Home
http://www.faz.net/-gtl-2r95
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball Frühpensionär Bodo Illgner geht jetzt endgültig in Rente

 ·  Im Tor gestanden hat er schon lange nicht mehr bei Real Madrid - jetzt hat Ex-Weltmeister Bodo Illgner endgültig seinen Rücktritt erklärt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Bodo Illgner hat die Weltmeisterschaft und die Champions League gewonnen, aber Starkult und Show-Rummel blieben ihm immer fremd. Auch das Ende seiner Profi-Karriere wollte der Ex-Nationaltorwart nicht an die große Glocke hängen. „Ich ziehe mich aus dem Fußballgeschäft zurück“, sagte der 34-jährige Ex-Kölner dem Madrider Sender „Radio Marca“ lapidar. „Ich werde nicht mehr spielen.“

Der Weltmeister von 1990 hängt nach 16-jähriger Profi-Karriere die Torwarthandschuhe an den Nagel. Illgner gewann neben dem WM-Titel auch 1992 die Vizeeuropameisterschaft. Mit Real Madrid wurde er je zwei Mal Sieger der Champions League und spanischer Meister - allerdings stand er nur bei den jeweils ersten Triumphen im Tor.

Mit dem 1. FC Köln war er zuvor zwei Mal deutscher Vizemeister geworden. Insgesamt hütete er 54 Mal das Tor der Nationalelf, bestritt 326 Bundesligaspiele und 91 Partien in der spanischen Primera Division.

Abschied auf Raten von „Mr. Hundertprozent“

Sein Abtritt war ein Abschied auf Raten. Bereits im Juni löste er seinen Vertrag mit Real Madrid vorzeitig auf, nachdem er in der vorigen Saison nur noch ein Reservisten-Dasein gefristet hatte. Er wollte sich einen neuen Verein suchen, hat aber offenbar keinen gefunden.

Der ungemein trainingsfleißige Illgner war ein Perfektionist im Fußballtor. Sein Ehrgeiz und seine Leistungsbesessenheit brachten ihm den Beinamen „Mr. Hundertprozent“ ein. Schon als Jugendlicher war er ein erstklassiger Torwart und Stammkeeper in der U-16 und U-18-Auswahl.

Als 18-Jähriger erhielt Illgner seinen ersten Profi-Vertrag beim 1. FC Köln. Dort stand er zunächst im Schatten von Toni Schumacher. Als dieser 1987 wegen seines umstrittenen Buchs „Anpfiff“ entlassen wurde, erwies Illgner sich sogleich als würdiger Nachfolger.

Von Immels Rücktritt profitiert

Auch in der Nationalelf machte ihm quasi ein Konkurrent den Weg frei: Als Eike Immel 1988 überraschend seinen Rücktritt erklärte, wurde Illgner die Nummer eins. Bei der WM 1990 in Italien gewann er mit 23 Jahren als jüngster Torwart aller Zeiten den Titel. Danach verlor er seinen Stammplatz zeitweise an Andreas Köpke.

Bei der WM 1994 entschied sich Bundestrainer Berti Vogts erneut für Illgner, aber dieser konnte das Vertrauen nicht rechtfertigen. „Fast alles, was aufs Tor kam, war drin“, schrieb der „Kicker“ damals. Nach dem vorzeitigen WM-Aus im Viertelfinale erklärte Illgner seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Anfangserfolge bei Real Madrid

Als seine Karriere langsam auszuklingen schien, wechselte er 1996 plötzlich zu Real Madrid. Der Blitztransfer kam umso überraschender, als Illgner in den Augen der Kölner Fans schon fast so sehr zur Stadt gehört hatte wie der Dom. Reals damaliger Trainer Fabio Capello wollte unbedingt einen Torwart mit Gardemaß habe, und so wurde quasi über Nacht der 1,90 Meter große Illgner verpflichtet.

Bei Real erlebte der Keeper Licht und Schatten. Er schlug auf Anhieb ein, überzeugte durch seine Sicherheit und Sachlichkeit und gewann mit Real im ersten Jahr die spanische Meisterschaft. Im zweiten Jahr folgte unter Trainer Jupp Heynckes der Gewinn der Champions League.

Top-Profi oder nur „mysteriöser Deutscher“?

Von da an wurde es für Illgner bei Real schwerer. Der Torwart fiel wegen Verletzungen aus, verlor seinen Stammplatz und verbrachte immer mehr Spiele auf der Ersatzbank oder der Tribüne.

Real wollte den Deutschen schon vor einem Jahr abgeben. Dies scheiterte aber am hohen Gehalt, das Illgners Frau und Managerin Bianca ausgehandelt hatte und das auf über drei Millionen Mark netto im Jahr beziffert wurde. Die Zeitung „El Pais“ bezeichnete Illgner als den „teuersten Ersatztorwart der Welt“. Reals Trainer Vicente del Bosque und Manager Jorge Valdano lobten aber stets die „vorbildliche Profi-Einstellung“ des Ex-Kölners.

Das Sportblatt „Marca“ wunderte sich: „Es ist eine unglaubliche Geschichte. Illgner kassiert Millionen, spielt nicht, aber alle sprechen gut über ihn.“ Die spanische Presse war aus dem Keeper, der keine Interviews gab und Siegesfeiern mied, ohnehin nie so recht schlau geworden. Für die Spanier blieb Illgner „der mysteriöse Deutsche“.

Quelle: @cris, mit Material von dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Tiger im Fischglas

Von Wolfgang Scheffler

Lindsey Vonn bringt Tiger Woods kein Glück - zumindest nicht auf den Greens. Als Twitter-Begleiterin unterhält sie immerhin ihre Follower - und wundert sich über die eigenen Verfolger mit Kamera. Mehr 1

Umfrage

Wie halten Sie es mit dem Confed-Cup?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.