http://www.faz.net/-gtl-8ihoj

Vorrunden-Aus bei der EM : Russland schämt sich für das eigene Nationalteam

  • Aktualisiert am

Peinlich: Russlands Glushakow verlässt nach dem 0:3 gegen Wales das Spielfeld Bild: AP

Die russische Presse fällt nach dem 0:3 gegen Wales und dem EM-Aus Russlands in der Vorrunde ein vernichtendes Urteil. Nationaltrainer Sluzki bleibt nur der Rücktritt und Sportminister Mutko stellt die Arbeit des ganzen Verbandes in Frage.

          Nach dem peinlichen Vorrunden-Aus von Russlands Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 hat Russlands Sportminister Witali Mutko das Niveau des eigenen Teams scharf kritisiert. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir derzeit keine Top-Spieler haben“, sagte Mutko in der Nacht zum Dienstag der Agentur Tass. „Das Spiel der Mannschaft zeigt das echte Niveau unseres Fußballs.“ Russland müsse nun den Liga-Betrieb und neue Spieler fördern, betonte der Sportfunktionär in Moskau im Hinblick auf die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2018 im eigenen Land. Wales hatte die Russen am Montag in Toulouse komplett demontiert und mit 0:3 nach Hause geschickt.

          Zudem hatte Nationaltrainer Leonid Sluzki direkt nach dem Spiel seinen Rücktritt angekündigt. „Ich möchte mich bei den Fans entschuldigen“, sagte er nach der Niederlage. „Wenn wir es nicht geschafft haben, dann heißt das, dass der Trainer seine Aufgaben nicht erfüllt hat.“ Als Chef des russischen Fußballverbandes RFS stärkte Mutko Sluzki zunächst den Rücken: „Seine Reaktion ist verständlich. Er will, dass sich die Jungs nicht zu sehr selbst kritisieren.“

          Sehr unzufrieden: Russlands Sportminister Mutko Bilderstrecke

          Doch die Entscheidung des 45 Jahre alten Trainers stand da bereits fest: „Ich denke, nach so einem Turnier brauchst du einen Anderen, der es macht.“ Sluzki sprach seinem eigenen Team zwei Jahre vor der Heim-WM die Turniertauglichkeit ab. „Es ist hart, darüber zu sprechen, aber wir waren schlecht in jedem Bereich. Ich übernehme die volle Verantwortung“, sagte er. Russland schied mit nur einem Punkt als Tabellenletzter der Gruppe B aus.

          Sluzki hatte den Job als Nationalcoach erst Mitte 2015 von dem entlassenen Fabio Capello übernommen und Russland im Schlussspurt der Qualifikation noch zur EM geführt. Sein Vertrag endet nach dem Turnier ohnehin. Die russischen Spieler hingegen wirkten deprimiert. Sie benötigen nun schnell einen Nachfolger, der den dringend benötigten Neuaufbau für die Heim-WM 2018 bewerkstelligen kann. In Frankreich erwies sich das Team als nicht konkurrenzfähig.

          Öffnen

          Schon in der zweiten Halbzeit des Spiels gegen Wales sagte der Kommentator im russischen Staatsfernsehen resigniert: „Noch gut 35 Minuten bis zu unserem Heimflug nach Moskau.“ Darüber hinaus fällte die Moskauer Presse am Dienstag ein vernichtendes Urteil: Die Moskauer Zeitung „Sport-Express“ titelt „Tu-Loser“, ein hämisches Wortspiel mit Blick auf den Austragungsort des letzten Gruppenspiels der Russen in Toulouse: „Die russische Nationalmannschaft hat nach der Niederlage gegen Wales mit Schimpf und Schande die Europameisterschaft verlassen. Im entscheidenden Spiel hat unsere Mannschaft weder Willen noch Kampf gezeigt und konnte sich nicht einmal entscheiden, wer nach der Auswechselung von Roman Schirokow ihr Kapitän sein sollte. Wir stehen erneut am Rand, wie damals in Polen 2012 und in Brasilien 2014. Wunder gibt es nicht: Unser Fußball ist nicht bereit zu großen Siegen. Und bis zur Weltmeisterschaft daheim bleiben nur zwei Jahre.“

          Auch der „Kommersant“ sprach von einer „Schande“ und die Zeitung „Iswestija“ erklärte: „Die Mannschaft von Sluzki hat eine Parodie auf den Fußball zum Besten gegeben. Unsere Millionäre haben sich nicht ein Zehntel ihrer Verträge erarbeitet.“

          Weitere Themen

          Urteil nach einem Tag Video-Seite öffnen

          WM-Flitzerin : Urteil nach einem Tag

          Schon einen Tag nach dem WM-Finale fällte ein Moskauer Gericht das erste Urteil gegen eine der Frauen, die am Sonntag in Polizeiuniform über das Spielfeld geflitzt war.

          Trump will Gegenteil gemeint haben

          Russische Einmischung : Trump will Gegenteil gemeint haben

          Die Kritik war laut – und sie kam nicht nur von der Opposition. Nachdem Donald Trump beim Gipfel mit Wladimir Putin eine Einmischung Russlands bei den Präsidentschaftswahlen noch ausgeschlossen hatte, will er sich nun einfach nur versprochen haben.

          Jetzt bloß nicht die Stimmung verderben

          Helsinki-Gipfel : Jetzt bloß nicht die Stimmung verderben

          Während in Amerika eine kleine Bombe geplatzt ist und unter westlichen Verbündeten Nervosität herrscht, trifft sich Donald Trump mit Wladimir Putin. Ob beide wieder warme Worte füreinander finden?

          Topmeldungen

          TV-Kritik „Dunja Hayali“ : Vor Ort ist nirgends

          Dunja Hayali hat jetzt eine monatliche eigene Sendung, in der sie aktuellen Nachrichten nachgeht, um aus einer Beobachterin zu einer Betroffenen zu werden. Nur bleibt unklar, was einen Menschen zum Betroffenen macht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.