi offiziell legitimierte Schauspielerei unternehmen. Das kann so verschrobene Formen annehmen wie im Germano-Western „Potato Fritz“, in dem Paul Breitner an der Seite von Hardy Krüger auftrat. Alfredo Di Stéfano, Pelé, Bobby Moore, Osvaldo Ardiles, sie alle waren schon in Filmen zu sehen, wenngleich auch keiner so cool wie Breitner als Sergeant Stark.
Der sterbende Pate
In diese Reihe von Fußball-Legenden passt nahtlos Jens Lehmann, der jüngst im Südafrika-Drama „Themba“ einen Talentscout verkörperte. Unübertroffen freilich ist immer noch Éric Cantona als Éric Cantona, wie er in Ken Loachs Film „Looking for Eric“ das Leben eines Manchester-United-Fans in die Reihe bringt.
Nirgendwo aber ist die Verbindung zwischen Fußballspielerei und Schauspielerei so eng wie in Italien. Daher ist es nur konsequent, dass in Ken Loachs neuem Mafia-Film „Mein Freund“, dessen Dreharbeiten am kommenden Wochenende beginnen, Salvatore „Totò“ Schillaci, WM-Held 1990, vor die Kamera treten wird. Schillaci soll dabei einen sterbenden Paten mimen. Das kommt jener Traumrolle schon recht nahe, um die sich seit langem ein Landsmann Schillacis mit viel Konsequenz, Leidenschaft und Hingabe bewirbt: die des sterbenden Schwans. Gezeigt von Filippo Inzaghi. Hoffentlich demnächst in Ihrem Kino.