http://www.faz.net/-gtl-8i2yj

Powersätze für Ahnungslose : So bluffen Sie sich durch die EM

Immer wissend schauen. Und dann sagen: „Ein sehr unangenehmer Gegner“ – so geht Expertentum. Bild: dpa

Achtzig Millionen Fußballexperten und nur Sie haben wieder keine Ahnung? Wir helfen Ihnen! Mit diesen Einwürfen machen Sie bei jedem EM-Spiel eine gute Figur.

          Natürlich könnte man auch einfach die Klappe halten und weggehen. Aber falls Sie doch einmal in die Verlegenheit kommen, in einer sozialen Notlage eingeklemmt Ihr nichtvorhandenes Fußballwissen unter Beweis stellen zu müssen: Mit diesen Sätzen stehen Sie während der EM gar nicht so schlecht da.

          Andrea Diener
          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          „Einen EM-Titel zu holen ist ja schwerer als einen WM-Titel.“

          Einsatz: Immer, besonders aber, wenn Deutschland schwächelt – dann mit tröstendem Unterton.

          Erklärung: Tatsächlich drängeln sich in Europa besonders viele gute Mannschaften auf einem Haufen. Dieser kleine Kontinent bringt derzeit „etwa zehn“ gute Teams hervor, Südamerika immerhin zwei, der Rest der Welt läuft eher unter ferner liefen. Insofern kämpft man bei einer EM mit besonders hartnäckiger Konkurrenz. Früher war aber alles schlimmer: Aus 16 Mannschaften wurden durch den Zerfall vieler osteuropäischer Länder 24, und den Kleinen tat die Diversifizierung fußballerisch eher nicht so gut.

          „Pfff, die Vorrunde ist ja diesmal völlig verwässert.“

          Einsatz: Bei sämtlichen Vorrundenspielen (das sind alle bis zum 22. Juni), um übermäßigen Enthusiasmus zu dämpfen

          Erklärung: Durch ein neues Gruppensystem müssen sich die Mannschaften schon sehr viel Mühe geben, um nicht weiterzukommen. Kurz zum Hintergrund: Bisher bestand die Vorrunde aus Vierergruppen, in denen zwei Mannschaften weiterkamen. Nun kommen insgesamt 16 Mannschaften weiter, also auch die vier besten Gruppendritten. Das kann man auch mit einem Sieg und zwei Niederlagen noch schaffen. Man muss sich also schon sehr blöd anstellen, um in der Vorrunde auf der Strecke zu bleiben.

          „Was machen eigentlich die Holländer?“

          Einsatz: Ein Allrounder, aber nur effektvoll, wenn Sie ihn mit etwas hämischer Freude in der Stimme anbringen.

          Erklärung: Mit mühsam zusammengekratztem Unvermögen hat Holland es irgendwie geschafft, schlechter als Tschechien, Island und die Türkei abzuschneiden. So schied man aus der sogenannten Island-Gruppe aus und bleibt nun daheim. Dabei ist Holland eigentlich einer der Lieblingsgegner der Deutschen! Die Rivalität hat Tradition: Vierzig Mal sind die deutsche und die niederländische Nationalmannschaft bereits gegeneinander angetreten. Das macht die Holländer zum  zweithäufigsten Gegner der Deutschen. Und sie waren immer ein starkes Team, das man fürchten musste. Nur diesmal eben nicht.

          „Die Franzosen holen nur in ihrem eigenen Land Titel.“

          Einsatz: Bei Frankreich-Spielen

          Erklärung: Die EM 1984 in Frankreich gewann Frankreich. Die WM 1998 in Frankreich gewann Frankreich. Zweimal ist schon fast Gesetz, und Fußballer lieben vermeintliche Naturgesetze dieser Art. Dementsprechend muss Frankreich auch diesmal den Titel holen, soviel ist klar.

          „Wenigstens können sie gut singen.“

          Einsatz: Bei Irland-Spielen – Nord oder Republik ist egal – wenn es unrund läuft

          Erklärung: Die deutschen Fans bringen höchstens stumpfe Dreizeiler zustande, die Spielernamen oder das Wort „Olé“ enthalten.  Im Gegensatz zum Schlachtrufgegröle der Restnationen haben die Iren eine äußerst ausgereifte akustische Unterstützungskultur. Das sollte man, unabhängig vom Gekicke, auch anerkennen.



          „Ohne Lewandowski wären die Polen auch nix.“

          Einsatz: Wenn Polen auf dem Platz ist – zum Beispiel am 16. Juni gegen Deutschland (21 Uhr / Live im ZDF und im EM-Ticker auf FAZ.NET)

          Erklärung: Schauen Sie sich die polnische Mannschaft an, der Spieler mit der 9 auf dem Leibchen ist Robert Lewandowski. Das ist der einzige Spieler, den Sie hier kennen müssen. Die Namen der anderen polnischen Nationalspieler kennen nämlich nicht mal ihre fußball-fanatischsten Freunde auswendig. Der polnische Mittelstürmer und Kapitän spielt jedenfalls bei Bayern München und ist mit 30 Treffern aktueller Torschützenkönig der Bundesliga. Und von den 33 Toren, die Polen in den Qualifikationsspielen machte, schoss Lewandowski allein 13. So einen Mann findet man nicht oft!

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CSU im freien Fall? Ministerpräsident Markus Söder (links) und Partei-Chef Horst Seehofer (rechts)

          FAZ Plus Artikel: Partei im Umfragetief : Das Elend der CSU

          Markus Söder und Horst Seehofer strotzen vor Selbstbewusstsein. Doch die bayerische Staatspartei scheint weit entfernt von der absoluten Mehrheit. Wie konnte es so weit kommen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.