Home
http://www.faz.net/-gtl-pzy7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball in England Der beispiellose Absturz des Paul Gascoigne

Völlig abgemagert, gezeichnet von Depressionen und Drogeneskapaden ist Paul Gascoigne nur noch ein Schatten seiner selbst. „Ich sah nur zwei Möglichkeiten: Sofort zu sterben oder mich zu Tode trinken“, sagte „Gazza“.

© AP Vergrößern Die berühmten Tränen nach dem Ausscheiden im Halbfinale der Weltmeisterschaft 1990 gegen Deutschland

Vor wenigen Monaten erst wählten die Briten das Bild zum denkwürdigsten Moment ihrer Sportgeschichte: Paul Gascoignes Tränenausbruch im WM-Halbfinale 1990 gegen Deutschland. Der bullige Mittelfeldspieler war gerade verwarnt worden und wäre dadurch für das Finale gesperrt gewesen. Der „Mythos Gascoigne“ war geboren. Es folgte ein beispielloser Absturz, der nun, 15 Jahre später, seinen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hat.

Völlig abgemagert, gezeichnet von Depressionen, unzähligen Drogen- und Alkoholeskapaden ist „Gazza“ nur noch ein Schatten seiner selbst. Mit Bangen wartet er dieser Tage auf das Ergebnis eines HIV-Tests, der auf Anraten seiner Ärzte durchgeführt wurde. Nach Informationen des „Mirror“ sind die Mediziner mit ihrem Latein am Ende, finden keine Erklärung, warum der 37jährige so ausgemergelt durchs Leben schleicht. Über Weihnachten hatten sie ihm nach einer gefährlichen Lungenentzündung wieder einmal das Leben gerettet.

Mehr zum Thema

Entzug, Alkoholsucht, Depression

Nicht zum ersten Mal. Im vergangen Juli war er dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen, als er mit einem Magengeschwür in die Klinik eingeliefert wurde. Wenige Tage zuvor erst hatte er das Krankenhaus nach einer Lebensmittelvergiftung verlassen. Dokumentiert sind außerdem zwei Drogenentzugskuren (1998 und 2003), Behandlungen gegen Alkoholsucht (2001) und Depressionen (2003).

bfb gazza start © AP Vergrößern Paul Gascoigne 2004: „Ich wollte nicht mehr leben”

„Ich wollte nicht mehr leben. Ich sah nur noch zwei Möglichkeiten: Sofort zu sterben oder mich zu Tode trinken. Ich wollte mich selbst umbringen.“ Mit offenen Geständnissen wie diesem im vergangenen Jahr ließ „Gazza“ stets die ganze Nation teilhaben an seinem Niedergang. Die Engländer litten mit ihrem einstigen Idol, so wie sie ihm früher auf dem Fußballplatz bewundernd zugejubelt hatten.

„Heiße ab sofort nicht mehr Paul Gascoigne“

Gascoigne verpaßte einen würdigen Abgang als Sportler. Als ihn im englischen Profifußball kein Verein mehr wollte, brachte er sich sogar beim FC St. Pauli ins Gespräch und heuerte verzweifelt beim chinesischen Zweitligisten Gansu Tianma an. Bis vergangenen Oktober kickte der 57fache Nationalspieler noch als Spielertrainer beim Viertligaclub Boston United.

Als er danach offiziell seine Karriere für beendet erklärte, wollte er auch seine ruhmlose Vergangenheit abseits des Platzes ablegen: „Ich heiße ab sofort nicht mehr Paul Gascoigne, ich bin auch nicht mehr 'Gazza'“, verkündete er im Fernsehen. Ab sofort möge man ihn „G8“ rufen: „Das klingt irgendwie groß.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
TV-Kritik: Maischberger Die Talkshow als fromme Versammlung

Wenn Suchtkranke und Mediziner über Drogen sprechen, fällt schnell unter den Tisch, dass ein kleiner Rausch ja auch mal etwas Nettes sein kann. Bei Maischberger konnte selbst ein Drogen-Guru nicht dagegenhalten. Mehr Von Matthias Hannemann

19.11.2014, 07:40 Uhr | Feuilleton
Musiker Shantel Der Meister des Hexenkessels

Stefan Hantel alias Shantel ist der Großmeister des Balkan-Pop. Die Füße stillhalten kann bei der Dichte und Wucht seiner Klangmelange kaum einer. Doch das reicht ihm nicht. So wie die 200 Livekonzerte 2014. Er will mehr. Mehr Von Alex Westhoff, Frankfurt

17.11.2014, 11:06 Uhr | Rhein-Main
Berlin Kreuzberg Im Bann des Drogenhandels

Rauschgift im Görlitzer Park ist nichts Neues und wird bis zu einem gewissen Grad toleriert. Nun wurden jedoch zwei Dealer niedergestochen. Den Anwohnern geht es langsam zu weit. Mehr Von Alexander Haneke

21.11.2014, 11:35 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.01.2005, 15:51 Uhr

Hilfe oder Schminke?

Von Michael Reinsch

Chinas Staatssport demonstriert Entschlossenheit im Kampf gegen Doping. Die Wada bekommt nicht nur eine üppige Spende. Haben die Chinesen etwa einen Hintergedanken bei ihrem Engagement? Mehr 1

Umfrage

Wer ist Ihr Weltfußballer 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Ergebnisse, Tabellen und Statistik