Hans „Jean“ Löring, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Fußballszene, ist tot. Der frühere Präsident von Fortuna Köln erlag im Alter von 70 Jahren einem Krebsleiden, wie Familienangehörige am Sonntag mitteilten.
Der Unternehmer und Gastronom hatte 1966 die Geschicke des Kölner Stadtteil-Vereins übernommen. Dank erheblicher finanzieller Aufwendungen aus Lörings Privatkasse wurde der Verein so verstärkt, daß der Aufstieg in die zweite Bundesliga gelang. Dort behaupteten sich die Südstadt-Kicker 26 Jahre lang. In der Saison 1973/74 gab die Fortuna sogar ein kurzes Gastspiel in der ersten Bundesliga.
Entlassung in der Halbzeitpause
Ein kurioses Kapitel Fußballgeschichte schrieb „Schäng“, wie er in Köln genannt wurde, 1999. Damals feuerte er als erster Präsident überhaupt einen Trainer schon in der Halbzeitpause eines Zweitliga-Spiels. Betroffen war der frühere Nationalkeeper Toni Schumacher. Ihn hatte Löring genau wie die anderen früheren Nationalspieler Bernd Schuster und Hans Krankl auf die Trainerbank geholt. Vor fünf Jahren geriet Löring in das Visier der Finanzbehörden.
Nach unbestätigten Berichten hatte er über die Jahrzehnte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aus seiner Privatschatulle in den Verein gesteckt. Löring trat zurück, sein privater und geschäftlicher Besitz wurde zwangsversteigert. Zuletzt soll Jean Löring mittellos gewesen sein. Fortuna Köln ist heute sportlich bedeutungslos. Aus finanziellen Gründen wurde vor einigen Wochen die Mannschaft aus der Amateur-Oberliga zurückgezogen.