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Boateng und der Rassismus : „Meine Kinder sollen nicht angreifbar sein“

Als Kapitän führte Jerome Boateng gegen die Slowakei zeitweise die deutschen Nationalmanschaft an. Bild: dpa

Jerome Boateng und der #Nachbar: Das ganze Land scheint nun hinter dem Fußballstar zu stehen. Doch so einfach ist die Sache mit dem Rassismus nicht. Der Nationalspieler kennt das nur zu gut – und bezieht Stellung.

          Jerome Boateng sitzt in der Lobby eines Hotels gegenüber des Medienzentrums. Der Innenverteidiger, der seit Tagen im Zentrum der öffentlichen Diskussion steht, ist die Ruhe selbst. Es ist die letzte von drei Interviewrunden an diesem Tag, die teilweise mit mehreren Reportern stattfanden. Die Gespräche sind eingeteilt in drei Abschnitte, jeweils rund zwanzig Minuten. Um 13.30 Uhr gibt’s Mittagessen, wie immer. Daran kann auch der Satz von Alexander Gauland, den mittlerweile ganz Deutschland zu kennen scheint, nichts ändern.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Das öffentliche Interesse an Boateng sprengt an diesem Tag, dem ersten Medientag beim Weltmeister seit – „Die Leute finden ihn als Fußballer gut. Aber sie wollen einen Jerome Boateng nicht als Nachbarn haben“ –, den Rahmen im ohnehin schon überreizten Fußball. Keine Zeitung und kein Sender, der nicht wissen will, was Boateng zu #Nachbar zu sagen hat. Und über Rassismus, den der 27 Jahre alte Weltmeister und Star-Verteidiger des FC Bayern München seit Kindertagen in Deutschland erlebt.

          „Mein Thema ist die Europameisterschaft“

          Aber Boateng sagt erst mal:

          „Ich bin hier bei der Nationalmannschaft und bereite mich mit Deutschland auf die EM vor. Ich möchte hier nicht jeden Tag über andere Dinge reden und denen eine Plattform geben. Mein Thema ist die Europameisterschaft. Das heißt aber nicht, dass ich das Thema ignorieren würde.“

          Wie auch? Als kleiner Junge war Jerome rassistischen Anfeindungen wie auch seine Brüder Kevin-Prince und George oft schutzlos ausgesetzt. In diesen Tagen scheint es so, als ob das ganze Land hinter dem in Berlin als Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters geborenen Athleten steht. Überall wollen die Leute jetzt Boatengs Nachbar sein.

          Aber wer sind „die Leute“? Welche Leute er im Zusammenhang mit Boateng eigentlich meinte, hat Gauland bei seiner sogenannten Stimmungsbeschreibung bis heute im Unklaren gelassen. Klar ist allerdings, dass Gauland und die AfD an dieser „Stimmung“ nichts ändern, sondern davon profitieren wollen. Das sieht auch Boateng so.

          Glauben Sie, dass diese Aussage der AfD am Ende nutzt?

          Sie wollen es sicherlich nutzen. Sonst hätte sich die Aussage auch nicht auf mich bezogen. Man hat in den vergangenen Tagen aber gesehen, dass die Reaktionen darauf in Deutschland sehr positiv waren. Und darüber habe ich mich sehr gefreut. Es gab eine breite Ablehnung für diese Art der Hetze. Ich bin zwar kein politischer Mensch, aber bei diesem Thema kann ich natürlich schon sagen, dass so etwas in Deutschland nicht mehr möglich sein sollte. “

          Würden Sie über dieses Thema auch mit Gauland diskutieren?

          „Ich bezweifele, dass er mir eine überzeugende Erklärung liefern könnte. Zum Glück ist seine Meinung bei Weitem nicht mehrheitsfähig. Ich habe Deutschland, so wie ich aufgewachsen bin, immer auch als sehr offenes und hilfsbereites Land erlebt.“

          Selbst die Bundeskanzlerin hat Stellung bezogen. Wie haben Sie ihre Reaktion empfunden?

          „Ich habe mich gefreut, dass die Bundeskanzlerin das so klar und deutlich gesagt hat. Das ist wichtig, auch für Deutschland.“

          Wie hat sich das Thema Rassismus für Sie in den letzten Jahren entwickelt?

          „Ich persönlich kann sagen: Es ist weniger geworden - und es ist auch schon länger her. Aber ich habe auch eine andere Position. Ich glaube aber insgesamt, dass wir auf einem guten Weg sind. Aber es ist nicht weg. Das zeigt sich ja jetzt auch an dieser unsäglichen Diskussion. Es ist traurig, dass es diesen Rückfall gegeben hat. Dass man sich das anhören muss. Dass dies überhaupt noch möglich ist. Ich wünsche mir für meine Kinder, die ihre Zukunft in Deutschland noch vor sich haben, dass das für sie kein Thema mehr sein wird. Dass sie nicht mehr angreifbar sind.“

          Sie sind von der Gesellschaft sofort geschützt worden.

          Die Boatengs: Jerome mit George und Kevin-Prince

          „Aber andere, kleine Kinder und Jugendliche, werden vielleicht nicht geschützt.“

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