Viel Skepsis für Rummenigges Sonntags-Idee, klares Votum für Bundesliga-Fußball am Freitag: Die Vereine haben sich in der Diskussion um eine Spielplan-Reform mehrheitlich für die Rückkehr zum alten Modell ausgesprochen. Dagegen erntete die Anregung von Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, den Bundesliga-Ball parallel zu den Amateuren und Formel 1 am Sonntagmittag rollen zu lassen, wenig Zustimmung.
„Ich will nicht jeden Vorschlag kommentieren. Ich persönlich glaube aber, daß der Freitagabend ein guter Termin wäre“, fasste Borussia Dortmunds Präsident Gerd Niebaumdie vorherrschende Meinung unter den Proficlubs zusammen. Von einem „runden Tisch“ sind alle Beteiligten allerdings noch weit entfernt - und das, obwohl die Zeit angesichts des zum Saisonende auslaufenden Fernsehvertrages mit Infront allmählich drängt.
Niebaum: Großen Vereine wollen sich nicht abkoppeln
Stattdessen positionieren sich die Parteien in Kleingruppen und üben vor allem Druck auf die DFL-Führung mit ihrem Vorsitzenden Werner Hackmann aus. Niebaum bestätigte, daß Borussia Dortmund und der zweite Branchenführer FC Bayern ein gemeinsames Vorgehen abgestimmt hätten. „Wir tauschen uns aus, besprechen die Situation und fragen uns, was gerade die großen Vereine tun können, um der DFL zu helfen“, sagte Niebaum und betonte: „Wir wollen uns nicht von der DFL abkoppeln.“
Heftige Kritik an der DFL äußerte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß. Der Dachverband habe in der Vergangenheit „die Ware Bundesliga“ im Ausland nicht professionell vermarktet, bemängelte er in der Zeitung „Die Welt“. „In diesem Bereich ist in der Vergangenheit vor allem von den Agenturen, die die Bundesliga-Rechte besaßen, aber auch von der DFL praktisch nichts gemacht worden.“
„Dürfen die Amateurklassen nicht kannibalisieren“
Hackmann wehrt sich gegen diesen Angriff. „Die Kritik von Hoeneß geht ins Leere“, sagte der frühere Präsident des Hamburger SV. Auf Grund der vertraglichen Bindung mit Infront seien der DFL die Hände gebunden gewesen: „Jetzt sind wir frei, das in Angriff zu nehmen.“ Als derzeit wahrscheinlichste Variante zeichnet sich eine Dreiteilung des Spieltages ab, mit sieben Samstag-Begegnungen wie gehabt sowie jeweils einer Partie am Freitagabend und späten Sonntagnachmittag.
„Ich bin gegen Sonntagspiele. Es wäre nicht gut für unsere Amateure, die den Unterbau bilden. Der Freitag ist ein guter Termin“, bekräftigte Hamburgs Trainer Klaus Toppmöller. Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ergänzte: „Wir dürfen die Amateurklassen am Sonntag nicht kannibalisieren.“
„International weniger Akzeptanz“
Den Sonntag ganz zu Gunsten des Freitags zu opfern, ist aber allein schon wegen der Terminkollision mit der Europäischen Fußball- Union (UEFA) unmöglich. Die UEFA erklärte, daß in der kommenden Saison der UEFA-Cup wie bisher fast ausschließlich am Donnerstag ausgetragen wird. Rummenigges Ansicht, man könne sich mit einem Anpfiff am Sonntagmittag dem asiatischen Markt öffnen, stößt sogar im eigenen Verein auf Skepsis.
Nach Meinung von Hoeneß hat die Bundesliga in erster Linie ein Qualitätsproblem. „International gesehen sind wir den Engländern, aber auch den Spaniern und Italienern deutlich unterlegen. Denn wir haben auf den wichtigsten Märkten in Südostasien, Südamerika und Europa nicht diese Akzeptanz wie die Ligen der anderen drei Länder“, sagte er.
DFB verhandlungsbereit
In diesem Punkt sind sich Bayern-Manager und DFL-Chef ausnahmsweise einig. „Ich warne vor zu großen Erwartungen, denn die Bundesliga hat nicht so viele Stars“, so Hackmann. Auch rechtlich steht Rummenigges Sonntags-Vorstoß auf wackligen Füßen. Denn der zwischen DFL und DFB abgeschlossene Grundlagenvertrag, in dem unter anderem zum Schutz der Amateure Bundesliga-Sonntagspiele erst von 17.30 Uhr an vereinbart sind, hat noch bis zum 31. Dezember 2005 und damit zwei weitere Spielzeiten Gültigkeit.
Beim DFB ist man gegenüber Veränderungen aufgeschlossen, hält aber an den Prinzipien fest. „Wir sind grundsätzlich bereit, über Themen des Grundlagenvertrages zu sprechen“, sagte DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt: „An seinem Bestand aber kann nicht gerüttelt werden.“ Schmidt forderte die DFL auf, konkrete Anliegen auf den Tisch zu legen, „damit man überhaupt weiß, worüber man verhandeln soll“.