05.08.2010 · Die Franzosen verzichten kommende Woche auf ihre WM-Versager. Richtig so! Aber nach dem Testspiel wird wieder alles beim Alten sein. Laurent Blancs Maßnahme ist nur eine Beruhigungspille fürs Volk.
Von Michael EderDas ist mal ein Wort. Wie angekündigt hat der neue französische Fußball-Nationaltrainer Laurent Blanc für das Länderspiel am Mittwoch in Norwegen auf sämtliche WM-Teilnehmer verzichtet. Die 23 bösen Buben, die Frankreich in Südafrika vor aller Welt blamierten (siehe auch: Adidas verärgert über Frankreichs Fußballer), müssen zu Hause bleiben und können sich den Abend anderweitig vertreiben, wozu Städte wie Paris ja vielerlei Möglichkeiten bieten, wie man weiß. Auch Franck Ribéry, der Münchner Superstar, ist nicht eingeladen, das ist so wie in der Grundschule; wenn die Jungs unartig waren, dürfen sie in der nächsten Pause nicht auf den Hof und nicht kicken. Ob das die Herren Ribéry oder Cissé, Gourcuff oder Gallas sehr schmerzt, darf allerdings bezweifelt werden.
Der Verzicht auf die Skandalkicker, die in Südafrika nicht nur das Spielen, sondern sogar das Trainieren verweigerten (siehe: Affäre Anelka: Sittenverfall in der Equipe Tricolore), ist rührend. Man wolle ein neues Kapitel beginnen, ließ der Verband verlauten. Doch das neue Kapitel, davon darf man ausgehen, wird sich auf die Partie in Norwegen beschränken. Danach werden alle gemeinsam zurückrudern, Spieler, Trainer und Verband, denn böse Buben hin, böse Buben her, nur mit lieben, jungen, unerfahrenen Spielern geht es auch nicht, zumindest nicht in Frankreich, wo der alte Glanz der Talentförderung längst verblasst ist und die großen Talente von einst entweder im Ruhestand sind oder die bösen Buben von heute. Aber keine Sorge, wie es weitergeht, lässt sich leicht erahnen.
Schauen wir einmal auf Fernand Duchausso. Er führt anstelle des zurückgetretenen Präsidenten Jean-Pierre Escalettes die Verbandsgeschäfte und hatte sich – wie Sportministerin Roselyn Bachelot – für einen vorläufigen Nationalelf-Ausschluss von Franck Ribéry und Karim Benzema ausgesprochen, weil gegen beide Anklagen wegen Sex mit einer minderjährigen Prostituierten eingeleitet worden sind.
Beruhigungspille für die Öffentlichkeit
Benzema allerdings, den Stürmerstar von Real Madrid, der in Südafrika nicht dabei war, hat Blanc für Mittwoch nominiert, was nicht nur eine gute Nachricht für Ribéry ist, sondern auch für alle anderen.
Dass Benzema dabei ist, lässt Blancs moralische Entrüstung über die Südafrika-Fahrer als das erscheinen, was sie vermutlich ist: eine Geste, eine Beruhigungspille für die Öffentlichkeit. Man darf gespannt sein, wie der Kader nach dem Norwegen-Spiel aussehen wird. Jede Wette: Ribéry und Benzema werden dabei sein, und auch viele andere der bösen Buben aus Südafrika, auf die Blanc nicht verzichten will, weil er auf sie nicht verzichten kann. Er wird es anders versuchen, er wird versuchen, ein besserer Trainer zu sein als sein Vorgänger Domenech. Ein Trainer, der seine Problemkicker unter Kontrolle hält.