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Fußball Effenberg in Katar: „Mit Anstand und Bescheidenheit“

02.09.2003 ·  Wer nach Katar kommt, muß sich anpassen. Das gilt auch für Stefan Effenberg, der seit dieser Woche bei Al Arabi in Doha für die neue Saison trainiert.

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Nun ist Stefan Effenberg also im Emirat Katar und trainiert für die neue Fußballsaison im Trikot von Al Arabi aus der Hauptstadt Doha. Katar ist natürlich eine neue Welt für ihn. Hier ist es sogar noch heißer als im heißesten deutschen Sommer. 42 Grad am Montag, 43 Grad am Dienstag und Mittwoch. Es heißt, Effenberg sei anfangs etwas weniger gelaufen als seine Mitspieler. Das ist keine Faulheit, sondern Anpassung an die neue Umgebung. Ein guter Vorsatz.

Wer nach Katar kommt, sollte nicht nur auf das Wetter Rücksicht nehmen. Die Gastgeber weisen Besucher freundlich darauf hin, daß in ihrem Land andere Sitten herrschen als zum Beispiel in Europa. So heißt es etwa auf „Qatar Info“, einer staatlichen Homepage: „Politik ist ein Thema, das man in Katar vermeiden sollte.“ Sozialpolitische Vorschläge, wie man sie von Effenberg in Deutschland gewohnt war - etwa die Kürzung des Arbeitslosengeldes -, werden in seiner neuen sportlichen Heimat nicht gerne gesehen.

Einfache Regel für Effe: „Offene Kritik keine gute Idee“

Auch staatliche Autoritäten sind unbedingt zu achten. Die Verfolgungsjagd, die sich Effenberg kurz vor seinem Abschied aus Wolfsburg mit einem Polizisten (inklusive anschließender Beschimpfung) geleistet haben soll, käme hier nicht gut an. Am besten hält sich der Fußballprofi und Buchautor („Ich hab's allen gezeigt“) an eine einfache Regel: „Offene Kritik an Katar, Kataris, am Islam und an jeder lokalen Gepflogenheit oder Lebensart ist keine gute Idee.“

Allerdings läßt Effenbergs Rüpelprosa wenig Gutes ahnen. Zwar hat er bei Al Arabi einen argentinischen Trainer, nämlich seinen früheren Mitspieler Gabriel Batistuta, und eine Reihe ebenfalls zugereister Kollegen. Da aber nur vier ausländische Profis pro Mannschaft erlaubt sind, kommen automatisch einige Kataris dazu. Diese bei Verärgerung so anzugehen wie im Fall der früheren Mitspieler Lothar Matthäus („Ein Verpisser“) oder Brian Laudrup („Ich habe deine Frau nicht gepimpert. Hast du einen Schatten, oder was?“) würde in Katar noch schlechter ankommen als in Deutschland.

„Anstand und Bescheidenheit“

Eine andere unschöne Episode aus seinem bewegten Leben könnte dagegen hilfreich sein. Einem Gegenüber soll man in Katar keinesfalls seine Schuhsohlen zeigen. Diese Umstellung sollte nicht schwerfallen, hat Effenberg bei diesem Thema doch längst eine gewisse Senisibilität bewiesen. Dabei geholfen hat ihm nach eigener Schilderung einst ein Betrunkener vor seiner Garageneinfahrt, den er mit dem Fuß angestupst haben will. Eine Begegnung, die Gefühle weckte: „Mir taten meine Schuhsohlen leid, so widerwärtig war der Typ.“

Weil Sportler oft als eine Art Botschafter ihres Landes gelten, bleibt zu hoffen, daß Effenberg auch den katarischen Kleidungskodex für Ausländer verinnerlicht. Fremde müssen bei der Wahl ihrer Garderobe „einen gewissen Grad an Anstand und Bescheidenheit“ erkennen lassen. Das klingt, bei aller Erfahrung mit Effenbergs eher extrovertiertem Stil, wenig kompatibel. Kurze Hosen an öffentlichen Plätzen sind für Männer verboten. Aber auch Sporthemden, die „kurz“ oder „eng“, also körperbetont sind, stehen auf dem Index. Immerhin: Von Tätowierungen ist keine Rede. Womöglich hat man hier noch nicht genug Erfahrungen damit.

Außerdem ist Effenbergs weibliches Pendant, seine Lebensgefährtin Claudia Strunz („die Knie immer bedeckt“, „keine Minishirts“, „keine ungebührlichen Verstöße“), offenbar keine Gefahr: Sie zieht es vor, in Deutschland zu bleiben.

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