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Was fehlt (1) : Ist Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer?

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Bringt Bundestrainer Joachim Löw die Fähigkeit für den ganz großen Triumph mit? Bild: REUTERS

          Ja, aber die Niederlage gegen Italien ist ein Rückschlag mit Langzeitwirkung. Die große Erzählung der Nationalmannschaft seit der WM 2006 ist in Warschau sechs Jahre später vorerst zu ihrem Ende gekommen. Und damit der Entwicklungsprozess des neuen Fußball-Deutschlands, der wie zwangsläufig zu immer besserem Fußball und besseren Ergebnissen führt - und dessen Weg nur mit Joachim Löw zu erreichen ist.

          Dieser Glaube ist erschüttert. Es verlor gegen Italien die jüngste Mannschaft des Turniers, die natürlich weiter eine gute Zukunft vor sich hat. Die Rede von Erfolgen in der Zukunft, die schon noch folgen werden, ist aber kein Versprechen mehr, sondern wirkt nur noch wie ein billiger Trost in dem Moment, als die Chance auf den Finaleinzug und den Titel tatsächlich schon vorhanden war.

          Die Qual der Wahl wurde zum Verhängnis

          Die irritierende Mannschaftsumstellung, die der Bundestrainer gegen Italien wählte, hat auch Löw einen Teil seines Zaubers gekostet, der ihm ganz besonders während der EM zufiel, als er mit einer umfassenden Rotation im Viertelfinale sein Team gegen Griechenland belebte. Die Umstellungen, die gegen Griechenland verfingen und sich im Zweifelsfall gegen einen Konkurrenten mittlerer Güte hätten korrigieren lassen, gingen gegen ein erstklassiges Italien gründlich und unkorrigierbar daneben.

          Die Qual der Wahl, die der deutsche Luxuskader für seinen Trainer bereithielt, wurde so zu einem unerwarteten Verhängnis. Mit seiner Aufstellung hatte Löw Furcht vor den Italienern und Übermut in Bezug auf die eigenen taktischen Fähigkeiten zugleich signalisiert, das wird auch in der Mannschaft nicht so schnell vergessen. „Die EM ist eine ernste Sache, da spielt man nicht mit dem Feuer“, sagte der italienische Torwart Buffon über die verschluderten Chancen seiner Stürmer nach dem 2:0 - er hätte es auch dem Bundestrainer zurufen können.

          Alternativen zu Löw drängen sich nicht auf

          Die Aufbauleistung der vergangenen Jahre hat Löw jedoch ein enormes Kapital eingetragen, ebenso sein Führungsstil. Das Fragezeichen jedoch, ob er auch die Fähigkeit für den ganz großen Triumph mitbringt, ist nach drei Turnieren mit Halbfinal- und Finalniederlagen größer geworden. Aber auch Löw kann noch hinzulernen.

          Alternativen drängen sich ohnehin nicht auf, da Jürgen Klopp erst mal an Dortmund gebunden ist und der schon wieder öffentlich lancierte Matthias Sammer mehr Ehrgeiz als Qualitätsbelege vorweisen kann. Das Lehrstück von Warschau hat unbeabsichtigt gezeigt, dass sich diese hochqualifizierte deutsche Auswahl von ihrem Bundestrainer unabhängiger gemacht hat - mit so viel Qualität können auch andere Trainer gut und gerne etwas anfangen.

          Was fehlt (1): Ist Joachim Löw noch der richtige Bundestrainer?

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          Was fehlt (3): Warum verliert Deutschland immer die entscheidenden Spiele?

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