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DFB-Team bei der EM : Was nun, Herr Löw?

Was verändert Bundestrainer Joachim Löw für das Nordirland-Spiel? Bild: dpa

Ein Stürmer mehr, neue Kräfte wie der junge Sané und und und: Der Bundestrainer wird vor dem Spiel gegen Nordirland mit Ratschlägen überhäuft. Einige davon sind für Löw aber keine Option.

          Joachim Löw hatte den Spielern am Samstag freigegeben. Er selbst nutzte den Tag, um auf der DFB-Pressekonferenz in Évian in die Offensive zu gehen. Nach dem 0:0 ohne klare Torchance gegen Polen erschien ihm das nötig. Normalerweise tritt der Bundestrainer bei großen Turnieren fast nur noch vor die Presse, wenn er dazu nach den Regularien von Uefa oder Fifa verpflichtet ist.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Löw nahm seine Mannschaft nach nur einem einzigen herausgespielten Treffer in den beiden ersten Spielen der Europameisterschaft in Schutz, auch wenn er die offensichtlichen Schwächen im Angriff gegen Polen einräumte. In der ersten Partie, beim 2:0 gegen die Ukraine, hatte noch die Defensivleistung des Weltmeisters in der Kritik gestanden, aber weit weniger als nun die Offensivabteilung, die meist schon im Ansatz steckenblieb. Die Parole, die Löw vorgegeben hatte, variierten Thomas Müller, Mario Götze und der frühere Stürmer Oliver Bierhoff am Sonntag dann mit ihren Worten. Sie lautet trotz aller Kritik: Kurs halten.

          Aber welche Möglichkeiten besitzt der Bundestrainer, um nach den beiden so unterschiedlich verlaufenen und bewerteten Begegnungen die deutsche Mannschaft an diesem Dienstag gegen Nordirland (18.00 Uhr / Live in der ARD und im EM-Ticker bei FAZ.NET) taktisch so zu verändern, dass das Team sowohl stabil, als auch stürmisch wird? Und abgesehen von den grundsätzlichen Möglichkeiten: Welche neuen Varianten, über die in Fußball-Deutschland in diesen Tagen diskutiert wird, sind wahrscheinlich? Oder, mit anderen Worten: Was nun, Herr Löw?

          Die taktische Ausrichtung: Vor dem Turnier hatte der Bundestrainer betont, der Weltmeister sei taktisch flexibel. Das Team könne sowohl mit Dreier- als auch mit Viererkette verteidigen. Zudem wäre im Angriff ein System mit einem, aber auch mit zwei Angreifern möglich. Den Doppelsturm brachte Löw sogar noch am Abend vor dem deutschen Start ins Gespräch. Bisher hat die deutsche Mannschaft in Frankreich nur der Viererkette vertraut. Und Götze stand stets als einziger zentraler Stürmer in der Startaufstellung. Gegen Nordirland wird sich an dieser taktischen Ausrichtung in der Defensive nichts ändern.

          Eine Dreierkette hat Löw für dieses Spiel schon kategorisch ausgeschlossen. Gegen eine Mannschaft mit einer Spitze wie Nordirland sei die Dreierkette nicht geeignet, nur gegen Mannschaften, die mit zwei Spitzen anträten, sei dies ein Mittel. Im Angriff lieferte der Bundestrainer für die neue Variante mit Doppelspitze keinen konkreten Hinweis, wenngleich er darauf hinwies, dass sich gegen Nordirland mehr deutsche Spieler im gegnerischen Strafraum aufhalten müssten als zuletzt. Dafür ist jedoch eine Doppelspitze nicht unbedingt notwendig, das lässt sich auch im bisherigen System regeln. Er hat ja Thomas Müller.

          Umstellungen in der Defensive: An der Schwäche des Ukraine-Spiels haben die Deutschen erfolgreich gearbeitet. Die Defensivarbeit begann gegen die Polen schon in der Offensive. Die dafür nötige Laufbereitschaft und der Einsatz waren höher als gegen die Ukraine. Auch die gefährlichen Konter der Polen unterband Löws Team. Die Viererkette mit den Innenverteidigern Jerome Boateng und Mats Hummels, aber auch die Außenverteidiger, erfüllten ihre defensiven Aufgaben. In der Offensive allerdings gab der Schalker Benedikt Höwedes auf der rechten Seite keinen und der Kölner Jonas Hector auf der linken Seite kaum einen Impuls. Flankenläufe bis an die Grundlinie unterblieben, auch aus dem Halbfeld entstand keine Gefahr.


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          Die Diskussionen kreisen nun um die Frage, ob mit Joshua Kimmich oder Emre Can neue Außenverteidiger für offensiven Schwung sorgen könnten, zumindest gegen einen besonders defensiv eingestellten Gegner wie Nordirland. Löw vertraute in der Vergangenheit bei großen Turnieren stets seiner angestammten Viererkette, nur Verletzungen, wie etwa die von Shkodran Mustafi bei der WM 2014 gegen Algerien, erzwangen Veränderungen.

          Außerdem: Gegen Polen mangelte es vor allem der Offensive an Durchsetzungsfähigkeit, warum also die Abwehrformation verändern? Und umfangreiche Umbaumaßnahmen würden, so bestimmt wie Löw auftrat, um die grundsätzliche taktische und personelle Ausrichtung des Weltmeisters zu verteidigen, nicht zu seiner Einschätzung passen. Viele Positionswechsel wären dann ein Zeichen für ein tiefer gehendes Problem, von dem Löw aber nichts wissen will. So ist zu vermuten, dass die Viererkette nicht verändert wird.

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          Umstellungen in der Offensive: Der Bundestrainer zeigt sich überzeugt, dass gegen die eng und mit einer Fünferkette verteidigenden Nordiren wendige Spieler in der Offensive notwendig seien – und kein eher statischer Mittelstürmer alter Schule. Ein Wechsel zwischen Götze und Mario Gomez widerspräche dieser Analyse. Wenn es eine Umstellung in der Offensive gibt, dann erscheint der Wechsel André Schürrle für Julian Draxler aus Sicht von Löw am plausibelsten. Draxler hat in zwei Spielen nicht gezeigt, dass er die Eins-zu-eins-Duelle auf der linken Seite so für sich und das Team entscheiden kann, wie es sich der Bundestrainer erhofft und erwartet hatte. Aber der Gewinn mit Schürrle erscheint auch nicht so groß, dass dieser Wechsel zwingend wäre.

          Der von vielen Fans und einigen Experten erhoffte und geforderte Einsatz von Leroy Sané dürfte, wenn der Eindruck nicht täuscht, für Löw keine Option sein, zumindest nicht in der Startformation. Er hat gleich mehrmals darauf hingewiesen, dass ein wichtiges EM-Spiel für junge Spieler besonderen Druck bedeutet. Es sieht vielmehr danach aus, dass er die Stammkräfte in die Pflicht nimmt. Wahrscheinlicher scheint es, um mehr Spieler in und um den Strafraum zu bekommen, wie Löw es fordert, dass Müller in die Spitze rückt. Und Götze von rechts kommt – und sich immer wieder mit Müller abwechselt, um so Unruhe zu stiften und Räume zu schaffen, die dem deutschen Team bisher verschlossen geblieben sind.

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