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FAZ.NET-Regelecke : Was passiert, wenn ein Team ausgeschlossen wird?

Gezeichnet von der EM: Fußball-Rowdy in Marseille. Bild: AP

Sollten Russen und Engländer sich weiter prügeln, könnte der EM-Modus gehörig durcheinander geraten. Nur: Wie genau, weiß bislang nicht einmal die Uefa.

          Die Ausschreitungen englischer und russischer Fans am Wochenende in Marseille haben nicht nur den Traum von der friedlichen Fußball-Meisterschaft platzen lassen, sondern könnten in letzter Konsequenz auch den EM-Modus durcheinander bringen. Für den Fall, dass sich vergleichbare Vorfälle wiederholen, hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) nämlich weitere Sanktionen angekündigt – „inklusive der möglichen Disqualifikation der betreffenden Teams vom Turnier.“

          Was passiert mit den angesetzten Spielen, wenn eine Mannschaft ausgeschlossen wird? Artikel 27.03 des Regelheftes der Uefa zur Europameisterschaft 2016 sieht Folgendes vor: „Wird ein Verband aus dem laufenden Wettbewerb ausgeschlossen, werden die Resultate und Punkte aus allen Spielen der betreffenden Mannschaft annulliert.“

          Einmal gab es schon „krumme“ Gruppen

          Klare Aussage – doch damit sind die weiterführenden Probleme nicht gelöst. Durch den fragwürdigen Modus mit 24 Mannschaften ist ein Quervergleich der Gruppendritten nötig, um nach der Vorrunde eine für K.o.-Runden geeignete Zahl zu ermitteln, nämlich 16. Fragt sich, wie die Resultate der Teams aus verschiedenen Gruppen verglichen werden sollen, wenn sie nicht mal die gleiche Anzahl Spiele in die Wertung einbringen?

          Das bislang letzte Mal, das bei einer großen Fußball-Meisterschaft die Vorrunde mit unterschiedlich großen Pools ausgetragen wurden, war bei der WM 1950 in Brasilien: die Teams aus Indien, Schottland und der Türkei verzichteten damals kurzfristig auf ihre Teilnahme, die Ersatzkandidaten Frankreich und Portugal wollten die strapaziöse Seereise aber ebenfalls nicht auf sich nehmen.

          So kam es zu der kuriosen Situation, dass neben zwei vorgesehenen Vierergruppen auch eine Dreier- und sogar eine Zweiergruppe ausgespielt werden musste. Quervergleiche waren allerdings nicht nötig, da nur die Gruppensieger in die Finalrunde einzogen.

          Das Regelheft zur EM 2016 gibt keine Antwort

          Eine Reaktion zu den drohenden Modus-Komplikationen bei der aktuellen EM 2016 in Frankreich gab es von der Europäischen Fußball-Union vorerst nicht. Auch im 66 Seiten starken Regelheft ist kein Hinweis zu finden, wie im schlimmsten Fall eines Team-Auschlusses weiter gerechnet wird, wie die Uefa bestätigt. „Dieser Fall ist nicht vorgesehen in den Regularien. Dann würde Artikel 65 (Unvorhergesehene Umstände) greifen.“ Das sogenannte Emergency Panel der Uefa würde dann in einer Ad-hoc-Entscheidung klären, wie es weitergeht.



          Streichergebnisse als Lösung?

          Als Hinweis auf das Vorgehen vor der Finalrunde könnte Artikel 14.02 dienen. Er beschäftigt sich mit der Qualifikationsphase, in der in Gruppen mit fünf oder sechs Teams gespielt wurde. Aus ihnen setzte sich neben den Gruppensiegern und -zweiten auch der „beste Dritte“ für die Endrunde durch.

          Artikel 14.02: „Bei der Ermittlung des besten Drittplatzierten werden die Ergebnisse gegen die Sechstplatzierten zwecks Vergleichbarkeit der Qualifikationsgruppen untereinander nicht berücksichtigt.“

          Analog dazu könnte es bei der EM-Endrunde eine Lösung geben, bei der nur die Spiele unter den drei Erstplatzierten jeder Gruppe für die Bewertung herangezogen werden – und die Ergebnisse gegen die jeweiligen Tabellen-Vierten gestrichen würden.

          Bei der WM 1950 gab es übrigens einen eindeutigen Nutznießer der ungleichen Tabellen-Konstellation, und das war ausgerechnet Brasiliens Erzrivale. Uruguay zog nach einer einzigen Partie (8:0 gegen Bolivien) in die Endrunde ein. Brasilien dagegen musste drei schwere Vorrundenspiele binnen acht Tagen bestreiten, ehe drei weitere Spiele in der Finalrunde folgten. Möglicherweise war das der ausschlaggebende Grund für die müde Darbietung in der entscheidenden Partie gegen Uruguay (1:2), die später als demütigendes „Maracanaço“ in die brasilianische Geschichte einging?

          In der aktuellen Geschichte wird bis Dienstag das Urteil der Disziplinarkommission der Uefa gegen Russen und Engländer erwartet – und somit rechtzeitig vor den jeweils zweiten Spielen der verwarnten Teams gegen die Slowakei und Wales. Sollten wider Erwarten beide Teams suspendiert werden, hätte sich das Problem mit dem Gruppendritten auch erledigt.


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