http://www.faz.net/-gtl-pzy7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.01.2005, 15:51 Uhr

Fußball in England Der beispiellose Absturz des Paul Gascoigne

Völlig abgemagert, gezeichnet von Depressionen und Drogeneskapaden ist Paul Gascoigne nur noch ein Schatten seiner selbst. „Ich sah nur zwei Möglichkeiten: Sofort zu sterben oder mich zu Tode trinken“, sagte „Gazza“.

© AP Die berühmten Tränen nach dem Ausscheiden im Halbfinale der Weltmeisterschaft 1990 gegen Deutschland

Vor wenigen Monaten erst wählten die Briten das Bild zum denkwürdigsten Moment ihrer Sportgeschichte: Paul Gascoignes Tränenausbruch im WM-Halbfinale 1990 gegen Deutschland. Der bullige Mittelfeldspieler war gerade verwarnt worden und wäre dadurch für das Finale gesperrt gewesen. Der „Mythos Gascoigne“ war geboren. Es folgte ein beispielloser Absturz, der nun, 15 Jahre später, seinen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hat.

Völlig abgemagert, gezeichnet von Depressionen, unzähligen Drogen- und Alkoholeskapaden ist „Gazza“ nur noch ein Schatten seiner selbst. Mit Bangen wartet er dieser Tage auf das Ergebnis eines HIV-Tests, der auf Anraten seiner Ärzte durchgeführt wurde. Nach Informationen des „Mirror“ sind die Mediziner mit ihrem Latein am Ende, finden keine Erklärung, warum der 37jährige so ausgemergelt durchs Leben schleicht. Über Weihnachten hatten sie ihm nach einer gefährlichen Lungenentzündung wieder einmal das Leben gerettet.

Mehr zum Thema

Entzug, Alkoholsucht, Depression

Nicht zum ersten Mal. Im vergangen Juli war er dem Tod nur knapp von der Schippe gesprungen, als er mit einem Magengeschwür in die Klinik eingeliefert wurde. Wenige Tage zuvor erst hatte er das Krankenhaus nach einer Lebensmittelvergiftung verlassen. Dokumentiert sind außerdem zwei Drogenentzugskuren (1998 und 2003), Behandlungen gegen Alkoholsucht (2001) und Depressionen (2003).

bfb gazza start © AP Vergrößern Paul Gascoigne 2004: „Ich wollte nicht mehr leben”

„Ich wollte nicht mehr leben. Ich sah nur noch zwei Möglichkeiten: Sofort zu sterben oder mich zu Tode trinken. Ich wollte mich selbst umbringen.“ Mit offenen Geständnissen wie diesem im vergangenen Jahr ließ „Gazza“ stets die ganze Nation teilhaben an seinem Niedergang. Die Engländer litten mit ihrem einstigen Idol, so wie sie ihm früher auf dem Fußballplatz bewundernd zugejubelt hatten.

„Heiße ab sofort nicht mehr Paul Gascoigne“

Gascoigne verpaßte einen würdigen Abgang als Sportler. Als ihn im englischen Profifußball kein Verein mehr wollte, brachte er sich sogar beim FC St. Pauli ins Gespräch und heuerte verzweifelt beim chinesischen Zweitligisten Gansu Tianma an. Bis vergangenen Oktober kickte der 57fache Nationalspieler noch als Spielertrainer beim Viertligaclub Boston United.

Als er danach offiziell seine Karriere für beendet erklärte, wollte er auch seine ruhmlose Vergangenheit abseits des Platzes ablegen: „Ich heiße ab sofort nicht mehr Paul Gascoigne, ich bin auch nicht mehr 'Gazza'“, verkündete er im Fernsehen. Ab sofort möge man ihn „G8“ rufen: „Das klingt irgendwie groß.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach Hinweis eines Passanten Polizei stellt Waffen und Schwarzpulver sicher

Ein Passant sah, wie ein Mann auf seinem Balkon mit einer Waffe hantierte - und hat die Polizei informiert. Die geht der Sache auf den Grund und findet noch mehr beim Verdächtigen. Mehr

29.07.2016, 17:53 Uhr | Rhein-Main
#Nilsläuft Regeneration ohne Rausch

Nach dem Rennen trinken viele Sportler gerne alkoholfreies Bier. Doch welches schmeckt am besten? Eine Auswahl teste ich mit meinen sportlichen Kollegen. Mehr

28.07.2016, 11:49 Uhr | Sport
Frankfurter Anthologie Robert Frost: Innehaltend inmitten der Wälder an einem Schnee-Abend

Was tut ein Farmer, der heimkehrt und seine vier Kinder nicht ernähren kann? Er stoppt im Schnee und hält inne. Und weiß: Es geht weiter. Ein Gedicht, das dem Leser sagt, was dieser kennt, ohne die rechten Worte dafür zu haben. Mehr Von Michael Braun

29.07.2016, 17:00 Uhr | Feuilleton
Pokémon Go Hype um App treibt seltsame Blüten

Eier ausbrüten auf dem Handy? Mit Himmihbeeren werfen? Wem all das nichts sagt, der hat die neue Pokémon-Go-App von Nintendo noch nicht heruntergeladen. Um das Augmented-Reality-Spiel hat sich ein beispielloser Hype entwickelt, der die seltsamsten Blüten treibt. Mehr

29.07.2016, 15:08 Uhr | Wirtschaft
Schwimmerin Britta Steffen Einkaufen ist für mich nur Stress

Britta Steffen ist noch immer die schnellste Schwimmerin der Welt – in Freistil über 50 Meter. Im Stil-Fragebogen verrät die frühere Sportlerin, welche ihrer Talente das Schwimmen gefördert haben. Mehr Von Bernd Steinle

28.07.2016, 14:17 Uhr | Stil

Die Bundesliga wird sich selbst zu teuer

Von Michael Horeni

38 Millionen für Hummels, 55 für Hulk, 90 Millionen für Higuaín – wo führen solch astronomische Ablösesummen noch hin? Während große Vereine den Transfermarkt dominieren, haben kleine das Nachsehen. Mehr 14 4

Abonnieren Sie den Newsletter „Sport-Analysen“