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EM-Regelecke : Profitiert Russland von der Fairplay-Wertung?

Faires Team: Das war bislang die einzige Gelbe Karte für die russische Mannschaft im Turnier. Bild: AFP

In der Gruppe B ist ein außergewöhnliches Szenario denkbar: Zwischen Russland und England ist Punkt- und Torgleichheit möglich. Dann würde die Zahl der Gelben Karten oder gar ein Uefa-Koeffizient entscheiden.

          Das waren noch Zeiten, als bei der WM 1990 die Teams aus Irland und den Niederlanden nach jeweils drei Unentschieden in der Vorrunde und einem 1:1 im direkten Duell zum Abschluss der Gruppe F mit jeweils 3:3 Punkten und 2:2 Toren exakt gleichauf lagen. Damals wurden noch Minuspunkte in der Tabelle aufgelistet - und nach dem Gleichstand wurde kurzerhand in Palermo gelost, wer welche Platzierung einnehmen sollte. Irland hatte Glück, gewann und kam als Zweiter weiter. Die Niederlande hatte kein Glück, zog zwar als einer der vier besten Dritten auch ins Achtelfinale ein - begegnete dort aber ausgerechnet Deutschland (und schied aus).

          An diesem Montag ist in Frankreich wieder einmal eine Punkt- und Torgleichheit möglich: wenn zum Abschluss der Parallelspiele EM-Vorrundengruppe B (21 Uhr / Liveticker bei FAZ.NET) England gegen die Slowakei verlieren und Russland mit dem genau umgekehrten Ergebnis gegen Wales gewinnen sollte. Derzeit liegt England mit vier Punkten und 3:2 Toren auf Rang eins der Gruppe B, Russland mit einem Punkt und 2:3 Toren auf Rang vier.

          Aber auch erst ein Engländer hat bislang gelb gesehen: Gary Cahill.
          Aber auch erst ein Engländer hat bislang gelb gesehen: Gary Cahill. : Bild: Reuters

          Bei umgekehrten gleichen Ergebnissen mit einem Tor Differenz (egal ob 1:2/2:1 oder 4:5/5:4) würde es zwischen den beiden Teams wieder um Rang zwei gehen – aber keine Münze würde geworfen, kein Los gezogen. Im Jahr 2016 werden andere Kriterien herangezogen, wie Artikel 18.01 des Reglements der EM für den Fall von „Punktgleichheit und Qualifizierung für die K.o.Spiele“ vorschreibt. Darin wird beschrieben, was passiert, wenn „zwei oder mehr Mannschaften einer Gruppe nach Abschluss der Gruppenspiele die gleiche Anzahl Punkte aufweisen“ - und weder der direkte Vergleich, noch die Tordifferenz oder die Anzahl der Tore einen Unterschied ausmachen.

          Letzte Instanzen sind die Kriterien g) und h):

          g. Fairplay-Verhalten der Mannschaften in der Endrunde gemäß Anhang C.5.1;

          h. Plazierung in der Uefa-Koeffizientenrangliste für Nationalmannschaften.

          Ausgerechnet Russen und Engländer spielen fair

          Zunächst – und das wäre die Ironie der Geschichte dieser zumindest zu Beginn von russischer Gewalt und englischen Prügelszene geprägten Meisterschaft – würde also die Fairplay-Wertung zählen. Dort liegen England und Russland derzeit gemeinsam mit Wales und Spanien mit jeweils nur einer Gelben Karte gleichauf.

          Andere Kriterien wie Zuschauerverhalten oder Auftreten der Teams, die in den Klubwettbewerben mitzählen, werden nicht einbezogen. Im Zweifelsfall ist in der Schlussphase das Verhindern einer Gelben Karte also genauso bedeutsam wie das Verhindern eines Gegentreffers.



          Sollten England und Russland auch nach den Spielen gleich gering mit Karten belastet sein, würde England wegen des besseren Uefa-Koeffizienten für Nationalteams die russische Mannschaft auf Rang drei verweisen. Der würde bei vier Punkten zwar vermutlich auch für die Achtelfinal-Qualifikation reichen - doch als Dritter der Gruppe B könnte er auch auf den Sieger der Gruppe C treffen - und das wäre möglicherweise Deutschland.

          In der deutschen Gruppe ist übrigens eine ähnlich Konstellation möglich: Deutschland liegt vor den abschließenden Gruppenspielen am Dienstag bei vier Punkten mit 2:0 Toren denkbar knapp vor Polen mit vier Punkten und 1:0 Toren. Sollten beide Teams ihre Partien gewinnen, Polen gegen die Ukraine aber genau ein Tor mehr schießen als die Deutschen gegen Nordirland (2:0 und 1:0 oder 5:2 und 4:2), wären beide Teams genau gleich - und dann müsste wieder in die Fairplayliste geschaut werden (siehe oben).

          Dort ist Deutschland derzeit mit nur drei gegenüber fünf Gelben Karten besser gelistet als Polen. Und auch der Uefa-Koeffizient würde für Deutschland sprechen.

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