22.04.2004 · Keine Experimente trotz aktueller Probleme: Für Teamchef Rudi Völler steht der Kader für die EM in Portugal offenbar bereits weitgehend fest. Das verraten die Berufungen für das anstehende Rumänien-Spiel.
Trotz der immer größeren Probleme in der Sturmformation verzichtet Rudi Völler auf die letzte Chance zu Experimenten vor der Nominierung seines Kaders für die Fußball-Europameisterschaft. Nur bei einem Ausfall des angeschlagenen Stuttgarters Kevin Kuranyi für das Test-Länderspiel am kommenden Mittwoch gegen Rumänien darf der erst 18 Jahre alte Kölner Lukas Podolski auf ein Blitz-Debüt in der deutschen Nationalmannschaft hoffen. Denn obwohl die Stürmer Miroslav Klose und Benjamin Lauth verletzt ausfallen, berief der DFB-Teamchef am Donnerstag in Frankfurt mit Ausnahme des nach seiner Pause zurückkehrenden Kapitäns Oliver Kahn ausnahmslos Spieler in seinen 20köpfigen Kader, die auch beim 3:0 gegen Belgien im letzten Länderspiel dabei waren.
Eine Beförderung des erneut für die „U 21“-Auswahl nominierten Podolski hängt von Kuranyis Meniskusverletzung ab, wie Völler bestätigte: „Falls Kevin ausfällt, wird ein Stürmer nachnominiert.“ Der könnte dann wohl nur Podolski heißen, weil Völler durchblicken ließ, daß er auf einen Spieler aus der „U 21“ oder dem „Team 2006“ zurückgreifen würde, die sich wie der Vize-Weltmeister am Sonntag in Frankfurt am Main treffen. „Die Wege sind sehr kurz, um noch zur A-
Mannschaft zu stoßen“, bemerkte Völler.
Rumänien-Akteure bei der EM wohl dabei
Völler hält an Fredi und Bobic (Hertha BSC) und Oliver Neuvielle (Bayer Leverkusen) fest, obwohl beide zuletzt nur Reservisten im Verein waren. Er setzt im Sturm in erster Linie auf Kuranyi, der trotz seiner Knie-Verletzung nicht operiert werden muß, und die Saison offenbar zu Ende spielen kann. Stuttgarts Trainer Felix Magath gab am Donnerstag Entwarnung: „Die Belastung für Kevins Knie ist kein Problem“, sagte er. Kuranyi könne auch am Samstag für den VfB in Hannover auflaufen. Neben Kuranyi („Wenn der Riss im Meniskus größer wird, kann ich die EM vergessen“) steht zudem hinter dem Einsatz von Torsten Frings ein Fragezeichen. Der Dortmunder laboriert an einem Muskelfaserriß.
Die 20 für das Rumänien-Spiel berufenen Akteure haben ihr EM-Ticket so gut wie in der Tasche, auch wenn sie laut Völler noch nicht „definitiv gesetzt“ seien. Der Teamchef will seinen 23-köpfigen EM-Kader zwei Tage nach dem letzten Bundesliga-Spieltag am 22. Mai bekannt geben. Die offizielle Nominierungsfrist der UEFA endet allerdings erst am 2. Juni, zehn Tage vor Turnierbeginn. Während der Teamchef noch mit den derzeit verletzten Klose (Knie) und Andreas Hinkel (Sprunggelenk) für die EM-Endrunde in Portugal plant, spielen die Langzeitverletzten Christoph Metzelder und Sebastian Deisler praktisch keine Rolle mehr in seinen Überlegungen: „Es gibt immer ein kleines Fünkchen Hoffnung, aber ich bin bekannt dafür, ein großer Realist zu sein“, erklärte Völler. Der 44jährige wird seinen Kader am Sonntagabend in Neu-Isenburg zusammenziehen, aber erst am Montag komplett um sich versammelt haben.