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Fußball-Glosse : „Löw - zéro point“

Eigene Wahl: Löw und sein Weltfußballer Özil Bild: dpa

Joachim Löw findet Özil und Neuer gut. Daran ist nichts auszusetzen. Musste der Bundestrainer seinen beiden Spielern aber auch noch die Stimmen bei der Wahl zum Weltfußballspieler geben?

          Der Ballon d’Or ist nicht der Grand Prix Eurovision de la Chanson. Also darf man bei der Wahl zum Weltfußballspieler des Jahres für Landsleute stimmen. Der brasilianische Abstimmungsberechtigte Mano Menezes, bis vor kurzem Nationaltrainer Brasiliens, hat diese Möglichkeit bei der aktuellen Wahl aber auf ebenso weltoffene wie landesverräterische Art verstreichen lassen: Er gab nicht einmal Neymar einen Bonus. Seinen Job war Menezes kurz nach der Stimmabgabe im November freilich los. Ein Zusammenhang konnte bislang nicht sicher nachgewiesen werden.

          Der Patriot Joachim Löw mag sich hingegen wohl gedacht haben, dass er seine Punkte sicherheitshalber in landsmannschaftlicher Verbundenheit vergeben sollte. Nach dem selbstbezogenen Motto: „Allemagne: douze points“. Wo der Rest der Welt wie gewohnt Lionel Messi zum Besten kürte, setzte der Bundestrainer Mesut Özil auf Platz eins und Manuel Neuer auf Rang zwei. Erst auf dem dritten Platz landete mangels weiterer Deutscher auf der Kandidatenliste ein Ausländer: der Spanier Xavi. Ähnlich nationalbewusst haben nur noch die Trainer Argentiniens, Italiens und Spaniens abgestimmt. Vicente del Bosque verteilte gar alle drei Stimmen an seine iberischen Europameister Casillas, Iniesta und Xavi.

          Vermutlich wollte Löw nach einem Jahr der Aufs und Abs keine weiteren Angriffsflächen bieten durch vermeintliche Geringschätzung der eigenen Spieler. In den Vorjahren hatte er noch den objektiveren Blick über den deutschen Tellerrand hinaus gepflegt. Da setzte er sogar den in aller Welt außerhalb Badens hochgeschätzten Seriensieger Messi in seiner persönlichen Hitliste wenigstens auf Rang zwei. Aber wo, bitte schön, blieb bei aller Anerkennung für die eigenen Spieler der Respekt vor den einheimischen Berufskollegen? Drei Deutsche waren unter den zehn Kandidaten für die Wahl zum Welttrainer des Jahres. Löw fand aber weder Klopp noch Heynckes der Ehre wert, neben seinem Favoriten del Bosque eine Stimme abzubekommen. Immerhin zeigte der Bundestrainer die Fähigkeit zur Selbstkritik. Denn auch für ihn selbst urteilte er hart: „Joachim Löw: zéro point“.

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