10.02.2012 · Wer eine Viertelmilliarde in sein Hobby steckt, will mehr als den besten Platz im Stadion. Doch Dietmar Hopp wird derzeit zum Problem für seinen Klub TSG Hoffenheim.
Von Michael HoreniIn Hoffenheim gehen die Uhren anders. Diese etwas aus der Zeit gefallene Redewendung darf man im Bundesliga-Dorf von Dietmar Hopp aber getrost wörtlich nehmen. In seiner erstklassigen Ausbildungsakademie kennt der Klub von der grünen Wiese überhaupt keine Eile. Die Entwicklung der Talente ist ein langfristiger und schwieriger Prozess, dessen Ertrag man erst in ein paar Jahren sehen wird.
Aber dann gibt es bei 1899 Hoffenheim eben auch ein Bundesliga-Team, und wenn es bei dem nicht so läuft, wie es sich Hopp vorstellt, ist es mit der Geduld des SAP- und Hoffenheim-Gründers mitunter rasend schnell vorbei. Am 30. Januar sagte der 71 Jahre alte Fußballfinanzier noch, er wünsche sich, dass der Trainer in seinem Klub auch in acht Jahren noch Stanislawski heiße. Dann demontierte er ihn. Es wurden elf Tage. Seit diesem Freitag ist nun Markus Babbel der neue Mann, der es Hopp recht machen soll, langfristig natürlich.
Es gibt derzeit wohl kaum einen ungemütlicheren Arbeitsplatz in der Bundesliga, wie der im nur landschaftlich idyllischen Kraichgau, wo Platz acht und das Viertelfinale im DFB-Pokal nach acht Monaten für einen neuen Trainer schon das Ende bedeuten, der in Hoffenheim nie heimisch wurde. In der Liga hat man mittlerweile stillschweigend akzeptiert, dass Hoffenheim so geleitet wird, wie es der Geist der 50+1-Regel eigentlich untersagt, nämlich wie ein eigentümergeführtes Unternehmen, bei dem der Wille des Chefs zur Tat wird.
Es ist verständlich, dass ein Finanzier, der eine Viertelmilliarde Euro in sein Hobby gesteckt hat, mehr als nur den besten Platz in seinem Stadion zugewiesen haben will. So wundert sich in Hoffenheim niemand, wenn es heißt, dass Hopp zuletzt zum Telefonhörer gegriffen haben soll, um mit VW-Chef Winterkorn über ein Ausleihgeschäft des Wolfsburgers Lakic zu plaudern.
Die Einflussnahme des Patrons aber wird dann zum Problem, wenn in einem Klub kompetente Kräfte kaum mehr erkennbar sind, oder nur so lange geduldet werden, bis sie eine andere Meinung vertreten. Die einst bei ihrem Aufstieg als innovative Bereicherung des Profifußballs wahrgenommenen Hoffenheimer tragen schwer an einem Imageproblem, das sich mit dem Abschied von Kumpeltyp Stanislawski noch weiter verfestigt hat.
Nun protestieren auch die eigenen Fans über die „Gutsherrenart“ des „Alleinherrschers“. „Ex und Hopp“ oder „1899 Hoppenheim“ sind in diesen Tagen die Chiffren für einen Klub, der noch in der vierten Bundesligasaison vergeblich auf Emanzipation wartet.
Pro 50 + 1
Wilfried Bindzus (wilfredo09)
- 12.02.2012, 00:33 Uhr
Wer zahlt befiehlt...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 11.02.2012, 13:20 Uhr
bald nur noch Ja-Sager?
Michael Messerer (KritischerWuerger)
- 11.02.2012, 12:33 Uhr
Ein Milliardar und sein Dickkopf formen ein traditionellen Gemeindeklub
zum grossen Retortenklub
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 11.02.2012, 12:29 Uhr