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Mario Gomez : „Wenn ich Groll hatte – dann auf mich“

Trotzdem: Im Moment werden die Rufe mal wieder lauter - auch nach Ihnen.

In Deutschland wurde die Diskussion doch schon geführt, als Miro Klose noch da war. Da dachte man eine ganze Weile, wir brauchen eigentlich gar keinen Stürmer. Dann, als er weg war, hat man aber gemerkt, dass es schon ein bisschen blöd ist. Weil es eben sein kann, dass man doch mal einen braucht. Für mich war das immer eine etwas stumpfe Diskussion. Es wird sicherlich Mannschaften geben, auch in Zukunft, die keinen Stürmer brauchen - aber doch nicht allgemein. Wie viele Mannschaften können es sich leisten, zu spielen wie Bayern oder Barcelona? Die spielen im Übrigen gerade auch wieder mit Mittelstürmern.

Und die Nationalmannschaft?

Beides. Die Nationalmannschaft funktioniert wirklich wunderbar mit der falschen Neun. Es gab ganz viele Spiele in den letzten Jahren, bei denen ich vor dem Fernseher saß und gedacht habe: Wie genial hat sich Deutschland entwickelt. Wenn Mario Götze da vorne drin spielt und die Innenverteidiger verrückt werden, weil sie keinen Stürmer haben, den sie treten können, dann freue ich mich als Fan. Deutschland wird auch in Zukunft ganz viele Spiele ohne einen Stürmer gewinnen. Aber es ist gut, einen zu haben, wenn man einen braucht, gerade bei einem Turnier. Man braucht immer einen Plan B oder C. Oder, je nach Spiel, noch mehr. Wenn ich mich mit den Spielern von Bayern unterhalte, erzählen die mir, wie wichtig es für Pep Guardiola ist, auch vier oder fünf Mal im Spiel den Plan wechseln zu können. Das ist die Zukunft des Fußballs, und dafür braucht man Spezialisten.

Gegen Frankreich waren Sie zum ersten Mal seit September 2014 wieder dabei. Kam von Joachim Löw das Signal, dass er wirklich mehr in Richtung Variabilität und auch Effizienz gehen will, oder war es eher eine Art Routine-Inspektion?

Überhaupt nicht. Er hat mich angerufen und mir gesagt, dass ich es verdient habe. Nicht nur wegen meiner Tore, sondern weil er sieht, wie ich spiele: die ganze Körpersprache, der Biss, der Wille, das Tor zu machen - das alles sieht er wieder bedingungslos. Ich hatte ja auch nie Streit mit ihm, er war immer offen und ehrlich. Natürlich war es hart, die WM zu verpassen. Aber wenn ich einen Groll hatte, dann auf mich, auf meinen eigenen Körper, weil er mich zwei Jahre im Stich gelassen hat. So sehe ich es auch für die Zukunft. Wenn der Körper so bleibt, wie er jetzt ist, dann habe ich eine sehr gute Chance, dabei zu sein.

Und das alte Mario-Gomez-Paradox? Wenn Sie nicht da sind, will man einen wie Sie haben, wenn Sie da sind, ist es vielen dann aber auch wieder nicht recht...

Als junger Spieler wollte ich diese Leute immer überzeugen. Mittlerweile will ich nur noch Spaß haben und mich nicht beeinflussen lassen. Miro Klose ist doch das beste Beispiel dafür, wie schnell es gehen kann. Er war vor der WM 2010 für viele das rote Tuch schlechthin, als er dann vier Jahre später als Weltmeister abgetreten ist, war er wieder Everybody’s Darling. Auch Mesut Özil wurde schon öfters ausgepfiffen, und das ist wahrscheinlich der genialste Fußballer, den wir haben oder je hatten. Das Polarisierende ist vielleicht Teil meiner Karriere, das wird immer so sein. Ich finde es inzwischen sogar ganz gut - besser jedenfalls, als langweilig zu sein.

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